Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert

Bachmann-Preis geht an Ferdinand Schmalz

Sonntag, 09. Juli 2017 | 16:39 Uhr

Es war der erwartete Zieleinlauf: Im Rennen um den 41. Ingeborg-Bachmann-Preis hat am Sonntagvormittag der steirische Dramatiker Ferdinand Schmalz, der sich mit “mein lieblingstier heißt winter” in die Favoritenposition gelesen hatte, die Nase vorn gehabt. Der ebenfalls viel gelobte Austro-Amerikaner John Wray unterlag erst im Stechen und war über den neuen Deutschlandfunk-Preis ebenso glücklich.

Nach Tex Rubinowitz 2014 haben die Tage der deutschsprachigen Literatur also erneut ein österreichischer Sieger erhalten. Und mit dem Publikumspreis für eine höchst überraschte Karin Peschka, die es zuvor nicht einmal auf die Jury-Shortlist geschafft hatte, glänzte noch ein dritter Preis in rot-weiß-rotem Anstrich. Dass beide Hauptpreise an Novizen im deutschsprachigen Prosabetrieb gingen – für Theatertier Schmalz war es der erste erzählerische Versuch, für den sonst auf Englisch schreibenden Wray der erste literarische Text auf Deutsch – irritierte die Jury nicht. “Es gibt viele Möglichkeiten des Transfers: Lyriker, Dramatiker, fremdsprachige Autoren. Da kommt noch ein anderes Interesse dazu. Das spricht aber nicht gegen die deutschsprachige Literatur”, versicherte Jurorin Sandra Kegel. Die “F.A.Z.”-Redakteurin darf als weitere Siegerin gelten. Sowohl Schmalz als auch Wray wurden von ihr zur Teilnahme überredet – ein Experiment, das sich für beide gelohnt hat.

Die weiteren Preise gingen an Eckhart Nickel (Kelag-Preis) und Gianna Molinari (3sat-Preis). Prämiert wurden damit auch sehr unterschiedliche Bemühungen, aktuelle Themen literarisch zu verarbeiten. Der Frankfurter Buchhändler, Germanist, Journalist und Autor verarbeitete das Unbehagen der Wohlstandsgesellschaft am Rande des Abgrunds zu einer zivilisationskritischen Gruselgeschichte, die Schweizerin beschäftigte sich auf halb-dokumentarische Weise mit dem realen Fall eines afrikanischen Flüchtlings, der im Mai 2010 im Fahrwerkschacht eines Flugzeugs erfror und beim Ausfahren des Fahrwerks in der Anflugschneise zum Flughafen Zürich auf die Erde stürzte.

Sandra Kegel ortete ein großes Bedürfnis unter Schriftstellern und Schriftstellerinnen, sich zur Weltlage zu äußern. Es brauche aber Zeit, dafür adäquate Formen zu finden. “Ich bin sicher, dass da noch vieles kommt. Die ganze Welt ist ja im Moment im Aufruhr.” In eigener Sache zogen es alle 14 nach Klagenfurt eingeladenen Autorinnen und Autoren jedoch vor, zu schweigen: Von dem statuarisch festgelegten Recht, sich in die Jury-Diskussion einzuschalten oder das Schlusswort zu sprechen, nahm kein einziger Gebrauch.

Von: apa

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