Auch Freunde des Naturfilms kommen auf ihre Kosten

Filmmonat November: Der Nachwuchs und der Berg

Sonntag, 29. Oktober 2017 | 13:20 Uhr

Auch wenn die Viennale am 2. November endet, steht das Rad des Filmzirkus nicht still. Vor allem zwei Themen dominieren dabei das Festivalschaffen: der Berg und der Nachwuchs. Im regulären Kinoprogramm kann man sich indes auf die Neuverfilmung des Agatha-Christie-Klassiker “Mord im Orient Express”, Barbara Albrechts Historienfilm “Licht” oder das neue DC-Abenteuer “Justice League” freuen.

FREERIDE FILMFESTIVAL TOUR (2. bis 21. November): Zum achten Mal tourt in den vorwinterlichen Novembertagen das Freeride Filmfestival mit ausgewählten Kurzfilmen und den dazugehörigen Sportprotagonisten durch Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Startschuss ist am 2. November im Innsbrucker Metropol Kino, bevor man nach Stopps im deutschsprachigen Ausland am 9. November im Wiener Gartenbaukino endet. Mit an Bord der sportiven Tour sind Szenestars wie Freerideweltmeisterin Lorraine Huber, ihre Vorgängerin Eva Walkner, Multitalent Rider/Director Johannes Hoffmann oder Splitboarder Mitch Tölderer. Auch heuer gibt es darüber hinaus nachgelagerte Specials in Salzburg, Dornbirn und Villach am 19., 20. und 21. November.

ART VISUALS & POETRY FILM FESTIVAL in Wien (4. bis 6. November): Die geballte Ladung Poesie kann sich der Filmfreund zwischen 4. und 6. November in Wien abholen. Mit sage und schreibe 82 Filmvorführungen lädt das Art Visuals & Poetry Festival ins Metro Kinokulturhaus. Zu sehen gibt es Kurzfilme aller Genres, die das Ziel eint, ihr Publikum zu überraschen. Dazu wurde auch heuer wieder ein Poetry Kurzfilmwettbewerb ausgeschrieben und ein Rilke-Liebesgedicht als Vorlage ausgerufen, das als Tonspur eingelesen zur Verfügung gestellt wurde. Deshalb sind beim Festival alleine 13 Rilke-Verfilmungen zu sehen sein. Hinzu kommt ein Rahmenprogramm, das heuer wesentlich erweitert wurde und etwa Performances nach den Filmvorführungen umfasst.

“COME AND SHOOT IN AUSTRIA” im Metro Kinokulturhaus (3. bis 26. November): Das österreichische Krimischaffen auf der Leinwand beleuchtet das Filmarchiv im November passend zu den einsetzenden Nebelschwaden in einer eigenen Retrospektive. Diese entführt in die Welt der unbestechlichen Polizisten, der biederen Kriminalräte und der charmanten Agenten. Zu sehen gibt es Klassiker wie Michael Kehlmanns “Kurzer Prozess” mit Helmut Qualtinger ebenso wie Wolfgang Murnbergers “Silentium” mit Josef Hader, der zum Publikumsgespräch kommt, oder Götz Spielmanns “Revanche”.

LUX-FILMTAG (7. November): Seit 2007 zeichnet das Europäische Parlament mit dem Lux-Preis Filme aus, die die Werte der europäischen Identität und die kulturelle Vielfalt Europas widerspiegeln respektive den Blick für den EU-Integrationsprozess öffnen. Die drei heurigen Finalisten sind im Rahmen von sogenannten Lux-Filmtagen wieder in ganz Europa zu sehen. In Österreich ist dies zum sechsten Mal bei freiem Eintritt im Metro Kinokulturhaus in Wien in Kooperation mit der Viennale möglich. Gezeigt werden der französische Anti-Aids-Beitrag “120 Battements par Minute”, der skandinavische Beitrag “Sameblood” und auch die heuer nominierte österreichische Koproduktion “Western” von Valeska Grisebach. Der Sieger wird dann von den Europaabgeordneten gewählt und im November im Europäischen Parlament in Straßburg bekanntgegeben.

