Rebells Sonnenuntergang über den Campi Flegrei

Belvedere zeigt Joseph Rebells italienische Idylle

Dienstag, 14. Juni 2022 | 13:45 Uhr

Häfen am Golf von Neapel, die Amalfi-Küste und die mediterrane Vegetation der Insel Ischia hat Joseph Rebell am Beginn des 19. Jahrhunderts mit seinem Pinsel eingefangen. Sein besonderer Umgang mit Licht zeichnete den Landschaftsmaler, der ab morgen, Mittwoch, seine erste monografische Ausstellung im Unteren Belvedere in Wien erhält, aus. Unter dem Titel “Im Licht des Südens” sind die von der Sonne geküssten italienischen Szenen bis 13. November zu sehen.

Den 1787 in Wien geborenen Maler, der an der Akademie der bildenden Künste studierte, zog es 1810 nach Italien, wo er unter anderem die Gegend um den Comer See und den Lago Maggiore festhielt. Berühmtheit erlangte er mit Ansichten vom Golf von Neapel, Ischia, Capri und Amalfi, sodass auch der österreichische Kaiser Franz I. auf ihn aufmerksam wurde und ihn beauftragte. Der Kaiser schien überzeugt, übertrug er ihm 1824 doch die Leitung der kaiserlichen Gemäldegalerie im Oberen Belvedere.

Von einer “meisterhaften Darstellung des Lichts” sprach Generaldirektorin Stella Rollig bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Als stünde man unter klarem Himmel, beschrieb Kuratorin Sabine Grabner die Lichtverhältnisse, und fast mag man beim Betrachten die warme italienische Nachmittagssonne im Gesicht spüren. Rebell spürte sie wohl wirklich: Ölskizzen malte er im Freien, und auch Personen – meist Hafenarbeiter und Fischer – fing er vor Ort mit Stift und Pinsel ein.

Um die idealisierten Landschaften zu entwerfen, half der Künstler auch nach. So wirkt die Küste von Capri auf einer Ölskizze dünkler und verlassen. Anders sieht die gleiche Szenerie aus, wenn ihr Rebell Fischer und ihre Boote, vor allem aber eine tief stehende, sich in den Wellen brechende Sonne hinzufügt.

Aber nicht nur idyllische Landschaften fanden den Weg auf Rebells Leinwand. In einem von Grabner als “Katastrophenraum” bezeichneten Teil in der Mitte der Ausstellung zieren in Seenot geratene Boote, stürmische Meere und Vulkanausbrüche die blaugestrichenen Belvedere-Wände. Der Maler habe zeigen wollen, wie sehr die Menschen an der Küste diesen Naturgewalten ausgesetzt seien, erklärte die Kuratorin. Doch selbst, wenn im Vordergrund ein Meeressturm tobt und der ausbrechende Vesuv im Hintergrund den Himmel mit Rauchwolken füllt, lässt das sich auf dem Meer spiegelnde Licht die Szenen noch pittoresk wirken.

Ein bisschen geht es bei “Im Licht des Südens” natürlich auch um das Belvedere, war Joseph Rebell doch auch Direktor der kaiserlichen Gemäldegalerie im Haus. Nur vier Jahre lang – von 1824 bis 1828 – hatte er den Posten inne, wohlgemerkt nicht wegen persönlichen oder professionellen Verfehlungen, sondern wegen seines Tuberkulose-Todes, der ihn auf einer Reise nach Dresden im Alter von nur 41 Jahren ereilte.

In dieser kurzen Zeit habe Rebell das Belvedere zu einem “modernen Museum” gemacht, sagte Rollig. Er habe etwa eine Warmluftheizung errichten lassen, um die klimatischen Bedingungen zu verbessern, außerdem habe er Gemälde restaurieren und Namen und Lebensdaten von Künstlern und Künstlerinnen an den Bilderrahmen anbringen lassen. “Das Haus, so wie es dasteht, ist das Werk von Rebell”, stellte Grabner fest.

(S E R V I C E – “Joseph Rebell. Im Licht des Südens” von 15. Juni bis 13. November im Unteren Belvedere, Rennweg 6, Wien 3. Geöffnet von Montag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, www.belvedere.at)

Von: apa

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