Pinar Karabulut lieferte mit "Greek" starke Inszenierung

Deutsche Oper Berlin zeigt Ödipus auf dem Parkdeck

Samstag, 28. August 2021 | 16:02 Uhr

Dieser Eddy hat nicht mehr viel mit Ödipus gemeinsam. Für die Opernadaption des klassischen Mythos hat Komponist Mark-Anthony Turnage den Stoff in rüder Sprache in ein heruntergekommenes London zwischen Gewalt und Massenarbeitslosigkeit verfrachtet. “Greek” ist damit bestes Material für die junge, aber sehr erfolgreiche Regisseurin Pinar Karabulut. Mit einer quicklebendigen Inszenierung für die Deutsche Oper Berlin lieferte sie am Freitag ihr umjubeltes Debüt am Musiktheater.

Der Saisonauftakt findet auf dem Parkdeck statt. Die rau-pragmatische Atmosphäre war bereits Rahmen für zwei Produktionen, zuletzt coronabedingt für Wagners “Rheingold”. Der Ort hat eine erstaunlich stimmige Akustik, das Orchester und die ebenfalls noch junge Dirigentin Yi-Chen Lin haben den Abend musikalisch fest im Griff.

Für die furiosen Regieideen von Karabulut, nach erfolgreichen Arbeiten an verschiedenen Bühnen inzwischen Hausregisseurin an den Münchener Kammerspielen, ist das ein passendes Ambiente. Sie steckt Ödipus (Dean Murphy) und seine Familie unter grellen Perücken in uni-farbene Ganzkörperanzüge. Die comicartige Wirkung unterstreicht sie durch eine energische Personenführung. Immer wieder gibt es dafür freudige Lacher im Premierenpublikum.

Den Streit mit dem Vater (Seth Carico) reduziert das Libretto bereits auf Begriffe, die nur noch Sprechblasen sind. Karabulut dreht noch weiter ins Absurde und inszeniert das tödliche Gemetzel als grell-tuntigen Pas de deux von Sohn und Vater. Grund des Streits ist übrigens ein fehlender Cheesecake. Ödipus tröstet Mutter und Geliebte (Heidi Stober): “Kriege, meine Liebe, sind schon wegen weniger geführt worden.”

(S E R V I C E – https://www.deutscheoperberlin.de/)

Von: APA/dpa

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