Van der Bellen gratulierte "als Nachbar und Bücherliebhaber"

Festakt zum 650-Jahr-Jubiläum der Nationalbibliothek

Donnerstag, 22. Februar 2018 | 17:45 Uhr

Mit einem von Fanfaren begleiteten Festakt hat die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) am Donnerstag ihr 650-Jahr-Jubiläum begangen. Unter den Festgästen war auch Alexander Van der Bellen. Er sei zwar als Bundespräsident eingeladen, aber “als Nachbar und Bücherliebhaber” gekommen um zu gratulieren, so der in der Hofburg in Gehweite residierende Politiker und ehemalige Universitätsprofessor.

In seinen herzlichen Gratulationsworten erinnerte Van der Bellen, wie vor ihm schon der für seinen terminlich verhinderten Kollegen Kanzleramtsminister Gernot Blümel kurzfristig eingesprungene Bildungsminister Heinz Faßmann (beide ÖVP), daran, dass vor drei Jahren auch die Universität Wien ihren 650. Geburtstag feierte und sinnierte: “Dieses 14. Jahrhundert muss schon was gehabt haben…” Der Bundespräsident zitierte u.a. den Autor Arno Schmidt, dessen Zitat “Es gibt keine Seligkeit ohne Bücher” er jedoch sogleich unter dem Gelächter des Publikums mit einem anderen Zitat relativierte (das er Gregor von Rezzori in den Mund legte, das in gängigen Quellen allerdings Loriot zugeschrieben wird, Anm.): “Ein Leben ohne Mops ist möglich – aber sinnlos.”

Für ihn sei das friedliche Nebeneinanderstehen von Büchern über das heliozentrische und das ptolemäische Weltbild, die biblische Genesis und die Darwin’sche Evolutionstheorie, die Marx-Engels-Gesamtausgabe neben Werken von Adam Smith und John Maynard Keynes in einer Bibliothek “ein utopisches Bild menschlichen Zusammenlebens”, sagte der Bundespräsident und schloss anhand eines Zitats des Dichters Walt Whitman ähnlich wie zuvor Festrednerin Aleida Assmann mit der “interessanten Frage: Was würden die Bücher ohne uns, die Leser, machen?”

Assmann, an der Universität lehrende Anglistin, Ägyptologin und Literatur- und Kulturwissenschafterin, schloss ihren Vortrag mit der Feststellung, nicht wir bräuchten Bücher, sondern: “Die Bücher brauchen uns!” Assmann hatte über die “Magie der Termine”, das “Europäische Kulturerbejahr” und “drei Dimensionen von Bibliotheken” gesprochen: Sie seien Schatzhaus, Denkfabrik und Datenbank. Die von ihr verwendeten Zitate kamen von Robert Musil, Jean Paul, Michael Köhlmeier und Thomas Hampson. Assmann hob die Bedeutung der Bibliotheken als sich wandelnde Wissensspeicher hervor: “Die Bibliothek der Zukunft ist die Datenbank ohne Wände und Türen.”

“Ich weiß, dass Sie sich auf den Wandel eingestellt haben”, sagte Minister Faßmann in Richtung ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger. Diese hatte in ihrer Rede betont, man habe mit der entwickelten “Vision 2025” versucht, “einen guten Weg in die Zukunft” einzuschlagen, und konstatierte, dass heute zwar ein großer Teil der Bestände digitalisiert und damit online zugänglich sei, die Lesesäle dennoch täglich ausgelastet seien. Die ÖNB sei “ein besonderer Ort der Geschichte und der kulturellen Identität Österreichs” und der freie Zugang zu Bildung “eine Bedingung für eine funktionierende Demokratie”. Die Österreichische Nationalbibliothek habe über die Jahrhunderte ihre Wandlungsfähigkeit bewiesen, aber auch – etwa in der Zeit der NS-Herrschaft – dunkle Kapitel durchlebt, denen man sich erst spät gestellt habe.

Rachinger verwies auf das dichte Jubiläumsprogramm, mit dem der Geburtstag gefeiert werde. So sind im Prunksaal der Nationalbibliothek (die Feier fand daher im Camineum statt, Anm.) im Rahmen einer großen, das ganze Jahr dauernden Schau 170 der wertvollsten und bedeutendsten Objekte des Hauses zu sehen, deren Highlights als “Objekte des Monats” beständig wechseln. Die prunkvolle Kassette des 1368 fertiggestellten, in Goldlettern geschriebenen und reich illustrierten Evangeliars des Johannes von Troppau aus dem Besitz des Habsburgerherzogs Albrecht III., das heute als Gründungscodex der Bibliothek gilt, ist Ausgangspunkt der Jubiläumsschau. Im Jänner 2019 darf man dann zum Abschluss auch einen Blick auf ihr Inneres werfen. Digitalisiert ist es über die Website www.onb.ac.at abrufbar.

Von: apa