Slagmuylder bleibt den Festwochen erhalten

Christophe Slagmuylder wird Intendant der Wiener Festwochen

Montag, 15. Oktober 2018 | 14:26 Uhr

Der Belgier Christophe Slagmuylder (51) wird neuer Intendant der Wiener Festwochen ab 2020. Bereits in der kommenden Ausgabe 2019 steht er dem Festival als Interims-Leiter vor, nachdem Kurzzeit-Intendant Tomas Zierhofer-Kin im vergangenen Frühjahr nach seiner zweiten Festivalausgabe ausgeschieden ist. Slagmuylder hat sich gegen vier weitere Bewerber durchgesetzt.

Nach der jüngst zu Ende gegangenen Ausschreibung und anschließenden Hearings hat die Auswahlkommission (Arne Forke, Viktoria Salcher, Rudolf Scholten, Wolfgang Wais und Anita Zemlyak) Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) ihre Empfehlung übermittelt, der die Stadträtin folgte. Diese zeigte sich in einer Aussendung “überzeugt, dass er mit seiner Gestaltungskraft die Wiener Festwochen in eine künstlerisch aufregende Zukunft führen wird”. Der europäische Festivalmacher, der schon das Brüsseler Kunstenfestivaldesarts geleitet hat, genieße “einen hervorragenden Ruf nicht nur bei Künstlerinnen und Künstlern, sondern auch bei Partnern und seinem Publikum”, so die Stadträtin.

“Die Wiener Festwochen sind ein wichtiger Bestandteil der Wiener Veranstaltungskultur und haben Potential für Weiterentwicklung. Es braucht für diese Festivität jetzt Professionalisierung auf höchstem Niveau”, hieß es am Montag seitens der ÖVP Wien. Deren Kultursprecher Fritz Aichinger erinnerte in seiner Aussendung an die Kritik an Zierhofer-Kin. “Uns freut zu hören, dass Slagmuylder mit der lokalen Wiener Szene zusammenarbeiten und dabei vor allem den Fokus auf den Dialog mit den Künstlerinnen und Künstlern sowie verantwortlichen Institutionen legen wird.”

Slagmuylder selbst versteht die Festwochen als “multidisziplinären Entfaltungsraum, der visionär und zugleich der Tradition verpflichtet ist, der international und ebenso in der Stadt verankert ist, der es schafft, den Dialog zwischen etablierten und aufstrebenden KünstlerInnen zu eröffnen – und natürlich mit und zwischen dem Publikum”. Um diese Grundidee weiterhin zu verwirklichen, bedürfe es eines langfristigen Engagements. “Ich freue mich darauf, zur Neuorientierung der Wiener Festwochen in ihrer lokalen, nationalen und globalen Pionierrolle beizutragen”, so der künftige Intendant.

Die angestrebte Positionierung stößt bei NEOS Wien-Kultursprecher Thomas Weber auf Zustimmung: “Ich sehe das als positive Entscheidung für die Zukunft der Wiener Festwochen”, heißt es in einer Aussendung. “Es braucht hier dringend den von ihm geforderten Dialog mit und zwischen dem Publikum und den etablierten und aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern.”

Der 1967 in Brüssel geborene Slagmuylder nahm sein Studium in seiner Heimatstadt auf, wo er sich an der Universite libre de Bruxelles der Kunstgeschichte widmete, bevor er selbst unter anderem an der Ecole nationale superieure d’audiovisuel (ENSAV) La Cambre in Brüssel als Lehrender begann. Ab Mitte der 1990er-Jahre war er an der Produktion und Förderung verschiedener Tanzkompanien beteiligt und unter anderem Assistent der künstlerischen Leitung am Theatre Les Tanneurs in seiner Heimatstadt.

Die große Weichenstellung für Slagmuylder folgte dann 2002, als er dem Programmteam des Kunstenfestivaldesarts, einem Festival für zeitgenössische Kunst, in der belgischen Hauptstadt beitrat. Dort machte er sich schnell einen Namen als einer der umtriebigsten Festivalkuratoren im europäischen Raum und stieg 2007 als Nachfolger von Frie Leysen zum Künstlerischen Leiter des Kunstenfestivaldesarts auf. 2020 hätte er als Co-Festivalchef von “Theater der Welt” fungieren sollen, diese Funktion legte er zurück, als er die interimistische Intendanz der Wiener Festwochen annahm.

In Wien möchte er jedenfalls auch mit der lokalen Szene zusammenarbeiten, wie er im Sommer gegenüber der APA festgehalten hat. “Es geht für mich jetzt darum, die Stadt zu kartieren: welche Künstler gibt es, welche Institutionen, welche Initiativen? Und sehen, ob ein Dialog möglich ist.” Inhaltlich wird man wohl viele gesellschaftspolitische Ansätze erwarten dürfen. “Es ist eine sehr exkludierende Zeit, auch was die Kunstformen betrifft”, sagte Slagmuylder über die vorherrschende Polarisierung. “Ich bin gegen diese Idee der Oppositionen. Wir sehen das ja auch in der Politik. Aber wir müssen wieder zu mehr Komplexität finden.” Sein erstes Programm wird der Neo-Intendant im Februar vorstellen.

Von: apa

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