Clemens J. Setz (hier 2019) kann sich über den Büchner-Preis freuen

Clemens J. Setz mit Büchner-Preis ausgezeichnet

Dienstag, 20. Juli 2021 | 16:28 Uhr

Der Grazer Schriftsteller Clemens J. Setz erhält den renommierten Georg-Büchner-Preis. Dies teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum und wird seit 1951 verliehen. Übergeben werden soll die Ehrung an den 38-jährigen Setz am 6. November in Darmstadt.

“Mit Clemens J. Setz zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung einen Sprachkünstler aus, der mit seinen Romanen und Erzählungen immer wieder menschliche Grenzbereiche erkundet. Seine bisweilen verstörende Drastik sticht ins Herz unserer Gegenwart, weil sie einem zutiefst humanistischen Impuls folgt”, teilte die Jury zur Begründung mit. Diese Menschenfreundlichkeit verbinde Setz mit einem enzyklopädischen Wissen und einem Reichtum der poetischen und sprachschöpferischen Imagination.

Er fühle sich von dieser Begründung durchaus gut charakterisiert, sagte Setz am Nachmittag der APA. Seinen Hang zur Drastik verdanke er literarischen Vorbildern wie Elfriede Jelinek oder Josef Winkler, auch “Menschenfreundlichkeit” verspüre er mehr und mehr – “wohl eine Alterserscheinung”. Mit seinen 38 Jahren sei er zwar verglichen mit einigen Büchner-Preisträgern jung – “aber auch Bernhard, Handke, Grass oder Bachmann haben den Preis relativ jung bekommen – und dann ging’s doch gut aus”. Denn den Preis so jung zu erhalten, könne einem auch zu Kopfe steigen. “Aber so jung, wie Georg Büchner war, als er starb, war noch kein Preisträger.”

Er habe bisher immer Bücher der neuen Büchner-Preisträger gekauft, wenn er von ihnen noch nichts gelesen habe (wie es etwa im Vorjahr bei Elke Erb der Fall gewesen sei) – “das kann ich diesmal leider nicht”, bedauerte Setz, der seit ein, zwei Tagen von dem Preis wusste und dessen Telefon heute nicht zur Ruhe kam. “Ich bin aber noch immer verdattert. Es kommt noch immer sehr unvermittelt – und ist wunderschön.” Derzeit arbeite er an einem historischen Roman, der in den 1920er-Jahren im französisch besetzten Rheinland spiele. An dem Buch arbeite er mit Unterbrechungen seit elf Jahren und komme wohl bald zu einem Ende. Wahrscheinlich werde es im kommenden Jahr erscheinen können. Wie es dann um seinen derzeitigen Vollbart und sein “langes Haupthaar” bestellt sein werde, könne er hingegen nicht prognostizieren. “Das entscheiden höhere Mächte”, lachte Setz.

Clemens J. Setz, geboren am 15. November 1982 in Graz, veröffentlichte seinen Debütroman “Söhne und Planeten” 2007 und feierte in den kommenden Jahren Erfolge mit Werken wie “Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes” (2011), wofür er den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt. 2015 erschien sein viel beachtetes, 1.000 Seiten starkes Buch “Die Stunde zwischen Frau und Gitarre”. Zuletzt erschien der Band “Die Bienen und das Unsichtbare” (2020), in dem es um Setzs Selbstversuche beim Erlernen von Plansprachen wie Esperanto, Volapük oder Blissymbolic geht.

Darüber hinaus schreibt er Gedichte, so erschien etwa 2014 sein Gedichtband “Die Vogelstraußtrompete”. Auch Theaterstücke und Übersetzungen aus dem Englischen gehen auf das Konto des studierten Mathematikers und Germanisten. Für seine Tätigkeit erhielt er bereits zahlreiche Preise, darunter der Literaturpreis der Stadt Bremen (2010), der Wilhelm-Raabe-Literaturpreis (2015) oder erst im Vorjahr der Kleist-Preis.

“Clemens J. Setz ist ein Autor, der uns von Buch zu Buch aufs Neue zu überraschen weiß, der aber gleichzeitig in jedem seiner Sätze er selbst bleibt. Mit keinem anderen Autor durchmisst man die Untiefen, Unwägbarkeiten und Verrücktheiten des Lebens so, wie mit ihm”, streute Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) dem Frischgekürten in einer Gratulation Rosen. Auch die Wiener SPÖ-Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler reihte sich in die Riege der Gratulantinnen ein: “Setz gelingt es immer wieder, die Maßstäbe der Normalität zu verrücken und uns Lesende mit unerschöpflicher Fabulierlust und intertextuellem Anspielungsreichtum herauszufordern. Ob in popkulturellen, naturwissenschaftlichen oder philosophischen Diskurse, Setz weiß sein Publikum mit unerwarteten Verknüpfungen zu überraschen.”

Die Darmstädter Akademie vergibt den Georg-Büchner-Preis an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen “durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten” und “an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben”. Zu den Preisträgern gehören Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) oder Heinrich Böll (1967). Zuletzt konnte sich im Vorjahr die deutsche Lyrikerin Elke Erb über die Ehrung freuen. Die bisher letzten Preisträger aus Österreich waren Josef Winkler (2008) und Walter Kappacher (2009). Namensgeber des Preises ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner (“Woyzeck”). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.

Von: apa

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