Für 2018 ist die Ars Electronica vorbei

Ars-Electronica-Finale zwischen Digitalbild und Ikea-Vorhang

Dienstag, 11. September 2018 | 09:10 Uhr

Das war’s: Das Ars Electronica Festival 2018 ist am Montagabend mit einer Weltpremiere zu Ende gegangen. Wie im Vorjahr bildete ein Konzert der Wahllinzerin Maki Namekawa den Abschluss des digitalen Festivalreigens in der einstigen Stahlstadt. Neben neuen Arbeiten des heimischen Videokünstlers Cori O’Lan kam diesmal auch Starfotograf Andreas Bitesnich zum Zuge – eine letztlich vertane Chance.

In gewissem Sinne bewegte man sich mit dem Abschlussabend somit also auf jenem Terrain, das man beim Festival, das heuer unter dem Motto “Error” stand, ansonsten stets meidet: das sichere. “Piano Music Meets Digital Images” hatte man den Abend in der PostCity beim Bahnhof prosaisch überschrieben. Und doch wurde es keine reine Reprise der Edition 2017.

Am Beginn des Abends stand die Weltpremiere der Klavierfassung von Philip Glass’ “Mishima”, jener Filmmusik, die er 1985 zu Paul Schraders Avantgardefilm geschrieben hatte, und die den Komponisten über die Kinoleinwand einem größeren Publikum bekannt machte. Die Musik bot bereits die Basis für Glass’ 3. Streichquartett und nun eben im Arrangement von Michael Riesmann, Musikdirektor des Glass-Ensembles, die für eine Solopiano-Partitur.

Das musikalisches Essay über das Leben des japanischen Literaten Mishima Yukio funktioniert in der reduzierten Klavierfassung jedoch nur bedingt aus sich selbst heraus. Die einzelnen Stücke sind zu sehr der ungleich komplexeren Orchesterpartitur nachgearbeitet, als dass sie ein Eigenleben entwickeln könnten. Sie wirken stets in der Referenz zur Vorlage, auch wenn Glass-Expertin Namekawa die Crescendi des Orchesters mit aller Verve nachzubilden weiß.

Offiziell erscheint die Aufnahme kommenden Monat bei Orange Mountain Music, wobei dem Hörer dann die dazugehörigen “Visuals” des Wiener Starfotografen Andreas Bitesnich entgehen – allerdings kein substanzieller Verlust. Diese Lichtchoreografie des 54-Jährigen “Visuals” zu nennen, erfordert schon einigen Mut. Das wäre, als würde man das Anknipsen der Nachttischlampe als “Lightshow” betiteln.

Letztlich werden nur einige Stoffbahnen hinter dem Klavier monochromatisch ausgeleuchtet, um wie Stoffproben in der Ikea-Vorhangabteilung einzelne Farbnuancen abzugeben. Ohne die letztlich irreführende Titulierung als “Digital Images” wäre die Bitesnich-Arbeit eine stimmige, reduzierte Lichtarbeit, die sich vornehm hinter die Musik zurücknimmt und dieser den Platz in der ersten Reihe überlässt.

Aus anderem digitalen Holz geschnitzt waren da erneut die Fantasien des heimischen Visualkünstler Cori O’Lan, der schon wie im Vorjahr auf tatsächliche Visuals setzte. Saiten tanzen zu Steve Reichs Fingerbrecher “Piano Phase”, bei der das Ehepaar Namekawa/Dennis Russell Davies an zwei Klavieren vom selben 12-Tonmuster ausgeht, dass sie über die Viertelstunde des Stücks hinweg jedoch subtil variieren, einen flirrenden, teils gegenläufigen, teils parallelen Klangteppich erzeugen – eine Methode, die seit der Uraufführung 1967 ihren Weg in die Popmusik gefunden hat. Zu Maurice Ravels “Ma Mere l’Oye” türmen sich digitale Gebirge und Unterwasserpflanzen auf, während sich zur Glass-Miniatur “Stokes” wie schon im Vorjahr die Rotte der Digitalquadrate ein Rennen liefert.

O’Lans Werke bleiben dabei stets so figurativ, dass sie der Musik nicht vollkommen als Hintergrund das Feld überlassen, sind zugleich aber abstrakt genug, um nicht in Konkurrenz mit dieser zu treten. Ihre Uraufführung erlebten diese Animationen im März beim Kooperationspartner, dem Abu Dhabi Music Festival. Und so endete die Linzer Ars doch noch digital versöhnlich. Alles in allem also auch zum Schluss kein “Error”.

Von: apa