Albertina präsentiert 350 "New Akquisitions"

Albertina zeigt ihre “New Acquisitions”

Mittwoch, 05. Juli 2017 | 13:40 Uhr

Die Albertina ist bekannt als Besuchermagnet: 12 Millionen Eintritte zählt die mittlerweile 18-jährige Ära Schröder. Jetzt zeigt das Museum, was in dieser Zeit hinter den Kulissen passiert ist: “Look! New Acquisitions” bespielt zwei Stockwerke mit Erwerbungen und Schenkungen, die anhand von 50 hochkarätigen Künstlern eine ebenso eindrucksvolle wie konzise Sammlungsstrategie belegen.

“Wir könnten zehn weitere Ausstellungen machen, in der gleichen Qualität”, betonte Direktor Klaus Albrecht Schröder am Mittwoch bei der Presseführung. Mehr als 10.000 Werke zeitgenössischer Kunst hat die Albertina seit ihrer Wiedereröffnung unter Schröder erworben oder als Schenkung angenommen, Ankäufe, die natürlich nur “durch gewaltige Spenden” möglich waren, wie Schröder betonte. 350 Arbeiten hat man ausgewählt und dafür auf 2.500 Quadratmetern Platz gemacht.

Die Auswahl sei einer gewissen “Willkür” unterworfen, einer “Momentaufnahme”, so Schröder, die nicht zuletzt zeigen soll, “dass man die Kunstgeschichte nicht mehr an einem Strang erzählen kann”. Kanon und Normen seien in der Gegenwartskunst ebenso abhandengekommen, wie in der Gegenwart insgesamt, Pluralität und Heterogenität “haben sich überall durchgesetzt – das kann man als Bedrohung empfinden, oder, wie ich, als Befreiung und Bereicherung”, sinnierte Schröder auch über das veränderte Bevölkerungsbild Wiens.

“Überhaupt keinen Sinn” mache es in dieser Gegenwart, ein Museum nur einem Medium zuzuordnen, “dieser Schematismus des 18. Jahrhunderts ist vollkommen obsolet und anachronistisch”, so der Direktor der “Grafischen Sammlung”, als die das Museum gerne definiert wird. Dass er diese Einschränkung in der Ausstellungstätigkeit oft lustvoll überschritten hat, ist bekannt. Umso erstaunlicher, dass die Erwerbungen – wie die aktuelle Schau zeigt – dennoch in großer Mehrzahl Papierarbeiten sind. Unter den hinzu gekommenen Gemälden befinden sich vor allem Schenkungen direkt von Künstlern.

Da sind die langen, tragfähigen Beziehungen zu Künstlern wie Alex Katz, Gottfried Helnwein, Max Weiler oder Georg Baselitz, das klare Commitment zu einer Repräsentation österreichischer Kunst mit Positionen wie Markus Schinwald, Hubert Schmalix, Anna Jermolaewa, Eva Schlegel, Helga Philipp oder Herbert Brandl, da sind die US-Schwergewichte wie Eric Fishl, Donald Judd, Sol LeWitt, Richard Serra, Andy Warhol oder Roy Liechtenstein und viele mehr – von William Kentridge bis Burhan Dogancay, von Markus Lüpertz bis Csaba Nemes, von Marlene Dumas bis Sevda Chkoutova.

Diese Vielfalt darf man nicht als Zufallsprodukt missverstehen. Die Albertina wählt ihre Künstler genau aus – lehnt daher auch viele Schenkungsangebote ab – und bleibt ihnen lange treu. Bei Erwerbungen punkte man weniger mit finanzieller Potenz als mit dem Versprechen, “einer sehr sorgsamen Pflege” sowie der hohen Wahrscheinlichkeit “als Sammlung zu bestehen und die Werke damit in die Zukunft zu tragen”, so Kuratorin Antonia Hoerschelmann. Aber auch Schenkungen “fliegen einem nicht zu”, ließ Schröder keinen Zweifel daran, dass hinter den Akquisitionen “eine strategische Erwerbungspolitik” und viel harte Arbeit stecken.

Harte Arbeit hinter den Kulissen, die mit dieser Ausstellung nun auch in der Öffentlichkeit große Früchte trägt: Erstmals bespielt die Albertina gleich zwei Stockwerke mit einer Schau – und widmet ihr auch noch den publikumswirksamen Sommer. Nicht nur für Touristen, auch für Wiener ein Pflichttermin.

Von: apa