Letzter österreichischer Kaiser starb auf Madeira

1918/2018 – Der letzte Kaiser verzichtete niemals auf den Thron

Freitag, 02. November 2018 | 07:40 Uhr

Das Ende der Monarchie in Österreich jährt sich am 11. November zum 100. Mal. An diesem Tag verzichtete der letzte österreichische Kaiser, Karl I., “auf jeden Anteil an den Regierungsgeschäften”. Tags darauf wurde von der Provisorischen Nationalversammlung die Republik Deutsch-Österreich aufgerufen, die nach dem Willen ihrer Abgeordneten im Deutschen Reich aufgehen sollte.

Karl bestieg nach dem Tod seines Großonkels Franz Joseph I. im Jahr 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, den Thron und versuchte vergeblich, geheime Friedensverhandlungen mit der Entente einzuleiten. Unter dem Druck der demokratischen Entwicklung unmittelbar nach Kriegsende verzichtete er schließlich 1918 auf die Ausübung der Regierungsgeschäfte. Nach zwei Restaurationsversuchen in Ungarn wurde er nach Madeira verbannt, wo er kurz darauf starb. Auf seinen Thron hat Karl, wie auch später seine Witwe Zita, nie verzichtet.

Der junge Erzherzog Karl Franz Joseph war erst die dritte Wahl für die Nachfolge Franz Josephs gewesen. Nach dem geheimnisumwitterten Selbstmord von dessen Sohn Rudolf in Mayerling avancierte Franz Josephs Neffe Franz Ferdinand in diese Rolle. Erst als dieser 1914 dem Attentat in Sarajevo zum Opfer fiel, kam sein damals 27-jähriger Neffe Karl zum Zug. Karl war am 17. August 1887 in Schloss Persenbeug in der Wachau geboren worden, sein Vater Otto Franz Joseph war ein Bruder Franz Ferdinands.

1911 heiratete Karl Zita von Bourbon-Parma, die Tochter des letzten Herzogs von Parma, Robert von Bourbon, und seiner zweiten Frau, Maria Antonia von Braganza, Infantin von Portugal. Mit ihr hatte er acht Kinder. Nach dem Tod Franz Josephs am 21. November 1916 bestieg Karl den Thron der Donaumonarchie und wurde am 30. Dezember in Budapest als Karl IV. zum ungarischen König gekrönt.

Um sich der Vorherrschaft des deutschen Kriegsverbündeten zu entziehen, versuchte das Kaiserpaar durch Zitas Bruder Sixtus von Bourbon-Parma über den französischen Präsidenten Raymond Poincare 1917 geheime Friedensverhandlungen mit der Entente herzustellen. Karl stellte seine Unterstützung der französischen Ansprüche auf Elsass-Lothringen in Aussicht, die Aktion scheiterte jedoch an den italienischen Forderungen nach der Abtretung Südtirols. Frankreichs Regierungschef Georges Clemenceau ließ nach einer heftigen Attacke des österreichisch-ungarischen Außenministers Ottokar Graf Czernin die “Sixtus-Briefe” im April 1918 veröffentlichen, was zu einer Belastung der Beziehungen mit Berlin und einer Schwächung von Karls öffentlichem Ansehen führte.

Ursprünglich in der drängenden Nationalitätenfrage zaudernd, versuchte Karl schließlich im Oktober 1918 – zu spät -, mit seinem “Völkermanifest” über eine föderative Neugliederung der österreichischen Reichshälfte das Steuer herumzureißen, was aber durch den rapiden militärischen Zusammenbruch zum Scheitern verurteilt war. Am 12. November 1918 rief die zusammengetretene Provisorische Nationalversammlung die Republik Österreich aus.

Nach seinem Verzicht auf die Regierungsgeschäfte am 11. November zog sich Karl mit seiner Familie zunächst auf sein Schloss Eckartsau zurück. Zwei Tage später verzichtete er dort auch gegenüber einer ungarischen Politikerdelegation schriftlich auf die Regierungsausübung in Ungarn.

Wegen seiner Weigerung, formell abzudanken, wurde der innenpolitische Druck auf Karl immer größer, das Land zu verlassen. Am 23. März 1919 reisten der letzte Kaiser und seine Familie mit dem kaiserlichen Hofzug der Staatsbahnen von Kopfstetten, der nächstgelegenen Bahnstation, in die Schweiz ab. Von dort aus versuchte Karl noch zwei Mal, die Monarchie in Ungarn wiederzuerrichten.

Im Oktober 1921 wurden die ihm ergebenen Truppen – unter der Führung des Generals Anton von Lehar, des Bruders des Operettenkomponisten – bei Budaörs jedoch endgültig geschlagen, Karl und Zita verhaftet und mit ihren Kindern nach Madeira verbannt. Am 19. November 1922 kam die Familie im Hafen von Funchal an, nicht einmal fünf Monate später erlag der entthronte Monarch einem Lungenleiden.

Sein Sohn Otto Habsburg und sein Enkel Karl Habsburg waren politisch als Europaabgeordnete für die bayerische CSU bzw. ÖVP aktiv. Karl übernahm von seinem Vater den Vorsitz in der Paneuropa-Bewegung. Das jetzige Familienoberhaupt hat seinen Frieden damit geschlossen, kein Monarch zu sein. “Ehrlich gesagt, Kaiser zu sein, ist kein Job, den man anstrebt”, sagte Karl Habsburg kürzlich dem “Kurier”. “Ich bin froh, dass ich heute die Freiheit habe, mehr oder minder machen zu können, was ich will und mich nicht an irgendein Protokoll halten muss.”

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentare auf "1918/2018 – Der letzte Kaiser verzichtete niemals auf den Thron"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
silas1100101
silas1100101
Superredner
14 Tage 16 h

Ich will Kaiser werden!! Das ist ein schöner Beruf!!

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
14 Tage 14 h

Hast a Kaiser, dann bist a Kaiser.

wpDiscuz