Das Bühnenbild für die diesjährige "Carmen"-Inszenierung

Bregenzer Festspiele 2017 “sprengen alles bisher Dagewesene”

Donnerstag, 01. Juni 2017 | 11:55 Uhr

Die Bregenzer Festspiele ließen sich am Donnerstag in die Karten der neuen Saison blicken – steht mit “Carmen” heuer doch eine im Zockermilieu spielende Oper auf der Seebühne an. Der Vorverkauf laufe jedenfalls bombenmäßig, gab der kaufmännische Direktor Michael Diem bei der Präsentation in Wien bekannt: “Wir sprengen alles bisher Dagewesene.”

“Ich möchte gerne Teams schaffen”, freute sich Intendantin Elisabeth Sobotka vor ihrer dritten Saison über die Leitung der Seebühnen-“Carmen” durch Regisseur Kasper Holten und Bühnenbildnerin Es Devlin. Sie habe den beiden zwei Stücke zur Auswahl gegeben – worauf diese ihr als drittes die Bizet-Oper vorgeschlagen hätten. Sie habe nach kurzem Überlegen – schließlich war “Carmen” zuletzt 1991/1992 auf der Seebühne zu sehen – zugesagt: “Man weiß in einem Kunstprozess nie, wie es ausgeht. Aber das macht es spannend.”

Die Seebühne ist in Bregenz aber bekanntlich nicht alles. “Wir haben das ideale Opernhaus”, rückte Sobotka nicht zuletzt das Festspielhaus in den Fokus. Dort wird heuer bekanntlich als Hausoper Gioachino Rossinis “Moses in Ägypten” gegeben – in der Inszenierung der schon aus Wien bekannten Lotte de Beer.

“Oh Gott – nicht nur, dass ich das Rote Meer teilen muss, ich habe noch Konkurrenz von einer anderen Inszenierung, die einen ganzen See zur Verfügung hat”, sei ihr erster Gedanke gewesen, erinnerte sich die 35-jährige Niederländerin. Sie sei selbst atheistisch aufgewachsen und habe sich in der Vorbereitung nun die biblische Vorlage durchgelesen. Sie sei überrascht worden: “Gott war im Alten Testament so launisch und egoistisch – wenn man das sagen darf.” Vielleicht habe der Mensch Gott ja nach seinem Ebenbild erschaffen.

Die Meerteilung bewerkstelligt de Beer nun mittels der niederländischen Theatergruppe Hotel Modern, die für ihr Miniaturtheater bekannt ist, das gefilmt und live projiziert wird. Sie wird die biblischen Plagen mittels Puppenspiel darstellen. Und wenn man schon dabei ist, wird das Theaterkollektiv dann auch die erste Oper auf der Werkstattbühne bestreiten. Hierfür dampft man Wagners Tetralogie “Der Ring des Nibelungen” auf 90 Minuten ein – wobei Insekten als Protagonisten “engagiert” sind. Und vielleicht gibt es ja einmal Wagner auch auf der Seebühne, ohne tierische Darsteller. “Ich schließe gar nichts aus”, so Sobotka.

Insgesamt umfasst der Spielplan heuer 80 Veranstaltungen, für die 214.000 Karten aufgelegt sind. Für die 28 “Carmen”-Vorstellungen sind jetzt bereits gut 80 Prozent der 193.000 (inklusive Generalprobe 200.000) aufgelegten Tickets gebucht. Das verblüffe ihn fast selbst, so der kaufmännische Direktor Diem, habe der Run doch lange vor Bekanntgabe des Bühnenbildes eingesetzt: “Die Leute kaufen ein wenig die Katze im Sack.” Mehr Aufführungen als die 28 angesetzten unterzubringen, habe man zwar versucht – eine Ausweitung würde dem Festspielcharakter jedoch widersprechen.

www.bregenzerfestspiele.com

Von: apa