Proben nur "sehr reduziert"

Coronavirus – Berliner Theatertreffen abgesagt

Montag, 16. März 2020 | 15:00 Uhr

Der deutsche Kulturbetrieb bereitet sich aufgrund der Coronavirus-Krise auf weiterreichende Schließungen als bisher angenommen vor: Das 57. Berliner Theatertreffen (1. bis 17. Mai) wurde heute von den Berliner Festspielen inklusive der Formate Stückemarkt, Internationales Forum sowie Preisverleihungen und Public Viewings ebenso abgesagt wie das 41. Theatertreffen der Jugend (22. bis 30. Mai).

Bei den Oberammergauer Passionsspielen hofft man dagegen noch auf Durchführung der Premiere am 16. Mai. Derzeit laufen die Proben allerdings nur “sehr reduziert” weiter, wie es am Montag auf der Website der Passionsspiele hieß. Rund 2.400 Oberammergauer sind an den Passionsspielen beteiligt, etwa die Hälfte der Einwohner. Premiere und Vorstellungen sind bisher noch nicht abgesagt. Allerdings entwickeln die Verantwortlichen seit gut einer Woche Alternativszenarien, etwa eine Verschiebung der Premiere um einen oder mehrere Monate. Bis 4. Oktober sind nach derzeitigem Stand rund 100 Vorstellungen geplant, knapp eine halbe Million Gäste aus aller Welt werden erwartet.

Die Passion ist für den Ort auch finanziell wichtig. Erwartet wurde, dass sie rund 70 Millionen Euro einspielt. Die Kosten liegen bei 43 Millionen Euro. Die Gemeinde ist gegen einen Ausfall versichert, etwa im Fall einer Seuche. Die Vorbereitungen bisher kosteten laut Spielleitung etwa 15 Millionen Euro, versichert seien 25 Millionen Euro. Der Ursprung der Passion geht just auf eine Epidemie zurück: Vor fast 400 Jahren wütete die Pest im Land. 1633 gelobten die Oberammergauer, alle zehn Jahre das Spiel vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Christi aufzuführen, wenn niemand mehr an der Pest sterben sollte.

Komplett abgesagt wurde hingegen die geplante “Lohengrin”-Inszenierung von Katharina Wagner in Barcelona. Das teilte das Theater Liceu auf seiner Homepage mit. “Wir sind sehr betrübt”, sagte eine Mitarbeiterin der Bayreuther Festspielleitung. Schon in der vergangenen Woche war die für diesen Donnerstag (19. März) geplante Premiere wegen der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt worden. Die Inszenierung in Barcelona ist eine Kooperation mit der Oper Leipzig, wo sie am 7. November auf dem Spielplan steht. Möglicherweise ist das dann die erste Aufführung der Inszenierung überhaupt.

Von: APA/dpa