Briefe könnten entscheidende Hinweise geben

Briefe von Nazi-Kunsthändlern in Norddeutschland entdeckt

Montag, 17. Oktober 2016 | 12:17 Uhr

Bisher unbekannte Dokumente der prominentesten Nazi-Kunsthändler sind bei Abrissarbeiten eines alten Holzhauses in Mecklenburg-Vorpommern aufgetaucht. Die Briefe von Hildebrand Gurlitt (1895-1956) an Bernhard A. Böhmer (1892-1945) aus den 1940ern gäben u.a. Auskunft über den Handel mit von den Nationalsozialisten als “entartet” diffamierter Kunst, schreibt die “Schweriner Volkszeitung”.

Das Holzhaus in Güstrow, unter dessen Terrasse die Säcke mit den Briefen gefunden wurden, liege in der Nachbarschaft der Ernst-Barlach-Stiftung. Deren Geschäftsführer, Volker Probst, sagte der SVZ, dass die Briefe zunächst in Ruhe gesichtet, geordnet und ausgewertet werden müssten. Probst war für die Nachrichtenagentur dpa zunächst nicht zu erreichen.

“Dieser Fund kommt völlig unerwartet”, zitiert ihn das Blatt. “Plötzlich tauchen unmittelbar neben der Wirkungsstätte Ernst Barlachs Dokumente auf, die mit den Kernfragen unserer Einrichtung zu tun haben. Das ist sehr bedeutend.” Viele der Papiere und Fotos seien in schlechtem Zustand, vier Briefe seien jedoch deutlich zu entziffern.

Im Februar 2012 hatten Ermittler in der Münchner Wohnung von Cornelius Gurlitt, dem Sohn von Hildebrand Gurlitt, rund 1.280 Kunstwerke entdeckt. Erst deutlich später, im November 2013, wurde der Fall öffentlich und löste eine Raubkunst-Debatte aus. Auch Böhmer war einer der wenigen von den Nationalsozialisten autorisierten Händler, die “entartete Kunst” aus deutschen Museen zur Devisenbeschaffung ins Ausland verkauften. Er war gleichzeitig viele Jahre lang ein enger Vertrauter von Barlach (1870-1938).

Von: APA/dpa

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