Hauptpreis für Christian Froschs Gerichtsdrama

9. Österreichischer Filmpreis – “Murer”-Regisseur: “Der geht an alle”

Mittwoch, 30. Januar 2019 | 23:00 Uhr

Viel Freude herrschte am Mittwochabend im Wiener Rathaus bei den Empfängern des diesjährigen Österreichischen Filmpreises. Mit acht Nominierungen als Favorit in die Gala gegangen war Christian Froschs Gerichtsdrama “Murer – Anatomie eines Prozesses”, geworden sind es zwei Preise – darunter jener für den besten Film. “Das ist immer super, also kann man nur lachen”, so Frosch über die Auszeichnung.

Er finde ohnehin, dass es sich bei seinem Werk um einen Ensemblefilm handle. “Insofern ist es mit den Einzelleistungen so eine Geschichte”, meinte Frosch, der sich gleichzeitig aber sehr über den Preis für Inge Maux als beste Nebendarstellerin freute. Aber: “Film ist ein kollektives Medium. Nicht ich habe diesen Preis gewonnen, der geht an alle. Daher ist es der schönste Preis”, sagte Frosch zum Sieg in der Hauptkategorie. Wirklich daran gedacht habe er zwar nicht. “Man verdrängt es eher”, erklärte er im APA-Interview. “Aber wenn man nominiert ist, rechnet man schon mit der Möglichkeit.”

Da “Murer” alles andere als ein leichter Film ist – es wird die Geschichte des “Schlächters von Wilna”, Franz Murer, erzählt, der 1963 bei einem Prozess in Graz freigesprochen wurde -, sind für den Regisseur besonders die Kinobesucher wichtig. “Es ist das Schönste, dass der Film doch viele Leute ins Kino gebracht hat. Auch in Regionen am Land, wo es fast keine Kinos mehr gibt. Da merkt man, welche Dynamik der Film hat.”

Mit Ingrid Burkhard wurde eine Grande Dame des heimischen Films als beste Mimin gekürt. In “Die Einsiedler” von Ronny Trocker werde man in eine andere Welt geführt, schwärmte die 87-Jährige über den Film. “Ich fand, dass er so gut geschrieben ist. Er hat große Anforderungen an den Zuschauer gestellt, hat gewollte Längen, ist in einer südtirolerischen Mundart gesprochen – alles keine leichte Kost. Trotzdem hat er gefallen.”

Dass bei der Filmpreisgala etliche Künstler das Wort ergriffen haben, um sich gegen den Rechtsruck in Österreich und die türkis-blaue Regierung auszusprechen, imponierte Burkhard. Allerdings verwies sie auch darauf, dass im Saal wohl alle einer Meinung sind – und man daher mit den Leuten draußen ins Gespräch kommen müsse. “Man muss ihnen sagen: Hört doch zu! Hört, welche Luftblasen dort gesprochen werden. Ich sage, was ich mir denke. Ich habe es schon mal erlebt, und ich höre genau dieselben Töne wie damals.”

Sichtlich gerührt war Laurence Rupp, als er die Trophäe für den besten Hauptdarsteller (“Cops” von Stefan A. Lukacs) entgegennehmen durfte. Auch nach dem ersten Schock auf der Bühne betonte der Wiener: “Ich habe es ehrlich gesagt unterschätzt. Die Vorstellung, zu gewinnen, hat mir geschmeichelt. Aber es übertrifft wirklich alle Erwartungen.” Die Arbeit an “Cops” sei eine besondere Erfahrung für ihn gewesen. “Nicht alle Projekte geben das her, was dieser Film hergegeben hat – eben in dem Sinn, wie man sich vorbereiten musste. Auch einen körperlichen Vorgang durchleben, um da ranzukommen. So etwas ist eine Seltenheit. Umso schöner ist es, dass das jetzt ausgezeichnet wurde.”

Von: apa

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