Bilder auf der Leinwand, die bewegen

Die Preisträger der 29. Bozner Filmtage

Sonntag, 26. April 2015 | 14:49 Uhr

Bozen – Die Preisträger der 29. Bozner Filmtage stehen fest. Unter den sieben zur Auswahl stehenden Spielfilmen fiel die Entscheidung für den Preis des Landes Südtirol auf „Chrieg“ von Simon Jaquemet.

Die Filme „Hedi Schneider steckt fest“ von Sonja Heiss, und „Wir sind jung, wird sind stark“ von Burhan Qurbani wurden mit einer lobenden Erwähnung bedacht. Die Jurymitglieder Eva Mattes, Nikolaj Nikitin und Oliver Rauch begründeten ihre Entscheidung folgendermaßen: „Der Preis für den besten Spielfilm geht an Chrieg von Simon Jaquemet für seine bewusste Auswahl und den gekonnten Einsatz aller filmgestalterischen Mittel. Beeindruckt hat uns die unmittelbare und ökonomische Erzählweise, mit der die lieb- und lichtlose Umwelt und die starken Konflikte der Hauptfigur Matteo geschildert werden. In Simon Jaquemets Debüt kommt eine mutige und risikobereite Haltung des Regisseurs zum Ausdruck, die auf die präzise Auswahl seiner Protagonisten und ihr energiegeladenes Spiel vertraut. Die schmutzigen und rohen Bilder haben uns nicht mehr losgelassen. Die beklemmende Atmosphäre in der Stadt und in der Berglandschaft zeigen Matteos Isolation, aus der der talentierte Regisseur seine Zuschauer dennoch mit einer hoffnungsvollen Perspektive entlässt!“

Der Preis der Stiftung Südtiroler Sparkasse ging unter den sieben zur Auswahl stehenden Dokumentarfilmen an „Die Böhms – Architektur einer Familie“ von Maurizius Staerkle Drux. Der Film „I want to see the Manager“ von Hannes Lang wurde mit einer lobenden Erwähnung bedacht. Die Jurymitglieder Tiziana Aricò, Annina Wettstein und Daniele Rielli begründeten ihre Entscheidung wie folgt: „Zwei der Filme im Wettbewerb haben die Jury besonders überzeugt – einen davon ernennt die Jury einstimmig zum Gewinner – hingegen möchten wir eine lobende Erwähnung aussprechen für „I want to see the Manager“ von Hannes Lang. Der Film besticht dadurch, dass er mit viel Originalität episodenhaft von der Gegenwart erzählt und gleichzeitig den Blick auf das Ganze nicht verliert. Es handelt sich um einen prägnanten Kommentar zur globalisierten Welt, der eine eigene formale Sprache findet.“
 
Die Familiensaga „Die Böhms“ ist ein vielschichtiges Porträt: nicht nur über eine Familie, sondern auch über die Architektur einer Zeit, einer Familie und dreier Generationen, ohne dabei den gesamtgesellschaftlichen Aspekt aus den Augen zu verlieren. Es gelingt dem Regisseur, die Räumlichkeit der Architektur in eine überzeugende filmische Sprache zu übersetzen. Mit viel Feingefühl zeichnet er die Geschichte eines Mannes im letzten Lebensabschnitt, die gleichzeitig eine Allegorie ist für ein Europa, das seine große Blüte hinter sich hat und vor einer unsicheren kulturellen und wirtschaftlichen Zukunft steht – treffend symbolisiert durch das chinesische Projekt des einen Sohnes. Die Jury prämiert einen Film, dessen Kohärenz vergleichbar ist mit einem der Monumente Gottfried Böhms, und sie prämiert einen talentierten jungen Regisseur, der die Dichte des Themas adäquat und mit viel Gefühl für Musikalität umsetzt.
 
Der Publikumspreis der Stadt Bozen ging an “Hubert von Goisern – Brenna tuat’s schon lang” von Marcus R. Rosenmüller

Preis für den besten Kurzfilm

Unter den 26 zur Auswahl stehenden Kurzfilmen fiel die Entscheidung auf „Lila“ von Carlos Lascano. Die Begründung: Dieser Film erzählt auf lebhafte Weise eine originelle Geschichte, voller Optimismus, und vereint dabei Fiktion mit Animation. Technik und Ästhetik sind perfekt und übermitteln vom Anfang bis zum Ende die positive Botschaft des Drehbuches. Ein hervorragender Kontrast zu den Ängsten und Katastrophen in dieser schier unendlich scheinenden aktuellen Krise. „Wenn jeder einzelne auch nur einen kleinen Beitrag leistet, wird sich unsere Welt verändern.“
 
Die Filme „Eideann“ von Alvaro Granados und „Flash“ von Alberto Riuz Rojo wurden mit einer lobenden Erwähnung bedacht. Auch das Publikum entschied sich für Lila von Carlos Lascano.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen