Neufunde des Landesamts für Bodendenkmäler

Außergewöhnliche kupferzeitliche Figurenmenhire präsentiert

Freitag, 10. April 2015 | 12:46 Uhr

Bozen – Zwei bedeutende Neufunde des Landesamts für Bodendenkmäler, nämlich zwei kupferzeitliche Figurenmenhire aus Laaser Marmor, haben die Archäologen des Landesamts für Bodendenkmäler heute, 10. April, in Frangart/Eppan vorgestellt. Die Funde seien ein kleiner aber bedeutender Teil des universellen Welterbes der Menschheit und sollten möglichst vielen Menschen gezeigt werden“, sagte LR Florian Mussner.

Denkmalpflege-Landesrat Mussner dankte den Archäologen, die „mit viel Fingerspitzengefühl, Wissen und auch körperlicher Anstrengung die Entwicklung der Menschheit anhand von Funden nachzeichnen", aber auch dem Grundbesitzer und dem Finder für ihren Einsatz um die Menhire.

„Unsere Archäologen bringen im wahrsten Sinne des Wortes Steine zum Sprechen und ergründen so selbst solche Zeitepochen, aus denen wir keine schriftlichen Überlieferungen kennen", sagte Mussner. Der Landesrat konnte den Vertretern der Gemeinde Schlanders mitteilen, dass die Menhire als Leihgaben für eine Ausstellung in der Schlandersburg in Schlanders weitergegeben werden und diese wichtigen Kulturgüter so vielen Menschen zugänglich gemacht werden können.

Die kupferzeitliche Figurenmenhire aus Marmor kamen bei der Errichtung neuer Gewächshäuser und einer Tiefgarage bei der Gärtnerei Schöpf in Vetzan zum Vorschein und landeten dann auf einer Steindeponie, wo sie Bernd Christandl entdeckte und dem Landesamt für Bodendenkmäler meldete.

„Nach der Bergung wurden die Menhire restauriert und von Experten einer wissenschaftlichen Dokumentation unterzogen", erklärte die Archäologien und Amtsdirektorin Catrin Marzoli.

Menhire sind laut Marzoli die ältesten monumentalen Bildwerke, die im alpinen Raum im 3. Jahrtausend vor Christus geschaffen wurden: Sie stellen teils überlebensgroße, stark stilisierte menschenähnliche Figuren dar.

Die Menhire von Vetzan bilden einen Mann und eine Frau ab. „Der männliche Menhir von Vetzan besitzt einen umlaufenden Gürtel und ist mit mehreren Dolchen ausgestattet, während der weibliche durch Brüste gekennzeichnet ist; zudem trägt die Figur einen Umhang und ein langes Gewand", erläuterte Marzoli.

Wie die Archäologin berichtete, wurden Menhire im Etschtal mehrmals nachgewiesen, und zwar vom Vinschgau und Eisacktal bis hin zum Gardasee. Zusammen mit den zwei Neufunden aus Vetzan besteht die Gruppe laut Marzoli nunmehr aus 22 Exemplaren, davon 13 aus Südtirol und neun aus dem Trentino. „Der männliche Menhir aus Vetzan, heute in zwei Teile zerbrochen, hebt sich deutlich von den anderen durch seine außergewöhnliche Größe von 3,4 Meter ab", sagte Marzoli.

Forscher vermuten, dass Menhire von der Gemeinschaft verehrte Stammesgründer, Anführer oder Ahnen, vielleicht auch Götter, darstellen. „Ursprünglich waren Menhire als Gruppe aufgestellt und bildeten wohl das kultische Zentrum einer Siedlungsgemeinschaft", so die Archäologin.

Mit der Kupferzeit war in der Menschheitsgeschichte eine neue Epoche angebrochen: „Der materielle Wert des Kupfers und seine Verarbeitung führten zunehmend zu einer Differenzierung der Gesellschaftsstruktur; Produkte aus Kupfer hatten eine symbolische Bedeutung und waren Kennzeichen für den hohen sozialen Status, für Macht und Reichtum", erklärte Marzoli.

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen