Berge spielen bei Sommerkino-Festivals oft eine wichtige Rolle

Film-Festivals am Lido, Lago Maggiore und in den Alpen

Samstag, 29. Juli 2017 | 12:25 Uhr

Festivaltreiben bestimmt den Filmmonat, versammelt sich doch die internationale Filmwelt alljährlich erst in Locarno und dann in Venedig. Das Kino feiern auch vergleichsweise kleine, aber feine Festivals in Nenzing, Klosterneuburg und Kitzbühel. Indes sprießen weitere Sommerkinos ebenso aus dem Boden wie obligatorische Sommerblockbuster a la “Planet der Affen: Survival” und “Atomic Blonde”.

Kino im Kammergarten des Belvederes (1. bis 20. August): Erstmals wird der Kammergarten des Unteren Belvedere in Wien zum Freiluftkino umfunktioniert. Unter dem Motto “Ein Hauch von Barock” werden täglich ab 21.30 Uhr in besonderem Ambiente Filme gezeigt, die sich mit dem Zeitalter des Barock auseinandersetzen und von besonderer Ausstattung und Opulenz geprägt sind – von Sofia Coppolas “Marie Antoinette” über Federico Fellinis “Das süße Leben” bis zu Sally Potters “Orlando”. Das Museumsticket gilt dabei zugleich als Kinoticket; bei Schlechtwetter entfällt die Vorführung.

70. Locarno Festival (2. bis 12. August): Unter neuem Namen – schlicht Locarno Festival statt Festival del Film Locarno – wird im malerischen Ort am Schweizer Ufer des Lago Maggiore die 70. Ausgabe des internationalen Filmfestivals gefeiert. Fast 300 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus aller Welt werden gezeigt, darunter 18 im Hauptwettbewerb um den Goldenen Leoparden. Mit Astrid Johanna Ofners Spielfilmdebüt “Abschied von den Eltern” nach der autobiografischen Erzählung von Peter Weiss findet sich ein österreichischer Beitrag im Wettbewerb für Erst- und Zweitfilme (Cineasti del presente); in weiteren Sektionen laufen u.a. die Doku “Sand und Blut” sowie die deutsch-österreichisch-italienische Koproduktion “Iceman” mit Jürgen Vogel als Steinzeitmensch Ötzi.

Kurzfilmfestival Alpinale (8. bis 12. August): Zum bereits 32. Mal feiert die Alpinale die kurze filmische Form, und das bei schönem Wetter unter freiem Himmel am Ramschwagplatz in Nenzing. Über 1.050 Filme aus 70 Ländern wurden gesichtet, 32 für den Wettbewerb ausgewählt. Darunter finden sich auch Kurzfilme von heimischen Regisseuren wie Bernhard Wenger (“Australien”) und Christoph Rainer (“Pitter Patter goes my Heart”). Auch heuer zeichnen eine internationale Jury und das Publikum den besten Kurzfilm mit einem “Goldenen Einhorn” aus und findet zum 23. Mal das Kinderfilmfest statt.

Architektur.Film.Sommer im AzW (9. bis 30. August): Zum fünften Mal findet im Hof des Architekturzentrums Wien (AzW) bei freiem Eintritt ein Architekturfilmfestival statt. Jeweils mittwochs verschreibt man sich um 20.30 Uhr unter dem Motto “Kampf um die Stadt” aktuellen und historischen Kämpfen um lebenswerte Städte und Architekturen und zeigt kurze und mittellange Dokumentar-, Experimental- und Animationsfilme. Bei Schlechtwetter wandert die Vorführung ins AzW Podium.

Kurzfilmfestival Shortynale (16. bis 19. August): Zum achten Mal lädt das Kurzfilmfestival Shortynale zu einem verlängerten Wochenende nach Klosterneuburg und zeigt Filme bis maximal 20 Minuten bei freiem Eintritt. 18 Werke hat das Festivalteam aus knapp 300 Einreichungen für die drei Wettbewerbsblöcke ausgewählt; hinzu kommen eine “Klosterneuburger Werkschau” mit Arbeiten lokaler Filmschaffender sowie ein Musikvideoprogramm und eine Personale zu Michael Ostrowski. Eröffnet wird die Shortynale open-air im Zuge des Mythos-Filmfestivals am Rathausplatz, ehe man in die zu einem Kino umfunktionierten Babenbergerhalle übersiedelt. Im Rahmenprogramm spielen Gudrun von Laxenburg auf und wird zur Karaoke-Party geladen.

