DJ Elk in besseren Zeiten: Manfred Elk Breiner legt im Iceberg auf

DJ Elk im Lockdown: Von den Turntables in die Notstandshilfe

Montag, 12. April 2021 | 08:20 Uhr

Manfred Breiner hat auch nach einem Jahr seinen Humor nicht verloren. Auch wenn es sehr nach Galgenhumor klingt. “Ich bin Hoch-Hoch-Risikogruppe”, lacht der 55-Jährige im Gespräch mit der APA. Als DJ Elk ist er eine Legende der Wiener Club-Szene, nun zählt sein Beruf zu einem der riskantesten Erwerbszweige in dieser Pandemie. Seine medizinischen Befunde haben außerdem locker für eine Vorreihung gereicht: Den Erststich mit AstraZeneca bekam er zu Ostern verpasst.

Mitte März 2020 hat Elk das letzte Mal im Bricks in Wien-Leopoldstadt aufgelegt, der für den folgenden Samstag geplante Abend im Chelsea wurde bereits abgesagt. “Mir persönlich war angesichts der Meldungen aus China klar, dass das länger dauern wird. Ich hatte eher Angst, dass meine Chefs das verharmlosen und damit ihr Personal gefährden könnten. Zum Glück haben die das aber ernst genommen.” Auch Elk selbst hat sich strikt an die Regeln gehalten: “Ich bin ein Musterbeispiel. Wenn alle so gelebt hätten wie ich, wäre das alles längst gegessen”, versichert er.

In der Nachtgastronomie sei Körperkontakt unvermeidbar, auch für DJs, sagt Elk. “Ich stehe ja meist an vorderster Front. Da kommen dauernd Leute zu dir und wollen was – und weil es laut ist, müssen sie ganz nahe ran. Und meist sind die Lokale ja auch gesteckt voll.” Die Wiener Clubs und Lokale, in denen er auflege, seien aber von Publikum und Atmosphäre ganz anders als jene Nachtlokal-Szene in den Skiorten, die zu Beginn der Pandemie ganz Tirol in Misskredit gebracht haben. “Wir sind nicht darauf aus, zwanghaft Stimmung zu erzeugen, bei uns gibt’s keine Hüttengaudi. Das ist mit Tirol nicht vergleichbar. Dort hat man nur geschaut, die Holländer und Engländer abzucashen, wie’s nur geht.”

Weil er eine Tante in Tirol habe, sei er jedes Jahr mit seinem heute 10-jährigen Sohn zum Skikurs in die Nähe von Kitzbühel gefahren, und noch in den Semesterferien knapp vor dem ersten Lockdown sei er dort gewesen. “Die Kitzloch-Bar war nur ein paar Kilometer entfernt. Aber ich bin am Abend lieber im Pub gesessen und hab in Ruhe mein Bier getrunken.”

Ruhe hat DJ Elk seit einem Jahr freilich mehr als ihm lieb ist. Auftritte sind keine möglich. Im April 2020 hat er sich beim AMS gemeldet. “Ich war schon einmal arbeitslos, das war um die Jahrtausendwende, als das U4 abgebrannt ist, wo ich als DJ im Angestelltenverhältnis meinen ersten Job gehabt habe”, erzählt der ehemalige Publizistikstudent, der allerdings berufsbedingt für die Diplomarbeit keine Zeit mehr fand. “Weil ich im Bricks mit 20 Wochenstunden angemeldet war, konnte ich wieder Arbeitslosengeld beziehen.” Mittlerweile erhält er 950 Euro Notstandshilfe. Kommt man damit über die Runden? “Es bleibt mir nichts anderes übrig. Aber weil man am Abend ja auch nicht weggehen kann, gibt man auch weniger aus als sonst.”

Und was ist mit den Künstler-Förderungs-Programmen, auf die die Politik so stolz ist? “Ich hab mich erkundigt, aber für meinen speziellen Fall, halb Angestellter, halb Künstler, gibt’s anscheinend nichts. Ich bin eine eigene Kategorie.”

Also heißt es, auf bessere Zeiten zu warten. Indoor dürfte der Betrieb noch lange nicht losgehen, glaubt DJ Elk, und wenn, dann nur mit Vor-Ort-Testungen als Momentaufnahme. “48 Stunden Gültigkeit eines Tests ist meiner Meinung nach zu lange.” Für das Mitte August in St. Pölten geplante Frequency, wo er regelmäßig mit dabei war, ist er jedenfalls noch nicht gebucht. “Ich bin gespannt. Die Hauptzielgruppe wird zu dem Zeitpunkt aber sicher noch nicht geimpft sein.” Immerhin: Manfred Breiner hat seinen zweiten Impftermin am 25. Juni. “Zwei Wochen danach hat man den vollen Impfschutz. Es wird sich also ausgehen.” Zumindest an ihm sollte das Festival nicht scheitern.

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E – http://www.djelk.net/)

Von: apa