Tagung in Bozen

“Der Schutz der Kinder ist vorrangig”

Donnerstag, 23. April 2015 | 13:11 Uhr

Bozen – Aufgrund einer Erhebung unter kirchlichen Vereinen, Organisationen und Einrichtungen, ob und inwieweit sie das Anliegen der Prävention von sexuellem Missbrauch und Gewalt in ihren Reihen wahr- und aufgenommen haben, wurde heute im Pastoralzentrum in Bozen eine Tagung zum Thema „Der Schutz der Kinder ist vorrangig“ angeboten. Initiator der Tagung war Gottfried Ugolini, der Diözesanbeauftragte für "Prävention von sexuellem Missbrauch und von Gewalt".

„Kinder gehören mit zu den schwächsten Gliedern in unserer Gesellschaft. Ihnen ist das Recht auf ein ganzheitliches Wohlergehen und auf ein unversehrtes Aufwachsen zuzusichern und zu gewährleisten“, so Gottfried Ugolini, der zu einer Mentalitätsänderung aufrief: Weg vom „was kann denn schon passieren“ hin zum „wir wollen den Kindern geschützte Räume und Begegnungen anbieten“; weg von einer Kultur des Wegschauens hin zu einer Kultur der Hinschauens, der wachen und achtsamen Wahrnehmung, des Ernstnehmens und der umsichtigen sowie kompetenten Begleitung und Beratung; weg von einer Kultur des Sich-nicht-Einmischens, „das geht uns nichts an“ hin zu einer Kultur der Transparenz, der Offenheit und der Mit-Verantwortung

Anhand von fünf Fragen wurde im vergangenen Herbst erhoben, ob und wie das Thema „Prävention von sexuellem Missbrauch und von Gewalt“ in den kirchlichen Organisationen aufgegriffen wurde. Insgesamt wurden 33 Organisationen angeschrieben, 24 davon haben den Fragebogen zeitgerecht ausgefüllt. In der Auswertung dieses Fragebogen wurde u.a. deutlich, dass sich über 70 Prozent der Einrichtungen mit dem Thema beschäftigt haben, aber vor allem im Bereich der Verfahrensweisen bei Verdachts- und Vorfällen weitere Hilfe benötigen; nur sieben Einrichtungen haben sich um die Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemüht. Positiv kann bei dieser Umfrage festgestellt werden, dass in den meisten Organisationen das Anliegen des Schutzes und der Sicherheit für Kinder und Jugendliche als primäres Ziel der Präventionsarbeit aufgegriffen wurde. In einigen Organisationen wurden bereits konkrete Maßnahmen angedacht und durchgeführt.

„Mir ist das Thema sehr wichtig und ich bin mir meiner Verantwortung als Bischof in diesem Bereich bewusst“, so Bischof Ivo Muser, der darauf hinwies, dass das Anliegen dieser Tagung zu den wichtigen Themen der kirchlichen und seelsorglichen Verantwortung gehört. „Was für mich Präventionsarbeit leisten kann und soll – so Bischof Muser -, ist ein rechtzeitigeres Wahrnehmen und Erkennen von Übergriffen jeglicher Art sowie von jedem sexuellen, körperlichen oder psychischen Missbrauch. Dazu braucht es achtsame, verantwortliche und genügend kompetente Bezugspersonen und Ansprechpartner.“

„Internationale Präventionsarbeit in der Katholischen Kirche – Was geschieht und was ist geplant“ war der Titel des Vortrages von Prof. Hans Zollner SJ, der aus Rom zugeschaltet war. Er hat in seinen Ausführungen darauf hingewiesen, dass man nur dann über Missbrauch reden kann, wenn man den Opfern zuhört. „Es geht darum, auf die Opfer zuzugehen, ihnen zuzuhören, denn die Opfer haben Priorität“, so der Jesuit, der darauf aufmerksam machte, dass man vor wenigen Jahren noch kaum eine Sprache gefunden hatte, um die Thematik rund um sexuellen Missbrauch aufzugreifen und aufzuarbeiten. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es auch heute noch in verschiedenen Teilen der Kirche das Verschweigen und Vertuschen gibt und betonte in diesem Kontext, dass bei den Maßnahmen, Regelungen und Orientierungshilfen gegen Missbrauch und Gewalt der biblische Grundsatz gilt: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“

Bei der heutigen Tagung im Pastoralzentrum haben zudem Marina Bruccoleri und Cristina De Paoli den Verein “Il Germoglio – Der Sonnenschein” vorgestellt, während der Heimleiter Heinz Torggler das Präventionskonzept des Schülerheimes Neustift aufgezeigt hatte.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen