Das Festival steigt vom 6. bis 10. September

Ars Electronica steigt in der PostCity in Linz bis aufs Dach

Freitag, 24. August 2018 | 09:00 Uhr

Das Ars Electronica Festival 2018 – “Error – the Art of Imperfection” – beschäftigt sich von 6. bis 10. September in Linz mit Irrtümern im Zeitalter der Digitalisierung. Neben Fragen nach sozialer Intelligenz als Korrektiv zur Technikhörigkeit bringt es einen Entschleunigungsort am Dach der PostCity. Das 2014 stillgelegte Postverteilzentrum ist zum vierten Mal Nabel des Medienkunstgeschehens.

Insgesamt 100.000 Quadratmeter messen die Räumlichkeiten am Hauptbahnhof. Sie sind nach wie vor im Besitz der Post, die sich über die weitere Nutzung Gedanken macht, diesbezüglich Gespräche führt und auf Widmungen wartet. Eine Zwischennutzung wie mit dem Medienkunstfestival sei natürlich sehr willkommen, hieß es aus der Presseabteilung. Dieses will heuer “alles” bespielen.

“Beim ersten Mal haben wir uns im Atombunker nur getraut, die Tür zu öffnen und eine Projektion hineinzumachen, jetzt dringen wir in die letzte Ecke vor, wo man sich überall die Frage stellt, ist das ein Kunstwerk oder noch ein Artefakt von der Vornutzung?”, beschrieb Festivalleiter Martin Honzik wie der Raum nach und nach in Besitz genommen wurde. Abgesehen von der Bunkerästhetik ist es auch kühl und man kommt aus dem energetischen Treiben heraus. Alle Katakomben sind belebt, sei es mit Projekten oder wie voriges Jahr erstmals durch die Gallery Spaces mit digitaler Kunst – nun erklimmt man das Dach.

Der Weg beginnt auf der früheren Codierebene mit Prototypen internationaler Forschungs- und Designteams, führt vorbei an Postrutschen und Förderbändern – kleine Bilder von leichtbekleideten Damen zeugen von früheren Zeiten. Das lasse man bewusst stehen, sagt Honzik. “Wir sind kein White Cube, es gibt ein großes Verbot, etwas runterzunehmen”. So entdecken aufmerksame Augen immer wieder kleine Wandkritzeleien, Aufkleber und andere Relikte.

Gesäumt von Kunstwerken führt die Einladung zum Wandeln, zum Entfliehen auf das Sonnendeck mit erlesenen Tees und Getränken hoch über Linz – Blick auf die Gleise und das Bahnhofsviertel inklusive. Himatsubushi, japanisch etwa für “die Kunst, Zeit totzuschlagen”, ist hier angesagt. In einer sehr beschleunigten Welt suchen immer mehr Menschen nach ihrer Identität, gibt es schon so viele Angebote zur Selbstfindung und “Himatsubushi ist ein schöner, ironischer, fast philosophischer japanischer Ansatz”, erklärte Honzik. Das Projekt in der Höhe soll seinen Besuchern einen Moment der Entschleunigung in dem lebhaften Trubel der PostCity gönnen – darum, und aus Sicherheitsgründen dürfen nie mehr als 100 Menschen gleichzeitig aufs Dach.

“Diese Begehbarkeit in die letzten Ecken des Areals funktioniert nur, wenn man mit offenem Visier mit den Behörden zusammenarbeitet”, versicherte Honzik. Es gibt Sicherheits- und Brandschutzpläne, vor zwei Wochen wurde fünfeinhalb Stunden mit Juristin, Zivil- und Bautechnikern verhandelt. Man vertraue sich gegenseitig und “bei allen verrückten Ideen, die wir umsetzen, ist da immer ein ernsthafter Zugang”.

Abgelehnt wurde bisher keine einzige Idee. “Die Behörden zeigen uns Grenzen auf und ermöglichen uns einen Alternativplan vorzuschlagen” – wie beim Zugang auf das Dach, der ursprünglich durch eine nur 65 Zentimeter breite Tür geführt hätte. Das ist zu eng, befand die Behörde. Also wurde kurzerhand ein Stück aus einem Förderband geschnitten, um die Leute auf sicherem Weg zum Himatsubushi zu geleiten.

Einfacher gelangt man in ein Prunkstück der PostCity, die große Rutschenhalle. Jede der blitzblauen, gewundenen Paketrutschen stand für eine Postleitzahl in Oberösterreich und diente zum Sortieren der Post – die Ars Electronica verwandelte sie in ein Instrumentarium für Musik und Performances, heuer soll in dem Raum eine Feuerwehr-Challenge der Zukunft stattfinden. Daneben in der über 200 Meter langen Gleishalle ist bereits ein Roboter in Orange am Werk, er unterstützt das Bruckner Orchester bei der Großen Konzertnacht – der sichere Weg dorthin: Immer der Musik nach.

(S E R V I C E – Programm und Infos unter http://www.aec.at/festival )

Von: apa

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