Für Diskussionsstoff ist seit Bekanntgabe der Preisvergabe gesorgt

Akademie verteidigt Entscheidung zu Nobelpreis für Handke

Donnerstag, 17. Oktober 2019 | 17:07 Uhr

Die Schwedische Akademie hat ihre Entscheidung, in diesem Jahr Peter Handke mit dem Literaturnobelpreis auszuzeichnen, verteidigt. Der Österreicher habe provokante Kommentare abgegeben, aber nicht das Blutvergießen unterstützt, hieß es als Reaktion auf Kritik von Überlebenden des Massakers von Srebrenica, die die Akademie aufgefordert hatten, die Auszeichnung zurückzunehmen.

In einem am Dienstag in der schwedischen Tageszeitung “Dagens Nyheter” publizierten Artikel meldete sich Mats Malm, der Ständige Sekretär der Akademie, zu Wort. Handke habe “provokative, ungeeignete und unklare Kommentare in politischen Fragen” gemacht, so Malm. Handke habe jedoch niemals das Blutvergießen glorifiziert und stattdessen das Srebrenica-Massaker klar verurteilt. “Die Akademie (…) hat nichts in seinem schriftstellerischen Werk gefunden, das eine Attacke auf die Zivilgesellschaft darstellt oder den Respekt für die Gleichheit aller Menschen infrage stellt”, schrieb Malm.

Die Akademie zitierte einen Artikel aus dem Jahr 2006 in der “Süddeutschen Zeitung”, in dem Handke sagte, Srebrenica sei “das schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das in Europa nach dem Krieg begangen wurde”.

Handke selbst sagte in einem am Freitag erscheinenden Interview der Zeitschrift “News” , er habe “überhaupt nicht” mit dem Nobelpreis gerechnet”. “Aus Gründen, die Sie sicher ahnen können. Ich dachte, ich komme überhaupt nicht infrage”, fügte er hinzu. Im vergangenen Samstag geführten Interview nimmt er auch Bezug auf den Journalistenandrang in Chaville: “Im Nachhinein hab ich mir gedacht, ich hätte ein paar Fußtritte austeilen sollen.”

Handke hatte nach den dem Anruf der Schwedischen Akademie am vergangenen Donnerstag zunächst einen vierstündigen Waldspaziergang absolviert, ehe er auf die vor seinem Haus wartende internationale Journalistenschar traf. Während er sich über deren Fragen zumeist geärgert habe, erfahre er am Telefon viel Zuspruch: “Endlich geht es wieder um Literatur”, sagten jene, die ihn nun anriefen. “Manche sagen auch, das ist der Sieg der Literatur. Dann sage ich: Mit Siegen hat Literatur nichts zu tun.”

Für seine proserbischen Haltung ist Handke erneut stark in Kritik geraten. Dass Salman Rushdie ihn einen Trottel genannt habe, dagegen scheint er jedoch nichts zu haben: “Da hat er ja recht.” Das Werk von Olga Tokarczuk, der gleichzeitig verkündeten Nobelpreisträgerin des Jahres 2018, kennt er “überhaupt nicht, leider! Fast eine Schande von mir, dass ich so wenig lese, was heutzutag’ geschrieben wird, weil ich kein rechtes Vertrauen hab.”

Bei den Salzburger Festspielen 2020 wird ein neues Stück über den jungen Tschechen Zdenek Adamec, der sich im Jahr 2003 18-jährig am Prager Wenzelsplatz aus Protest gegen “die Herrschaft von Angestellten, Geld und Machtmenschen” anzündete, uraufgeführt. Es sei kein Auftragswerk für die Salzburger Festspiele, sagt Handke in dem Interview. “Die Festspiele haben es sich halt geschnappt. Es war ein schöner Streit zwischen Burgtheater und Salzburg.”

Von: APA/ag.

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