Viennale-Abschlussgala am Sonntag im Gartenbaukino

58. Viennale rechtzeitig vor dem Lockdown beendet

Sonntag, 01. November 2020 | 20:19 Uhr

Das war eine Punktlandung: Lange hatte es so ausgesehen, als könnte die heurige Viennale zu den kulturellen Coronaopfern gehören. Direktorin Eva Sangiorgi hat sich aber mit ihrer Prämisse durchgesetzt, dass nur ein physisches Filmfestival ein echtes Filmfestival ist – und hat das Vabanquespiel gewonnen. Nach elf Tagen und null bekannten Coronaclustern konnte Österreichs größtes Kinofest am Sonntagabend Abschlussgala feiern – am vorletzten Abend vor dem neuen Lockdown.

Selbstredend kommen die Zuschauerzahlen mit 42.000 Filmfreunden und -freundinnen seit der Eröffnung am 22. Oktober nicht an die Zahlen der Vorjahre heran, als man ohne Pandemie deutlich mehr Sitzplätze im Angebot hatte. Angesichts der Streichung von drei Spieltagen und beinahe der Hälfte des Kartenangebots bedeuten die 42.000 verkauften Karten immerhin eine respektable Auslastung von 74 Prozent.

“Wir haben bis zum Schluss gezittert und gehofft”, erinnerte sich Viennale-Geschäftsführerin Eva Rotter an die Planungszeit. Umso mehr blicke man deshalb mit Demut zurück an die vergangenen Tage und sei in Gedanken bei allen Kollegen aus dem Kulturbereich, die ab Dienstag von den behördlichen Schließungen im Zuge des neuen Lockdowns betroffen seien.

“Mir ist klar, was wir für ein Glück hatten”, freute sich Direktorin Sangiorgi in ihrer Abschlussrede über das Gelingen der heurigen Ausgabe. Sie verabschiedete sich mit einem Geschenktipp für Weihnachten: Abonnements und Kinogutscheine sei die ideale Variante, die darbende Kulturszene zu unterstützen.

Von einer großen Erleichterung, dass die Viennale wieder Welten eröffnet habe, berichtete Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), die die Gelegenheit nutzte, für den Montag ein letztes Mal zum Besuch von Kultureinrichtungen vor dem Lockdown aufzurufen: “Tragen Sie ihren Anteil zur Volksgesundheit bei. Es gibt keine sichereren Orte als Kinos, Theater, Opernhäuser, Museen.”

Wer sich freuen konnte waren auch die Preisträger der heurigen Coronaedition, die bei der abendlichen Gala ausgezeichnet wurden. Der mit 6.000 Euro dotierte Wiener Filmpreis für den besten österreichischen Film ging an Hubert Saupers essayistischen Kuba-Dokumentarfilm “Epicentro”. “Das ist das dritte Mal, dass ich diesen Preis bekommen – von jetzt an kann es nur abwärts gehen”, zeigte sich Sauper routiniert. Mit dem mit 4.000 Euro versehenen Spezialpreis der Jury wurde indes die Androiden-Dystopie “The Trouble with Being Born” von Sandra Wollner geehrt, die heuer bei der Berlinale Weltpremiere gefeiert hatte.

Ebenfalls vergeben wurde auch der “Standard”-Publikumspreis an einen Film, der noch keinen Verleih in Österreich hat: Die Leserjury entschied sich für die mystische mexikanische Parabel “Selva tragica” (“Tragic Jungle”) von Yulene Olaizola. Der FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik für den besten Erst- oder Zweitfilm konnte sich das polnische Animationswerk “Zabij to i wyjedz z tego miasta” (“Kill it and Leave This Town”) von Mariusz Wilczynski sichern.

Und wie in den Vorjahren zwei Gewinner gab es beim Erste Bank MehrWERT-Filmpreis: Da coronabedingt die Vergabe eines New-York-Stipendiums nicht möglich war, gingen 6.000 Euro an die österreichische Koproduktion “Zaho Zay” von Georg Tiller und Maeva Ranaivojaona, die die Geschichte einer Kolonie der Verdammten in Madagaskar erzählen. “Wir haben ein Konto bei der Ersten Bank – und sie werden froh sein, dass unser Minus nun für einige Monate gedeckt sein wird”, freute sich Tiller über den Geldpreis. Der zweite Preisträger ist die ebenfalls österreichische Dokumentararbeit “Bitte warten” von Pavel Cuzuioc über Kommunikationstechniker in Osteuropa, der sich über 3.000 Euro freuen kann.

Von: apa

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