Ehe und Familie - Kinder und Jugend

Diözesansynode veröffentlicht die ersten offiziellen Texte

Mittwoch, 08. Juli 2015 | 11:17 Uhr

Bozen – Es ist ein Moment, auf den viele schon hart gewartet haben: die Diözesansynode veröffentlicht ihre ersten offiziellen Texte. Dabei geht es um das kontroverse Thema von Ehe und Familie sowie um die Rolle von Kindern und Jugendlichen in der Kirche.

Beide Texte wurden von der Vollversammlung der Synode im Mai bzw. im Februar verabschiedet und zeichnen ein Idealbild, an dem sichtbar wird, welche Hausaufgaben in Südtirols Kirche anstehen. „Es handelt sich um Texte, die veranschaulichen wollen, was für eine Kirche wir in Zukunft sein wollen,“ erklärt Reinhard Demetz, Sekretär der Synode. „Der Reiz an diesen Texten liegt darin, sie als Kontrast und Herausforderung an die aktuelle Praxis und Wirklichkeit zu lesen.“

Ehe und Familie

Dieser Kontrast wird im Visionspapier zum Thema Ehe und Familie stark und mit zum Teil auch harten Worten thematisiert. „Man erkennt an diesem Text, wie lange um dieses Thema gerungen worden ist, und wie weit die Positionen innerhalb der Kirche zum Teil auseinanderstehen“, kommentiert Reinhard Demetz. Die Lebenswirklichkeit der Menschen und die kirchliche Lehre klaffen bei diesem Thema weit auseinander, heißt es im Text, und es sei deshalb notwendig, „auf die Fragen der Menschen einzugehen und Initiativen zu ergreifen, die den herausragenden Wert der Ehe erneut sichtbar machen und einen hoffnungsvollen Neuaufbruch ermöglichen.“

Positiv wünscht die Synode „eine Kirche, die die Familien mit lebensnahen und zukunftsfähigen Antworten in den wesentlichen Lebens- und Glaubensfragen begleitet.“ Die Kirche müsse neu lernen, auf die Lebensfragen und Sehnsüchte der Menschen zu antworten. Dabei bleibt auch in Zukunft die sakramentale Ehe Ideal und Bezugspunkt der kirchlichen Arbeit. Aber auch jene Paare, die andere Wege gehen oder in ihren Beziehungen scheitern, will Südtirols Kirche respektvoll begleiten, „damit alle in gegenseitiger Liebe, in Respekt, Verantwortung und Fürsorge miteinander leben und wachsen.“

Der Synodentext zu Ehe und Familie ist dadurch gekennzeichnet, dass er nicht Lehre undMoral, sondern die konkrete Begleitung und Stütze für Menschen in den verschiedensten Lebenslagen in den Vordergrund stellt. Insofern sieht die Synode in der sozialen und politischen Arbeit einen weiteren Schwerpunkt für die Zukunft. Südtirols Kirche möchte sich dafür einsetzen, „dass alle gesellschaftlichen Kräfte die Familie ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit stellen, sie stärken und fördern.“ Die Familien sollen „Orte der Gemeinschaft und generationenübergreifenden Solidarität“ sein. Insofern sollen Eltern ernst genommen und begleitet werden, es sollen „mit ihnen Werte offenlegt und Wege entwickelt werden, wie Liebe und Fürsorge in Verantwortung gelebt werden können.“

Kinder und Jugend

„Erbauer und Protagonisten der Kirche“: mit diesem Zitat von Papst Franziskus lässt sich hingegen die Vision der Synode zur Rolle von Kindern und Jugendlichen in der Kirche auf den Punkt bringen. Heranwachsende Menschen werden von der Kirche der Zukunft – so schreiben die Synodalen – nicht als passive Empfänger, sondern als „wesentliche und aktive Teile der kirchlichen Gemeinschaft“ gesehen, die in der Liturgie „durch aktives Mitgestalten und –feiern ihrem persönlichen Glauben Ausdruck“ verleihen und „auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens konkrete Möglichkeiten in Form von Mitsprache, Mitgestaltung, Mitentscheidung und Mitverantwortung“ haben.

Um in dieser Form den Anliegen von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden, müssen diese „erfahren, dass die Gemeinschaft der Kirche für alle offen ist und in ihr alle willkommen sind.“ Es geht also gerade in Blick auf die jungen Menschen um eine Kirche, die die starren ethnischen, kulturellen und sprachlichen Behälter überwindet und mit den Kindern und Jugendlichen „an einer Gesellschaft der Mitmenschlichkeit und des gegenseitigen Respekts“ baut, in welcher die „Vielfalt als Bereicherung“ wahrgenommen wird. Im Einsatz für soziale Gerechtigkeit tragen junge Menschen „wesentlich dazu bei, dass sich die gesellschaftlichen Bedingungen vor Ort und weltweit verbessern.“

Das Synodenpapier schlägt einen Perspektivenwechsel vor, vom Jugendlichen als Objekt zum Jugendlichen als „Subjekt der Glaubensweitergabe“. Damit dies gelingen kann, so der Synodenbeschluss, „werden die Strukturen und Organisationen der kirchlichen Kinder– und Jugendarbeit in unserer Diözese ausgebaut, gestärkt und an aktuelle Erfordernisse angepasst.“

Von: ©lu

Bezirk: Bozen