Vortragsreihe „200 Jahre Wiener Kongress“

Der Kongress tanzt, aber er bewegt sich nicht

Donnerstag, 09. April 2015 | 15:25 Uhr

Bozen – Das Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen organisiert gemeinsam mit dem historischen Verein „Geschichte und Region“ fünf Abende zu „200 Jahre Wiener Kongress“. Ziel ist es, dieses häufig verzerrt wahrgenommene Ereignis aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Dank der Zusammenarbeit mit der Bibliothek und dem Bozner Konservatorium „Monteverdi“ werden die Vortragsabende multimediale Erlebnisse, die alle Sinne ansprechen werden: Neben der historischen Diskussion werden Dozenten und Studierende des Konservatoriums einige Abende musikalisch umrahmen.

An fünf Abenden werden internationale Experten unterschiedliche Aspekte dieses wichtigen, häufig verzerrt wahrgenommenen Ereignisses beleuchten. Dank der Zusammenarbeit mit der Bibliothek und dem Bozner Konservatorium „Monteverdi“ werden die Vortragsabende multimediale Erlebnisse, die alle Sinne ansprechen werden.

Der Wiener Kongress gehört zu den folgenreichsten Ereignissen der neueren Geschichte Europas, er prägt die Geschichte des Kontinents in vieler Hinsicht bis heute. Die in Wien zwischen Herbst 1814 und Frühsommer 1815 versammelten Monarchen, Staatsmänner und Diplomaten haben nicht nur das napoleonische Herrschaftssystem abgeschafft, sondern auch die Staatenwelt Europas nachhaltig geprägt. Die wichtigsten Prinzipien, die die zähen Verhandlungen leiteten, waren Friede, Stabilität und Legitimität: Nie wieder sollte der Kontinent von einer einzelnen Macht mit Krieg und Gewalt überzogen werden. Dies gelang dem Kongress auch: Er bescherte dem kriegsgeplagten Europa eine Friedensphase, die ein gutes halbes Jahrhundert andauerte. Darüber hinaus änderte der Kongress den Modus der internationalen Politik: Das diplomatische Gespräch, der gewaltfreie Dialog wurden etabliert. Deshalb gilt der Kongress auch als Vorläufer der internationalen Organisationen der Gegenwart. Aber auch mit der Ächtung des Sklavenhandels und der Proklamation des Prinzips der freien Schifffahrt in Europa setzte der Kongress 1815 Meilensteine des Völkerrechts.

Trotz dieser Errungenschaften ist der Kongress bis heute mit einem negativen Image behaftet. In der kollektiven Erinnerung sind vor allem die vielen Bälle, Tänze und Festlichkeiten verhaftet geblieben, die in Wien zwischen 1814 und 1815 stattfanden. Dem Wiener Kongress wurde außerdem vorgeworfen, demokratisch-liberale Ideen blockiert, und nationale Einigungen in Europa für lange Jahrzehnte aufgehalten zu haben. Wohl kaum ein historisches Ereignis ist derart von Mythen und Vorurteilen verzerrt, wie der Wiener Kongress.

Die Vortragsreihe will deshalb die neusten Forschungen über den Wiener Kongress, die dieses negative Bild deutlich korrigieren, in gebündelter Form in Bozen präsentieren. Der Klagenfurter Professor Reinhard Stauber (Klagenfurt) wird am 16. April über die populärsten Irrtümer und Vorurteile über den Kongress sprechen, Brigitte Mazohl und Eva Werner (beide Innsbruck) beleuchten am 30. April die wichtigsten Persönlichkeiten am Kongress. Karin Schneider (Innsbruck) wird sich am 21. Mai mit den Festlichkeiten rund um den Kongress als Formen der politischen Kommunikation auseinandersetzen, Günther Kronenbitter (Augsburg) wird am 4. Juni die Auswirkungen des Kongresses auf die europäische Staatenwelt behandeln und Marco Bellabarba am 11. Juni schließlich die sogenannte „italienische Frage“ am Kongress analysieren.

Alle Vorträge finden in der Bibliothek der Freien Universität in Bozen, Universitätsplatz 1, um 18.00 Uhr statt und sind kostenlos zugänglich. Am 16. April und am 30. April und am 21. Mai werden Musiker des Konservatoriums die Vorträge musikalisch umrahmen, ein anschließendes Buffet bietet die Möglichkeit der Diskussion und des lockeren Austausches.

Weitere Informationen: www.unibz.it/zefuer, geschichteundregiongeschichteundregion.eu, Florian.huber@unibz.it.

Übersicht:
Vortragsreihe „200 Jahre Wiener Kongress“, Bibliothek der Freien Universität, Universitätsplatz 1, Bozen, 18.00 Uhr.
16.04.: Prof. Dr. Reinhard Stauber (Klagenfurt): „Kleines Lexikon populärer Irrtümer über den Wiener Kongress“.
30.04.: Prof. Dr. Brigitte Mazohl/Dr. Eva Werner (Innsbruck): Das „Who is Who“ am Wiener Kongress.
21.05.: Dr. Karin Schneider (Innsbruck): Das Vergnügen erringt den Frieden. Politik und Festlichkeiten am Wiener Kongress.
04.06.: Prof. Dr. Günther Kronenbitter (Augsburg): Die Wiener Ordnung in der Geschichte Europas nach 1815.
11.06.: Prof. Dr. Marco Bellabarba (Trient): Der Wiener Kongress und Italien.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen