Zuerst schlechtes Wetter, dann der Erfolg

Ein großes Abenteuer auf dem Cerro Torre bei der Vertical Arena 2022

Samstag, 16. Juli 2022 | 11:29 Uhr

Sexten – Die Leidenschaft für den Alpinismus, die Stärke der Freundschaft auf dem Berg und ein einzigartiges Erlebnis standen bei der Vertical Arena 2022 am gestrigen Freitag im Mittelpunkt. Beim Forum des Bergsteigens und des Alpinismus, welches vom Tourismusverein Sexten organisiert und von der Alpinistin und Bergführerin Lisa Steurer moderiert wurde, erzählten Gabriel Tschurtschenthaler und Vittorio Messini über ihren Aufstieg auf den Cerro Torre. Begleitet wurde der Vortrag von den eindrucksvollen Aufnahmen von Christian „Kruscht“ Riepler, der ebenfalls beim Abenteuer mit dabei war. Dieser Aufstieg ist deshalb so besonders, weil Tschurtschenthaler zu 90 Prozent blind ist.

Vor einem großen Publikum erzählten der gebürtige Sextner Gabriel Tschurtschenthaler und Vittorio Messini in der Sextner Kletterhalle im Rahmen der sechsten Ausgabe der Vertical Arena von ihrem emotionalen und dramatischen Abenteuer in den patagonischen Anden. Im Dezember 2021 hat das Bergsteiger-Duo gemeinsam mit Matthias Wurzer die Spitze des Cerro Torre erreicht. Die Idee hinter der Besteigung entstand mehr durch Zufall: „Gabriel Tschurtschenthaler habe ich bei einen Eiskletterkurs kennengelernt. Nach dem Kurs und ein paar Aufstiegen ist es uns plötzlich in den Sinn gekommen, den Aufstieg auf den Cerro Torre zu versuchen“, erzählte der aus Florenz stammende, aber seit Jahren in Osttirol lebhafte Bergführer Vittorio Messini.

Die Vorbereitungen dauerten lange, auch weil es aufgrund der Covid19-Pandemie zu dieser Zeit nicht so einfach war, nach Südamerika zu reisen. Als Training bestiegen sie zuerst die große Zinne und danach den Großglockner, wo sie auch eine Route wählten, die „gemischt“ war, also sowohl Passagen auf Stein als auch auf Eis vorwies. Als der Moment zur Abreise nach Argentinien gekommen war, spielte auch eine moralische Frage eine Rolle: „Was war der Sinn unseres Abenteuers? Nicht alles muss immer einen Sinn ergeben, man kann auch etwas machen, einfach weil es Spaß macht“, kommentierte Gabriel Tschurtschenthaler ihren Entschluss.

Foto: Harald Wisthaler

Zuerst schlechtes Wetter, dann der Erfolg

So reisten Tschurtschenthaler, Messini und Wurzer nach langer Vorbereitung im vergangenen November nach Patagonien, wo sie ihr sensationelles Ziel dann im Dezember mit Erfolg erreichen konnten. Das Publikum der Vertical Arena durfte in dieses Erlebnis dank der beeindruckenden und fesselnden Bilder und Videos von Christian „Kruscht“ Riepler eintauchen.

Nicht nur wegen seiner Form und seiner Höhe, sondern auch wegen der widrigen klimatischen Bedingungen, gehört der Cerro Torre zu den schwierigsten und technisch anspruchsvollsten Gipfel der Welt. Anfangs zog dem Bergsteiger-Quartett das wechselhafte Wetter in Patagonien einen Strich durch die Rechnung und ein Aufstieg auf den Cerro Torre war nicht möglich. Deshalb wählten sie einen anderen Gipfel, den Aguja Poincenot auf dem Fitz Roi. Nachdem sie wieder ins Tal zurückgekehrt waren, entschieden sie, den Cerro Torre doch noch einmal in Angriff zu nehmen, auch wenn das Wetterfenster erneut zu klein war. Schon am ersten Tag wurde ihnen aber bewusst, dass sie es nie rechtzeitig geschafft hätten und mussten umkehren. „Schon als wir gestartet waren, wusste ich, dass mich dieser Ort fesseln würde. Wir haben eine wunderschöne Zeit erlebt“, sagte Tschurtschenthaler dennoch.

Die Alpinisten gaben aber nicht auf. Nachdem ihnen die Wetterbedingungen plötzlich doch in die Karten spielten, stornierten sie ihren Heimflug und Mitte Dezember nahmen sie den Cerro Torre noch einmal in Angriff. Für diesen Versuch begleitete sie dieses Mal auch ein einheimischer Träger, der ihnen den schweren Rucksack von Gabriel Tschurtschenthaler bis zum ersten Nachtlager mitschleppte. Dieses Mal kamen Tschurtschenthaler, Messini und Wurzer auch deutlich schneller voran. So gelang ihnen an einem sonnigen Tag im Dezember ihr unglaubliches Unterfangen, sie bezwangen die eisigen und schneebedeckten Wände des Cerro Torre mit Erfolg und erreichten den Gipfel.

Von: lup

Bezirk: Pustertal

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