Großer Medienrummel bei Präsentation im Kunstmuseum Bern

Bern zeigt erste Werke aus Gurlitt-Erbe

Freitag, 07. Juli 2017 | 14:19 Uhr

Macke, Dix, Kirchner: Das Kunstmuseum Bern hat am Freitag erste Werke aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt präsentiert. Der 2014 gestorbene Sohn von Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt hatte das Berner Museum als Universalerben eingesetzt. Die Sammlung, die der Vater zusammengetragen hatte, sei beste Qualität – so lautete das erste Urteil der Direktorin des Kunstmuseums Bern, Nina Zimmer.

Die Werke sollten ursprünglich schon in der vergangenen Woche präsentiert werden, waren aber im deutschen Zoll hängengeblieben. Gezeigt wurden am Freitag unter anderem “Landschaft mit Segelbooten” von August Macke, der Holzschnitt “Melancholisches Mädchen” von Ernst Ludwig Kirchner und das Aquarell “Liegender weiblicher Akt am Wasser” von Otto Mueller. Zur ersten Sendung gehören auch die Lithographie “Leonie” von Otto Dix und “Weite Landschaft mit Wolken” von Emil Nolde.

Die Werke seien nicht wie in einer Museumssammlung gepflegt worden, sagte Zimmer, aber teils in gutem Zustand. “Das sieht man an den Farbintensitäten”, sagte sie.

Die millionenschwere Sammlung, die Cornelius Gurlitt von seinem Vater geerbt hatte, war durch Zufall entdeckt und 2012 beschlagnahmt worden. Warum Cornelius Gurlitt die Sammlung nach Bern vererbt habe, sei bis heute nicht bekannt, so das Museum.

Die Werke sollen in einer Ausstellung ab November präsentiert werden. Schwerpunkt ist das Thema “entartete Kunst”. Als solche wurden in der NS-Diktatur Kunstwerke diffamiert, die angeblich nicht dem deutschen Kunst- und Schönheitsideal entsprachen. Sie wurden in den 30er Jahren aus Museen konfisziert. Aus dem Gurlitt-Nachlass zeigt die Bonner Bundeskunsthalle ebenfalls im November Werke unter dem Aspekt “NS-Kunstraub”. Sie hatte erste Bilder vor zwei Wochen vorgestellt.

An der Ermittlung der Herkunft sämtlicher 1.500 Werke in der Gurlitt-Sammlung werde mit Hochdruck weiter gearbeitet, sagte Zimmer. Fünf Werke wurden bisher eindeutig als Raubkunst identifiziert. “In Berner Besitz kommt nur, was erwiesenermaßen keine Raubkunst ist”, betonte Zimmer. Die gezeigten Werke stammten etwa aus der Nationalgalerie Berlin, der Städtischen Kunsthalle Mannheim, dem Museum Folkwang in Essen oder dem Wallraf-Richartz-Museum in Köln. Die Bilder seien seinerzeit verkauft worden und würden nicht zurückgeführt, sagte Zimmer. “Es gibt keine Ansprüche der Museen.” Das Kunstmuseum Bern werde aber Leihanfragen dieser Museen mit Priorität behandeln.

Von: APA/dpa