Filmfestival Kitzbühel (21. bis 27. August): Als “sommerliches Gegenstück zum Weltcup-Rennen auf der berühmten Streif” hat sich das Filmfestival Kitzbühel etabliert. Eröffnet wird die fünfte Ausgabe mit “An Inconvenient Sequel”, der Fortsetzung von Al Gores Oscar-prämierter Doku “An Inconvenient Truth” im Kampf gegen den Klimawandel. In weiterer Folge wird u.a. im “Kino am Berg” zur Open-Air-Premiere von Nina Prolls Drehbuchdebüt “Anna Fucking Molnar” sowie zum Konzert “The greatest sounds of Hollywood” mit dem italienischen Startenor Cosimo Panozzo geladen. Für Nachwuchsfilmschaffende wird das “AlpenDating”, für aufstrebende Autoren eine dreiwöchige Drehbuchklausur angeboten. Die besten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme gehen ins Rennen um die Filmgams, den “Oscar der Kitzbüheler Alpen”.

Filmfest St. Anton (23. bis 26. August): Mit 23 Berg- und Outdoorfilmen auf der Leinwand und Extremsportlern auf der Bühne wartet zum 22. Mal das Filmfest St. Anton auf. Zur Eröffnung lassen sich ausschließlich Spitzensportlerinnen feiern, darunter die aktuelle Freeride-Weltmeisterin Lorraine Huber, Bergsteigerin Tamara Lunger und Boulderin Anna Stöhr, denen allesamt Filme gewidmet sind. Am dritten Festivaltag wird Reinhold Messners Regiedebüt “Still Alive” über einen spektakulären Rettungseinsatz in Afrika 1970 gezeigt; alle noch lebenden Teilnehmer der damaligen Rettungsmannschaft haben sich angekündigt.

Der neue Heimatfilm (23. bis 27. August): Zum 30. Mal steht die letzte Augustwoche in Freistadt (OÖ) ganz im Zeichen des Themas Heimat in all seinen Facetten, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Mehr als 40 Filme, darunter viele Österreichpremieren, sind im Rahmen der Jubiläumsausgabe zu sehen, wobei das Zurückkehren in die einstige Heimat mehrmals thematisiert und ein Schwerpunkt auf Südtirol gelegt wird. Eröffnet wird das Festival im Open-Air-Sommerkino mit dem bei der Berlinale uraufgeführten Spielfilmdebüt “Die beste aller Welten” des Salzburgers Adrian Goiginger. Ergänzt wird das Filmprogramm durch abendliche Konzerte bei freiem Eintritt im Kulturzentrum Salzhof.

Stumm & Laut Filmfest (24. bis 26. August): Seit 2011 findet das Festival Stumm & Laut am Columbusplatz in Wien-Favoriten statt. Fixiert ist das Programm durch die St. Balbach Art Produktion, die auch hinter dem Volxkino steht, zwar noch nicht. Aber auch bei der heurigen Ausgabe verspricht man wieder seltene Stummfilme, die mit eigens arrangierter, elektronischer Livemusik zum Leben erweckt werden sollen.

74. Filmfestspiele Venedig (30. August bis 9. September): Ganze 21 Filme werden ab Ende August am Lido von Venedig wieder um die begehrten Goldenen Löwen des ältestens Filmfestivals der Welt rittern. Variantenreich präsentiert sich dabei die Auswahl der Jury, reicht diese doch von der Flüchtlingsdoku “Human Flow” des weltbekannten chinesischen Künstlers Ai Weiwei über den Horrorfilm “Mother!” des Avantgarderegisseurs Darren Aronofsky mit Stars wie Jennifer Lawrence und Michelle Pfeiffer bis hin zu “Suburbicon” von George Clooney. Aus österreichischer Sicht ist immerhin Christoph Waltz als Darsteller mit im Starreigen vertreten, hat er doch einen der Hauptparts im Eröffnungsfilm, der Science-Fiction-Satire “Downsizing” von Alexander Payne. In der Sektion für unabhängiges Autorenkino stellt überdies die Iranerin Shirin Neshat ihren von der Wiener coop99 koproduzierten Film “Looking for Oum Kulthum” vor, während die Österreicherin Ruth Mader bei den “Giornate degli Autori” mit dem Sci-Fi-Film “Life Guidance” vertreten ist. Zudem werden bei der 74. Auflage der Filmfestspiele die beiden Hollywoodlegenden Jane Fonda und Robert Redford den Preis für ihr Lebenswerk entgegennehmen.

(S E R V I C E – https://www.belvedere.at/Kino_im_Kammergarten, http://pardolive.ch, http://alpinale.at/, www.azw.at, http://www.shortynale.at/, www.ffkb.at/, http://www.filmfest-stanton.at/, www.filmfestivalfreistadt.at/2017/, http://volxkino.at/stumm-laut/, http://www.labiennale.org/en/cinema/, www.azw.at)

(A V I S O – Die APA hat zuvor gesondert ausführliche Vorschauen auf Sommerkinos versendet. Diese sind unter APA0252 vom 26. Mai (Wien) sowie APA0052 und APA0053 vom 7. Juni (Bundesländer) abrufbar.)

Von: apa

Bezirk: Bozen

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