Die documenta läuft in Athen bereits seit April

documenta 14 begann nach Athen auch in Kassel

Mittwoch, 07. Juni 2017 | 14:11 Uhr

Mit der Eröffnungspressekonferenz am Mittwoch hat die Preview für die documenta 14 auch in ihrem traditionellen Heimatort Kassel begonnen. Bereits vor zwei Monaten hatte die alle fünf Jahre stattfindende Kunstschau in Athen eröffnet, das erstmals in der 60-jährigen documenta-Geschichte als zweiter Austragungsort fungierte. Verweise auf Griechenland spielen auch in Kassel eine zentrale Rolle.

“Wir brauchen Künstler, die Anstöße geben, Kunst und Kultur sind es, die Vielfalt und Diversität einer Gesellschaft widerspiegeln”, betonte Hessens Kulturminister Boris Rhein das staatliche Bekenntnis zur Finanzierung zeitgenössischer Kunst auf der mehr als zweistündigen Pressekonferenz. Anstöße gab es sofort, noch vor den rund 2000 Journalisten: Der aus seiner Heimat geflohene syrische Geiger Ali Moraly spielte eine Auftragskomposition, die sich auf Paul Celans Todesfuge bezog. Und der aus Polen gebürtige künstlerische Leiter der documenta 14, Adam Szymczyk, betonte seinerseits in einem kurzen Auftritt die Wichtigkeit des “Verlernens”. Es solle keine Schule und Meister geben, die sagten, was zu tun sei, skizzierte der Ausstellungsmacher seine kuratorische Maxime.

Nicht nur im offizielle Eulen-Logo der diesjährigen documenta, das bekanntlich die Pallas Athene symbolisiert, waren athenische Spuren bereits vor Beginn der Preview unübersehbar. Am zentralen Friedrichsplatz, wo die Nazis 1933 Bücher verbrennen ließen, hat die argentinische Künstlerin Marta Minujin eine aus Stahlgerüsten und Büchern zusammengesetzte 1:1-Kopie des athenischen Parthenons errichtet. Minujin lädt Besucher ein, von autoritären und totalitären Regimen verbotene Bücher abzugeben, die schließlich zur Ergänzung ihrer riesigen Installation verwendet werden sollen. Die Künstlerin wiederholt dabei ein eigenes Werk aus dem Jahr 1983: Nach dem Sturz der argentinischen Junta hatte sie in Buenos Aires ein Parthenon aus kurz zuvor noch verbotenen Büchern errichtet, die seinerzeit als eindrucksvolle Geste der Überwindung staatlicher Zensur im Anschluss an Interessierte verteilt wurden.

Abgesehen von einzelnen Werken im öffentlichen Raum verteilt sich auch die Großausstellung, die bis 16. Juli in Athen und nach der offiziellen Eröffnung am Samstag auch bis 17. September 2017 in Kassel laufen wird, auf alle maßgeblichen Kultur- und Kunstinstitutionen der nordhessischen Stadt. In der offiziellen Kasseler Teilnehmerliste, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, fällt ein naheliegender Fokus auf griechische Kunst auf, insbesondere auch durch die Präsentation der Sammlung des Griechischen Museums für zeitgenössische Kunst (EMST) im Kasseler Fridericianum. Neben prominenten internationalen Positionen aus unterschiedlichen Generationen, darunter Marcel Broodthaers, Jan Fabre, Douglas Gordon oder Hans Haacke, sind aber auch Künstler aus der Türkei, dem Nahen Osten sowie Osteuropa stark vertreten.

Szymczyk zeigt auf seiner documenta aber auch Werke österreichischer Künstler: Der bereits mehrfache documenta-Teilnehmer Peter Friedl präsentiert seine Videoarbeit “Report” aus dem Jahr 2016, Oliver Ressler mit seiner Videoinstallation “What is democracy?” aus den Jahren 2007 bis 2009 vertreten. Weiters ist die Installation “TV-Drawings” des Bildenden-Kunstprofessors Ashley Hans Scheirl aus den frühen 1980ern zu sehen, Werke von Lois Weinberger sind gleich an mehren Orten präsent. Ausgestellt sind in Kassel aber auch Collagen der 1922 in Wien geboren Künstlerin Elisabeth Wild , die 1938 mit ihrer Familie aus Österreich fliehen musste, und die in Süd- und später in Zentralamerika tätig war und ist, sowie Werke der 1892 in Wien geborenen und 1930 in Berlin verstorbenen Malerin Tom Seidmann-Freud, einer Nichte von Sigmund Freud.

Von: apa