Tausende Menschen strömen auch ohne Konzertkarte täglich auf die Plaza

Ein Jahr Hamburger Elbphilharmonie

Freitag, 05. Januar 2018 | 12:34 Uhr

Die Elbphilharmonie ist schon jetzt eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands und lässt den jahrelangen Streit um Kosten und Bauverzögerungen vergessen: Im ersten Jahr besuchten 4,5 Millionen Menschen die Plaza – das sind mehr Besucher als auf Schloss Neuschwanstein oder in der Sixtinischen Kapelle in Rom.

Klassikstars wie Riccardo Muti, Yo-Yo Ma und Cecilia Bartoli gaben sich die Klinke in die Hand. Aber auch Bands wie die Einstürzenden Neubauten, Hollywoodstar John Malkovich oder Sänger Rufus Wainwright wurden von den Zuschauern gefeiert. “Wir haben Hamburg als Kulturstadt neu auf die Landkarte setzen können. Die Elbphilharmonie ist längst etwas, das alle Hamburger als ihren eigenen Schatz begreifen”, sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) der dpa. Anbei die wichtigsten Stichworte zur “Elphi”:

Die Botschaft “Hello World, Open!” leuchtete am Ende der spektakulären Eröffnung am 11. Jänner 2017 an der Fassade – und die ganze Welt ist begeistert von Hamburgs neuem Wahrzeichen. “Ein bisschen Sydney Opera House, ein bisschen Schloss Neuschwanstein”, schwärmte nicht nur die italienische Tageszeitung “La Repubblica”. Das einzige Gebäude, das noch mit der “gläsernen Welle” der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron mithalten könne, sei die Oper von Sydney, schrieb die “Süddeutsche Zeitung”.

Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnete die Elbphilharmonie in seiner Eröffnungsrede “als Juwel der Kulturnation Deutschland”. Dank der Elbphilharmonie erscheint Hamburg plötzlich in den Toprankings der Reiseführer und wird als “Place to be” gepriesen. Auch gekrönte Häupter wie der britische Prinz William und seine Ehefrau Kate waren von der “Elphi” begeistert – und Herzogin Kate schwang sogar den Taktstock.

Tausende Menschen strömen auch ohne Konzertkarte jeden Tag auf die Plaza in 37 Metern Höhe, um den Rundumblick über den Hafen zu genießen. Nicht nur die Hamburger lieben die Aussichtsplattform in luftiger Höhe. Nirgendwo sonst kann man den Hafen so hautnah erleben, scheinen die vorbeifahrenden Schiffe zum Greifen nah. Sogar einen Heiratsantrag soll es vor der atemberaubenden Kulisse schon gegeben haben. Wenn die Sonne untergeht und die Blaue Stunde beginnt, sind die Lichtreflexionen besonders spektakulär – hier zückt jeder sein Handy, um den Moment im Bild festzuhalten.

Die meisten Kritiker und Musiker stellen dem neuen Konzerthaus, für dessen Akustik der Japaner Yasuhisa Toyota verantwortlich ist, ein positives Zeugnis aus und schwärmen vom “glasklaren Klang” und der “Transparenz”. “Die akustischen Verhältnisse in der Elbphilharmonie sind zwar insgesamt großartig, aber je nach Repertoire bisweilen auch kompliziert”, meint der Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters, Thomas Hengelbrock. Fest steht, dass der Saal keine Fehler verzeiht. Wenn ein Musiker oder Sänger den Ton nicht genau trifft, dann fällt das auf. Das heißt aber auch: Je besser ein Orchester, desto besser der Klang. Was man als Zuhörer unbedingt vermeiden sollte: husten oder rascheln, denn auch das ist nur allzu gut zu hören.

In der kommenden Saison sind das London Symphony Orchestra und das Cleveland Orchestra zu Gast, zu den Solisten gehören Anne-Sophie Mutter, Jonas Kaufmann und Helene Grimaud. “Eine ganze Reihe spannender Künstler war noch nicht in der Elbphilharmonie und diejenigen, die schon da waren, freuen sich darauf, wieder zu kommen”, sagt Intendant Christoph Lieben-Seutter.

Von: APA/dpa