Kulturminister Drozda warnte vor Kürzungen des Kulturbudgets

Brucknerfest Linz mit politischen Reden eröffnet

Sonntag, 17. September 2017 | 12:40 Uhr

Das Linzer Brucknerfest ist am Sonntag eröffnet worden. Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) warnte vor Kürzungen in Kulturbudgets, sie seien “Pyrrhussiege”, die langfristig auch dem Wirtschaftsstandort schaden. Festredner Harald Krassnitzer plädierte für eine “Europäische Solidargemeinschaft”. Den musikalischen Teil bestritt das Bruckner Orchester unter seinem neuen Chefdirigenten Markus Poschner.

“Ich bin überzeugt, dass Österreich ein Land der Kunst und Kultur ist und bleiben muss”, so Drozda, denn die Kulturschaffenden würden mit ihren Werken und Projekten zum “immateriellen Wohlstand” beitragen und das demokratische Bewusstsein fördern. “In den liberal verfassten Demokratien hat die Kunst ein Recht erworben: Das Recht auf Freiheit. Diese Freiheit muss der Staat nicht nur garantieren, sondern auch finanzieren”, appellierte der Kulturminister. Darin bestehe eine Herkulesaufgabe jeder Kulturpolitik.

Harald Krassnitzer zog in seiner Festrede zum Festival-Thema “Bruckner elementar” Parallelen zwischen der Zeit Anton Bruckners und der Gegenwart – beides Phasen des Umbruchs. Das 19. Jahrhundert sei geprägt gewesen von der Ablöse des Adels durch das Bürgertum, vom Autoritätsverlust der Religion oder dem oft blutigen Kampf um die Grundlagen der Aufklärung und die Errungenschaften der Französischen Revolution.

An Bruckner – “gefangen in seinen Ängsten, seiner Einsamkeit und seiner Verschrobenheit” – scheinen die weltverändernden Ereignisse seiner Zeit spurlos vorübergegangen zu sein, so Krassnitzer. Seine Musik eröffne aber, gespeist aus seiner Gläubigkeit, einen weit über seine Zeit hinausreichenden Kosmos. Dort begegne man dem Komponisten “in seinem reinsten Humanismus, ohne Prägung, ohne Dogma”, dort öffne er eine Tür zur Moderne.

Auch wir seien Zeitzeugen eines Umbruchs, so Krassnitzer weiter: Große Systeme lösen sich auf oder stagnieren, Radikalisierung mache sich breit. “Ich halte es für ein gewagtes Unterfangen, sich diesem elementaren globalen Vorgang zu entziehen, indem wir in alte Muster von Überlegenheitsfantasien oder des wieder erstarkenden Nationalismus zurückfallen.” Das Friedensprojekt brauche vielmehr eine Ergänzung und die könne nur eine Überschrift haben: “die Europäische Solidargemeinschaft”.

Es gelte in dieser Gemeinschaft bestehende Wunden – “Afrika”, “Islam”, “soziale Ungerechtigkeit” oder “Klimawandel” – einer gründlichen Anamnese zu unterziehen. Und es sei “hoch an der Zeit, den Kapitalismus zu zivilisieren und zu demokratisieren. Das wäre ein New Deal zwischen den Zurückgelassenen und den Voranschreitenden, zwischen den Geschlechtern, den Besitzlosen den Besitzenden, das wäre der Grundstein für ein aufgeklärtes, faires Weltbürgertum”. Er wisse, dass das eine Utopie sei,”aber Utopien haben die wunderbare Eigenart, heilender zu wirken als Dystopien”, so Krassnitzer.

Im Rahmen der Eröffnung bekam der oberösterreichische Komponist Balduin Sulzer (85) – sichtlich bewegt und unter Standing Ovations des Publikums – den Ehrenring des Linzer Brucknerhauses überreicht. Das Brucknerfest wartet von 16. September bis 13. Oktober mit insgesamt 28 Veranstaltungen auf, wobei die Musik des Namensgebers heuer wieder stärker in den Fokus rückt als zuletzt. Erster Höhepunkt ist am Abend das Eröffnungskonzert des Bruckner Orchesters unter Markus Poschner mit Mahlers 2. Symphonie. Der neue Chefdirigent wird zudem am 5. Oktober in der Stiftsbasilika St. Florian Anton Bruckners Achte dirigieren. Zwei Konzerte des Cleveland Orchestra mit Franz Welser-Möst am Pult werden das diesjährige Brucknerfest abschließen.

Von: apa