Neue Glasfenster

Dominikanerkirche in neuem Licht

Donnerstag, 16. April 2015 | 23:27 Uhr

Bozen – Die neuen, künstlerisch gestalteten Glasfenster der Dominikanerkirche in Bozen sind heute von Landesrat Christian Tommasini, Bischof Ivo Muser und Vertretern der Glasmanufaktur sowie der Stadtgemeinde Bozen der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Die neuen Glasfenster der Dominikanerkirche in Bozen fügen sich harmonisch in die Architektur des Bauwerks ein und wurden von der Abteilung für Italienische Kultur des Landes im Rahmen des Projekts "Arte nel territorio" finanziert. Die Abteilung für Italienische Kultur möchte dadurch vor allem einen Beitrag zur Aufwertung dieses öffentlichen und vielfrequentierten Ortes leisten.

Die Dominikanerkirche in Bozen stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist eines der ersten im gotischen Stil errichteten Bauwerke in Tirol. Um das Jahr 1700 hat der Dominikanerorden das Gebäude erweitert, um Platz für das Priesterseminar zu schaffen; dabei wurden allerdings die Kirchenfenster an der Westseite zugemauert. Auch die Restaurierung der Kirche im Jahr 2007 konnte dieses ästhetische Problem nicht lösen.

Dank des jetzigen Projekts, das vom Europäischen Sozialfonds unterstützt und von der Abteilung für Italienische Kultur des Landes finanziell gefördert wurde, war es nun möglich, neue, künstlerisch gestaltete Glasfenster für die Dominikanerkirche zu realisieren. "Dies ist ein schöner Augenblick für die Gemeinschaft", sagte Landesrat Christian Tommasini, "da ein wichtiger Versammlungsort für die Bevölkerung von Bozen aufgewertet und verschönert wird. Kunstwerke, die sich an Orten der Begegnung befinden, sind eine Bereicherung für alle. Daher haben wir das Projekt gerne unterstützt."

Die Fenster aus massivem Glas wurden nach einem alten Verfahren vom Bozner Ausbildungszentrum Vetroricerca hergestellt, das sich der Forschungs- und Entwicklungsarbeit auf dem Gebiet der Glasmanufaktur verschrieben hat. Die Pläne stammen von Lucia Pagnoni und widerspiegeln die architektonische Formensprache der Westfassade des Gebäudes. Vorausgegangen waren ausführliche Gespräche zwischen dem Ausbildungszentrum Vetroricerca und dem Amt für Denkmalpflege sowie dem Dominikanerorden.

Herausgekommen ist eine geglückte Verbindung zwischen dem historischen Baubestand und einer modernen künstlerischen Ausdrucksform. Das neue Erscheinungsbild der Kirche wirkt sich somit auch prägend auf den öffentlichen Raum aus und wird zu einem bedeutenden architektonischen Bestandteil für den Ortskern der Stadt.

Beim Verfahren zur Herstellung der Kirchenfenster handelt es sich um die sogenannte "Pâte de verre"-Technik. Das dicke Glas wird dabei in eine Art "Lichtskulptur" verwandelt, die jenseits der reinen Zweckmäßigkeit eine eigene, antik anmutende Ästhetik entfaltet. "Insgesamt wurden 2000 Kilo Kristallglas zu zwölf Einzelelementen verarbeitet, die zu drei Glasfenstern zusammengefügt wurden", berichtete Alessandro Cuccato vom Ausbildungszentrum Vetroricerca, "jedes einzelne davon hat ein Gewicht von zirka 700 Kilo und einen Durchmesser von drei bis elf Zentimetern." Einen besonderen Dank richtete Cuccato an alle Mitarbeiter, die sich mit viel Engagement am Projekt beteiligt haben.

Das Herstellungsverfahren war bereits in der Antike bekannt, wurde aber durch neues Wissen und moderne Einflüsse ergänzt. Am linken und rechten Seitenfenster bilden die sich im oberen Teil überkreuzenden Linien die symbolische Darstellung eines Baumes. Das Mittelfenster zeigt hingegen im unteren Teil einen achtzackigen Stern und ein Kreuz. Das Kreuz steht für Christus und der Stern für Sankt Dominikus (und somit für den Dominikanerorden), er verweist aber zugleich auch auf den antiken Venuskult und gilt als Fruchtbarkeitssymbol.

"Im Inneren der Kirche dient die Kunst nicht nur der Ästhetik", erklärte Bischof Ivo Muser, "sondern vermittelt eine Botschaft. Die Kunst hilft uns, die Zeichen zu verstehen, und das Symbol des Lichts, das sich in den Glasfenstern erkennen lässt, wiest auf das Licht der Welt hin."

Begleitet wurde die feierliche Einweihung der Fenster durch Chormusik von Johann Sebastian Bach, Martin Nystrom, Svein Møller und Johann Rutter, die die Klasse für sakrale Musik des Konservatoriums Claudio Monteverdi unter der Leitung von Professor Heinrich Walder vorgetragen hat. Das Konservatorium ist übrigens in den Räumlichkeiten des ehemaligen Priesterseminars untergebracht, für dessen Errichtung ein Teil der Westfassade zugemauert worden war.

Im Kulturzentrum Trevi in der Kapuzinergasse 28 ist noch bis zum 30. Juni 2015 der Infopoint geöffnet, in dem die Entstehungsphasen der Glasfenster gezeigt werden. Dieser ist am Montag von 14.30 bis 18.30 Uhr, am Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10.00 bis 12.30 und von 14.30 bis 18.30 sowie am Donnerstag von 10.00 bis 20.00 Uhr zugänglich. Informationen unter Tel. 0471 300980. 

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen