Intendant Christian Stückl rief zu einer Demo gegen die CSU auf

CSU will Münchner Theatern das Demonstrieren verbieten

Mittwoch, 18. Juli 2018 | 14:19 Uhr

Die Münchner Stadtrats-CSU will den Kammerspielen und dem Volkstheater verbieten, gegen ihre Partei zu demonstrieren. Die beiden Häuser mit ihren Intendanten Matthias Lilienthal und Christian Stückl hatten für kommenden Sonntag zu der Demonstration “Ausgehetzt” aufgerufen, die sich auch explizit gegen die Flüchtlingspolitik der CSU richtet. Nun soll die Demo verhindert werden.

“Jeder kann als Privatperson seine Meinung frei äußern und beispielsweise an Demonstrationen teilnehmen”, betonte der zweite Münchner Bürgermeister Josef Schmid (CSU) am Mittwoch. “Öffentliche Institutionen sind allerdings aus gutem Grund dazu angehalten, sich politisch neutral zu verhalten.” In einem entsprechenden Antrag fordert die Fraktion Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zu “dienstaufsichtsrechtlichen Maßnahmen” gegen die von der Stadt finanzierten Theater auf.

Aus der Kulturszene gibt es dafür scharfe Kritik. “Position zu beziehen war und ist Teil unseres kulturellen Auftrags”, sagte der Münchner Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD). “Wir werden uns all denen – auch Politikern – entgegenstellen, die sich in munterer Kaltblütigkeit, mit populistischer Stimmungsmache und voll eitler Selbstgerechtigkeit von demokratischen, kulturellen und moralischen Grundwerten unserer Gesellschaft verabschieden.”

Mit ein Grund für die geplante Demonstration ist eine umstrittene Aussage des deutschen Innenministers Horst Seehofer (CSU). “Bei mir ist der Geduldsfaden gerissen, als Seehofer sich über die Abschiebung von 69 Flüchtlingen an seinem Geburtstag gefreut hat”, sagte Lilienthal dazu. Auch der künftige Burgtheater-Direktor Martin Kusej, der aktuell das Münchner Residenztheater leitet, zeigte sich solidarisch mit seinen Kollegen: “In den letzten Monaten habe ich insbesondere auf den politischen Druck aufmerksam gemacht, dem Theaterschaffende in Polen oder Ungarn ausgesetzt sind. Doch auch die politischen Debatten in Deutschland haben sich spürbar verändert.”

Die geplante Demonstration am Sonntag sei aus Kusejs Sicht “wichtig”. Diese richte sich allerdings “nicht pauschal” gegen die CSU, “sondern gegen eine verantwortungslose Politik der Spaltung – gegen diesen dummen Wahlkampf-Populismus und die ideologische Verzerrung des Christlichen, den die CSU in ihrem Namen führt. Damit wird der humanistische, tolerante, barmherzige und mitmenschliche Aspekt durch eine deutliche Ausgrenzung ersetzt – mit ‘Kultur’ hat das meines Erachtens wenig zu tun und Kulturschaffende sollten sich ungestraft dazu verhalten dürfen.”

Von: APA/dpa