Das Ars Electronica Center in Linz

Ars Electronica lässt physische Grenzen verschwimmen

Donnerstag, 08. September 2016 | 17:45 Uhr

Ein Teppich transformiert sich in einen Hocker, ein Polstermöbel verformt sich auf einen Wink des Sitzenden hin und 3D-Bauteile werden aus der Ferne mittels Interface in Form gebracht. Bei der am Mittwoch vorgestellten Themenausstellung der diesjährigen Ars Electronica “Radical Atoms” verschwimmen die Grenzen zwischen verschiedenen Materialien und zwischen digitaler und physischer Welt.

“Etwas eine Form zu geben, hat damit zu tun, seine Idee auszudrücken”, sagte Hiroshi Ishii, Mastermind hinter den gezeigten Projekten. “Heute tanzen die Pixel in Ihrem Smartphone, aber die Atome sind noch recht eingefroren.” Das möchte er mit seiner Tangible Media Group am MIT Media Lab in Boston ändern. Seit Jahren arbeiten die Forscher an der Vision, auch “Atome tanzen zu lassen”. Ars-Electronica-Leiter Gerfried Stocker: “Die Daten müssen aus den Netzwerken befreit werden und in die reale Welt herauskommen.”

Das Projekt “SandScape” beispielsweise verbindet eine Computersimulation mit einem topografischen 3D-Modell aus Sand. So kann man feststellen, wie sich Schattenwurf oder die Verteilung von Regenwasser entwickeln würden, wenn sich das Gelände ändert.

“inForm” ist der Prototyp eines neuartigen Interfaces: Objekte, die Tausende Kilometer entfernt sein können, werden von beweglichen Bauteilen nachgebildet. Hinter dem Projekt steht u.a. der Österreicher Daniel Leithinger. Er, der derzeit in Boston lebt, hat sich die Frage gestellt: “Wie kann ich beim Skypen einfach rausgreifen und mit meiner Nichte zu Hause Lego spielen?”, beschreibt er den Impuls zu der Arbeit. Die Anwendungsmöglichkeiten können aber auch zur Veranschaulichung komplizierter mathematische Formeln oder zur physischen Darstellung von CT-Bildern verwendet werden.

“PneUI” verformt Materialien wie Papier oder Gewebe u.a. mittels Luftdruck. Dadurch werden auf einer glatten Oberfläche Informationen haptisch erfahrbar, ähnlich einer sich verändernde Brailleschrift. Die “jamSheets” bestehen aus einem mehrlagigen Material, das im Normalzustand beliebig geformt und dann verfestigt werden kann – aus einem Teppich wird ein Hocker. Der Vorgang ist reversibel. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von passgenauen Schuhen bis hin zum Flugzeugbau.

Eine Gruppe von jungen Forschern will Sportlern mithilfe von Mikroorganismen das Leben erleichtern: Das Fermentationsbakterium bacillus subtilis natto hat die Eigenschaft, sich je nach Luftfeuchtigkeit zusammenziehen oder ausdehnen zu können. “bioLogic” nutzt das für smarte Textilien, indem Bakterienzellen aus dem Labor auf das Gewebe aufgedruckt werden. Schwitzt der Träger, öffnet sich der Stoff und sorgt für Abkühlung.

Von: apa

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