Bernard Haitink 2019 bei einem Konzert zum 90. Geburtstag

Dirigent Bernard Haitink gestorben

Freitag, 22. Oktober 2021 | 13:05 Uhr

Der niederländische Dirigent Bernard Haitink ist gestern, Donnerstag, in seinem Haus in London im Alter von 92 Jahren gestorben. Das melden zahlreiche internationale Medien unter Berufung auf Haitinks Management. Haitink war 27 Jahre lang Chefdirigent des Amsterdamer Concertgebouw Orchesters und einer der weltweit gefragtesten und renommiertesten Dirigenten.

Nach seinem Abschied aus Amsterdam 1988 leitete er 14 Jahre lang die Royal Opera in London. Er war musikalischer Leiter des Opernfestivals in Glyndebourne, Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra, der Staatskapelle Dresden und des Chicago Symphony Orchestra. Er war Ehrenmitglied u.a. der Wiener Philharmoniker, die er seit 1972 mehr als 100 Mal dirigiert hatte, der Berliner Philharmoniker und des Chamber Orchestra of Europe. 2019 hatte er offiziell seine Karriere beendet.

Anlässlich von Haitinks Ableben zeigt der ORF-“Kulturmontag” (25. Oktober, ORF 2) um Mitternacht die Dokumentation “Bernard Haitink: Der geheimnisvolle Maestro” von John Bridcut, der den Dirigenten bei den Vorberitungen seiner letzten Konzerte beobachtete. Nicht nur Haitink selbst, sondern auch Familienmitglieder und und musikalische Wegbereiter kommen in diesem filmischen Porträt zu Wort.

Aus der Musikwelt gab es am Freitag zahlreiche Trauerbekundungen. Die Wiener Philharmoniker gedachten am Freitag ihrem Ehrenmitglied. “Im Rahmen unserer gemeinsamen Tournee 2019 dirigierte er die letzten offiziellen Konzerte seiner reichen Karriere. Wir sind sehr dankbar, das gemeinsam erlebt haben zu dürfen. Es waren tief bewegende und unvergessliche Momente”, hielten Vorstand Daniel Froschauer und Geschäftsführer Michael Bladerer in einem der APA übermittelten Statement fest: “Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.”

Markus Hinterhäuser, Intendant der Salzburger Festspiele, würdigte Haitink ebenfalls. Die Musikwelt verliere “eine der großen Dirigentenpersönlichkeiten unserer Zeit. Groß in seiner musikalischen Aufrichtigkeit, groß in seinem musikalischen Ethos”. Insbesondere mit seinen Bruckner- und Mahlerinterpretationen habe Haitink bei den Salzburger Festspielen Maßstäbe gesetzt – “ganz und gar unvergesslich und bewegend sein letztes Festspielkonzert mit Bruckners 7. Symphonie zum Abschluss der Festspiele 2019”, so Hinterhäuser in einer schriftlichen Stellungnahme.

“Die Musikwelt hat einen der ganz Großen verloren. Er wollte nie triumphieren, aber wahrscheinlich sind ihm gerade deshalb solche Triumphe mit seinen Interpretationen gelungen”, ergänzte Festspiele-Präsidentin Helga Rabl-Stadler: “Die Festspiele sind dankbar, dass wir ihn in Salzburg haben durften. Durch sein Werk lebt er in uns fort.”

Auch die Sächsische Staatskapelle Dresden, deren Chefdirigent Haitink von 2002 bis 2004 war, bekundete ihre Trauer. In dieser Zeit habe er dem Orchester “wichtige Impulse in einer schwierigen Phase” gegeben, erklärte der Orchesterverband. Der derzeitige Dresdner Chefdirigent Christian Thielemann meinte: “Seine langjährige Zusammenarbeit mit den weltbesten Klangkörpern, wie seine Operntätigkeit in Covent Garden, haben unauslöschliche Spuren hinterlassen. Ich habe ihn sehr verehrt und oft seine Konzerte gehört.”

Die Mailänder Scala reagierte ebenfalls auf den Tod “einer der führenden Persönlichkeiten der Musikwelt”. Obwohl Haitink zurückhaltend gewesen sei und nicht oft in den Medien aufgetreten sei, sei er vom Publikum auf der ganzen Welt verehrt worden. “Seine Konzerte waren die am meisten erwarteten Veranstaltungen bei großen internationalen Festivals”, hielt das Opernhaus fest.

In Haitinks Heimat, den Niederlanden, zeigte sich das Amsterdamer Concertgebouw-Orchester, dem der Dirigent 27 Jahre lang bis 1988 vorstand, bestürzt. Direktor David Bazen erklärte, dass Haitink das Orchester geprägt habe. “Er ist sehr wichtig gewesen für unsere Spielkultur und die Entwicklung unseres Repertoires.” Das Königspaar sprach der Witwe und der Familie von Haitink sein Mitgefühl aus. “Mit Bewunderung und in Dankbarkeit erinnern wir uns an Bernard Haitink”, heißt es in einer Erklärung von König Willem-Alexander und seiner Frau Máxima. “Als Dirigent des Königlichen Concertgebouw-Orchesters und vieler anderer Orchester legte er die Seele von Mahler, Bruckner, Beethoven und vielen anderen Komponisten offen.”

Das European Union Youth Orchestra (EUYO), dessen musikalischer Direktor Haitink von 1994 bis 2000 war, würdigte den Dirigenten nicht nur als “Inspirationsquelle für Generationen von Musikern”, sondern auch als “einen der wunderbarsten und großzügigsten Menschen in der Musikwelt”.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz