Die enthüllte Vergangenheit

Ausstellung in Bozen zeigt zwei einzigartige ägyptische Mumien

Freitag, 02. September 2022 | 11:54 Uhr

Bozen – Ab heute sind sie im NOI Techpark dank eines gemeinsamen Projekts vom Museo Civico Archeologico in Bologna und Eurac Research ausgestellt. Im Vorfeld sind sie eingehend untersucht worden, und sorgfältige Konservierungsarbeiten sind an ihnen durchgeführt worden.

Die ältere der beiden ist die Mumie einer Frau, die zur Römerzeit in Ägypten lebte. Das außergewöhnliche mehrfarbige Leichentuch, mit dem der Körper für die Bestattung vorbereitet worden war, umhüllt ihn noch immer und macht die Mumie einzigartig. Die jüngere Mumie hingegen ist die eines Kindes, das im 13. Jahrhundert n. Chr. lebte, sie ist ein seltenes Zeugnis für die Bestattungsrituale im mittelalterlichen Ägypten. Die beiden Mumien wurden der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der Öffentlichkeit dank eines gemeinsamen Projekts zwischen dem Museo Civico Archeologico in Bologna und Eurac Research wieder zugänglich gemacht. Es startete 2019 und war ausschlaggebend dafür, die Mumien aus den Lagerräumen des Museums wieder ans Tageslicht zu bringen. Sie wurden eingehend von einem interdisziplinären Team untersucht, an beiden wurden sorgfältige Konservierungsarbeiten durchgeführt. Mehrere Institutionen mit spezialisierten Fachkompetenzen waren daran beteiligt, ihre verlorene Identität wiederherzustellen und sie als Zeugen einer jahrtausendealten Geschichte der Öffentlichkeit zu zeigen. Vom 2. September bis zum 8. Oktober sind die beiden Mumien im Rahmen der Ausstellung „Mumien. Die enthüllte Vergangenheit“ im NOI Techpark zu sehen, die im Rahmen des zehnten Weltkongresses für Mumienforschung stattfindet.

Die Einzigartigkeit und Seltenheit der beiden Mumien, sowie die Dringlichkeit konservatorischer Maßnahmen – sie befanden sich in einem sehr schlechten Zustand – weckten sofort das Interesse des Forschungsteams des Instituts für Mumienforschung, das gemeinsam mit der Ägyptologin des Museums beschloss, anthropologische und paläopathologische Untersuchungen vorzunehmen, sowie die Stoffe zu analysieren und Konservierungsarbeiten an ihnen durchzuführen. Ägyptische Mumien, die noch ein bemaltes Leichentuch über dem bandagierten Körper tragen, gibt es weltweit gerade einmal eine Hand voll. In der Vergangenheit wurden bemalte Leichentücher – an und für sich schon selten – oft von den Mumien getrennt und aufgehängt, um ihre Verzierungen vollständig zu zeigen. Nicht weniger selten als die Mumie mit dem bemalten Leichentuch ist die Kindermumie. Die Epoche, aus der sie stammt, ist viel später als jene, in der die Mumifizierung in Ägypten üblich war. Was das Interesse der Wissenschaft und wahrscheinlich auch des Sammlers weckte, der diese Mumie dem Museum schenkte, war die aufwändige Kleidung, mit der der Leichnam für die Bestattung vorbereitet worden war: zwei Gewänder aus grobfädigem Leinen, von denen eines in Indigo gefärbt und das andere an den Ärmeln mit schwarzem Garn bestickt ist, sowie ein Obergewand aus feinfädigem Leinen mit einem Karomuster in Naturfarbe und Schwarz.

Die interdisziplinären Studien und die Konservierungsarbeiten Die beiden Mumien wurden mithilfe von CT-Scans (Computertomographie) untersucht, die in Zusammenarbeit mit der Azienda Ospedaliero-Universitaria in Bologna durchgeführt wurden. Die CT-Scans ermöglichten es, die Mumien virtuell zu enthüllen; sie lieferten wertvolle Informationen über ihren Gesundheitszustand, die Todesursachen und die Einbalsamierungstechniken. Von Bologna aus wurden die beiden Mumien in die Labore transportiert, wo sie restauriert wurden: Die Mumie mit dem bemalten Leichentuch wurde in Turin im Konservierungs- und Restaurierungszentrum „La Venaria Reale“ behandelt, während die Kindermumie in Bozen von der Südtiroler Textilrestauratorin Irene Tomedi bearbeitet wurde. Die Mumien reisten dabei in einem speziellen Behälter, der Conservation Soft Box, die in den Laboren von Eurac Research entwickelt wurde. Es handelt sich um eine Struktur aus PVC-Rohren, umwickelt von einer mehrschichtigen Folie, die im Inneren eine isolierte Umgebung schafft und vor Feuchtigkeitsschäden und mikrobiologischer Verunreinigung schützt. Für die Mumie mit dem bemalten Leichentuch wurde außerdem eine Vitrine aus Glas und Stahl gebaut, die auf der von Eurac Research patentierten „passiven“ Methode basiert: Das Innere ist sauerstofffrei, die Lagerungsparameter sind auf die chemisch-physikalischen Bedingungen der Mumie zugeschnitten. Um die für die Konservierung notwendigen Bedingungen beizubehalten, benötigt die Vitrine keine Stromzufuhr.

Die Ausstellung Die beiden Mumien sind vom 2. September bis zum 8. Oktober im NOI zu sehen. Die Mumie mit dem bemalten Leichentuch ist im Eingangsbereich ausgestellt, die Kindermumie mit den drei Gewändern ist in den Laboren des Instituts für Mumienforschung von Eurac Research zu sehen. Führungen finden vom 15. September bis 6. Oktober jeden Donnerstag um 18.00 Uhr statt. Am Freitag, 9. September, findet um 18.00 Uhr eine Sonderführung mit den Kuratorinnen der Ausstellung statt. Der Eintritt zur Ausstellung und die Veranstaltungen des Programms sind kostenlos.

Alle Informationen dazu gibt es auf der Website der Ausstellung https://www.eurac.edu/de/exhibition/mummies-enthuellte-vergangenheit. Der NOI Techpark organisiert anlässlich der Ausstellung eine Sonderausgabe der MiniNOI-Workshops für Kinder und Jugendliche der Südtiroler Schulen (ab der dritten Klasse Grundschule und Mittelschulklassen). Alle Informationen sind auf der Website der Ausstellung und auf der Website des NOI Techparks zu finden.

Von: mk

Bezirk: Bozen