Über 500 Programmpunkte umfasst "Error - the Art of Imperfection"

Ars Electronica – Gut gelotst durch den Festivaldschungel

Freitag, 31. August 2018 | 10:50 Uhr

Über 500 Programmpunkte umfasst das Ars Electroncia Festival “Error – the Art of Imperfection” von 6. bis 10. September, von Prototypen aus der Forschung bis zu Konzerten ist alles vertreten. “Man muss mit einem Filter herkommen, weil alles schafft man nicht”, sagt Sonja Schachinger. Sie verantwortet das mit 177 Touren durch die PostCity umfangreiche Vermittlungsprogramm “We guide you”.

Seit 2010 die Tabakfabrik bespielt wurde, ist das Festival in der Mitte der Gesellschaft angekommen, steigerte sich in den Jahren im ehemaligen Postverteilzentrum am Bahnhof zum “Volksfest”, wie Festivalleiter Martin Honzik sagt und den Begriff selbstverständlich positiv besetzt. “Wir legen großes Augenmerk auf die Vermittlung und wissen, dass die Fülle nicht gleich zu fassen ist”, ist der künstlerische Direktor Gerfried Stocker stolz darauf. Neben der Avantgarde finden nun auch Familien, Technikbegeisterte, Bio-Bauern und einfach neugierige Zeitgenossen den Weg zur “Ars”. Inmitten des riesigen, Medien, Kunst, Technik, Wissenschaft und Gesellschaft umfassenden Angebots ist man gut beraten, sich im Vorfeld zu informieren oder eine der Führungen zu buchen.

Sonja Schachinger ist Koordinatorin von 20 Guides, 100 Infotrainern und plant seit Mai, wann wer zu welchem Thema am besten welche Gruppe durch die Ausstellungen in der 100.000 Quadratmeter umfassenden PostCity führt, welche Fäden die einzelnen Führungen spinnen können. “Es gibt 50 Möglichkeiten, sich an einer öffentlichen Tour zu beteiligen”, empfahl die Medienkunstwissenschafterin. Neben den Spotlight Tours – an 17 Terminen, bis zu vierfach besetzt -, die in allgemein verständlicher Sprache, ohne viele Fachbegriffe, einen Überblick liefern, gibt es sogenannte Community-Parcours in 13, in Linz beheimateten Sprachen.

Festivalleiter Martin Honzik sieht in dem Angebot auch die politische Perspektive, den Kulturauftrag als gemeinnütziges Unternehmen, das gefördert wird von Stadt, Land, Bund und der EU. “Wir haben uns Gedanken gemacht, ob man mit Deutsch und Englisch alle erreicht.” Nach dem Kulturhauptstadtjahr 2009 habe man mit dem Migrationsamt der Stadt erarbeitet, welche Sprachen in Linz gesprochen werden und gelernt, die Kulturen an das Festival heranzuführen. “Rumänisch und Polnisch sind gute Communitys”, erzählt Schachinger, “und die Gebärdensprachler, da ist ein harter Kern, der wiederkommt und Freunde mitnimmt”. So soll es auch sein, ist sie zufrieden.

Heuer wagt man sich erstmals “in einer 100 Prozent nicht barrierefreien Location” an eine barrierefreie Führung. “trial/error” betitelt, “versuchen wir unser bestes, wir dürfen ausnahmsweise den Lift benutzen” – aber alles sieht man ohnehin nie in der riesigen PostCity. Filetstücke in ihren jeweiligen Fachbereichen servieren die Experten, darunter die jeweiligen Projektmanager des Festivals, bei den 18 verschiedenen “Expert Tours”, die sich an speziell interessierte Besucher richten – “The Sound of Error” empfiehlt sich Musikfreunden, “Art & Space, Humanity in Space” richtet sich an Weltraumfans und die “Art Market Initiative Tour” führt in die Welt der digitalen Kunst, um Beispiele zu nennen. Um die vielen Gäste aus Asien kümmern sich drei japanische Mitarbeiter im Ars-Electronica-Team.

Parallel zu den öffentlichen Führungen leiten die Mitarbeiter Gruppen, Firmen und Delegationen durch die Ausstellungen in den riesigen Hallen am Bahnhof. Die Wirtschaft ist ein wesentlicher Partner des Festivals geworden, durch die Vergrößerung sei das Interesse bei der Industrie gewachsen. “Prototypen, die aus einer wissenschaftlichen Forschung kommen” und das Unperfekte, das Unfertige haben dem Festival neue Zielgruppen beschert, so Honzik. Die Qualität, für verschiedene Genres Führungen anzubieten, komme aus dem Ars Electroncia Center, aus dem Futurelab. Das Festival bringe die Protagonisten aus dem Netzwerk nach Linz, die man bitten könne, sich eine Stunde Zeit zu nehmen für eine Gruppe aus der Industrie, ihnen einen frischen Ansatz zu ihrem Thema zu bieten, etwa “Bakterien, die Plastik recyceln können”.

Aber auch andere Festivalveranstalter und solche, die es noch werden wollen, kommen nach Linz, um sich Anregungen zu holen. “Das hat schon Consulting-Charakter”, beschreibt der Presseverantwortliche Christopher Sonnleitner. Schachinger hat in ihrem Team auch Kunstvermittler aus anderen Museen, die sich extra freinehmen, um in Linz dabei zu sein. “Die großen Augen, wie die Leute das aufnehmen, es ist eine Erlebniswelt, die sich auftut”, begeistert sie sich für die Tätigkeit der Vermittlung – auch weil sie selber viel von den Gruppen lernen könne, die sie führt. “Ich bin Medienkunstwissenschafterin und wenn ein ÖBB-Techniker sein Expertenwissen über das Material mit mir teilt, nehme ich das gern auf und baue es beim nächsten Mal ein.” Wissen sei keine Einbahnstraße bei der Ars Electronica, sondern ein Dialog, deshalb seien auch Audioguides kein Thema, bestätigte Sonnleitner. “Jeder soll sich etwas mitnehmen” – neben neu erworbenem Wissen können das durchaus auch schmerzende Füße sein, wie Schachinger schmunzelnd zugibt: “Die Post ist groß.”

Von: apa

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