TRANSITION INTERNATIONAL QUEER MINORITIES FILM FESTIVAL in Wien (9. bis 17. November): 2012 aus drei “queer-migrantischen Filmtagen” entstanden, geht das Transition-Filmfestival heuer bereits in Runde 6. Unter dem kämpferischen Titel “Claim Your Space” (Nimm Dir Deinen Raum) will man in Zeiten von politischen Krisen und einem grassierenden Rechtsruck die Sichtbarkeit der von Diskriminierung betroffenen Minderheiten der LGBTIQ-Community erhöhen. Dazu gibt es an neun Tagen im Wiener Schikaneder und Top Kino neben Filmen auch wieder Vorträge, Workshops und Partys.

ROBERT FRANK im Filmmuseum (10. bis 27. November): Die Film- und Videoarbeiten des Fotografen Robert Frank sind eher Kennern ein Begriff. Im Wiener Filmmuseum widmet man sich nun diesem Oeuvre und zeigt sowohl das Frank-Debüt “Pull My Daisy” (1959) wie seine drei abendfüllenden Werke “Me and My Brother” (1968), die Stones-Doku “Cocksucker Blues” (1972) und das Roadmovie “Candy Mountain” (1987). Zu sehen sind aber auch die weit weniger bekannten Essayfilme des Künstlers – die von der großen Ausstellung in der Albertina flankiert werden.

“OKTOBER 1917. Teil 2” im Metro Kinokulturhaus (10. bis 30. November): Im November gibt es im Metro Kinokulturhaus des Filmarchiv Austria auch Teil 2 des Oktober – konkret die Fortsetzung der Retrospektive zu 100 Jahren Oktoberrevolution in Russland. Gezeigt werden Arbeiten aus der Zwischenkriegszeit bis hin zur Ära von Glasnost und Perestroika, die allesamt einen cineastischen Einblick in die russische Seele ermöglichen sollen. Mit einem Special fokussiert man auf die Jugend und ihre Weltsicht in der Sowjetunion.

MITTELAMERIKANISCHES FILMFESTIVAL in Wien (11. bis 17. November): Zur neunten Ausgabe lädt heuer das mittelamerikanische Filmfestival in Wien. Im Metro Kinokulturhaus strömt zumindest von der Leinwand karibische Wärme, wenn es Produktionen aus Guatemala, El Salvador oder Costa Rica und Nicaragua zu sehen gibt. Heuriges Gastland ist Uruguay. Und die Publikumspreise vergibt man im Fania Live am Yppenplatz – inklusive lateinamerikanisch angehauchter Abschlussparty.

INTERNATIONALES KINDERFILMFESTIVAL in Wien (11. bis 19. November): Wiens internationales Kinderfilmfestival ist langsam schon richtig erwachsen. Bereits zum 29. Mal lädt man für eine gute Woche zu den schönsten Filmen für junges Publikum. Nach der Eröffnung im Gartenbaukino mit dem Musical “Der Fall Mäuserich” geht es in die Südtiroler Berge, nach Mexiko, China oder Afrika, wo sich Ausreißer und Schatzsucher, Eintagsfliegen und lebensgroße Puppen tummeln. Und natürlich darf das kleine oder das begleitende große Publikum auch wieder über den Publikumspreis abstimmen, wobei auch die Kinderjury zur Tat schreitet. Schauplätze sind das Wiener Cine Center, das Cinemagic und das Votivkino.

MOUNTAINFILM INTERNATIONAL FILMFESTIVAL in Graz (14. bis 18. November): An fünf Tagen zur Monatsmitte stehen beim heurigen Mountainfilm Festival in Graz wieder Grenzgänge und der Kampf des Menschen gegen und mit der Natur am Programm. Bei der 31. Ausgabe sind 136 Filme in vier Kategorien im Schubertkino und im Congress zu sehen. Das Spektrum erstreckt sich dabei vom Bienenfilm “Biene Majas wilde Schwestern” bis hin zu “Brette”, einem Porträt der nordamerikanischen Extrembergsteigerin Brette Harrington. Den besten Film erwartet wieder der mit 5.000 Euro dotierte “Grand Prix Graz”.

CLAUDIO CALDINI UND PABLO MARIN im Filmmuseum (15. und 16. November): Das Filmmuseum widmet den beiden argentinischen Filmemachern Claudio Caldini und Pablo Marin eine kleine Schau, welche die Arbeiten der beiden durch eine Generation getrennten Künstler vereint. So werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede im argentinischen Avantgardefilmschaffen deutlich, das nicht zuletzt durch eine radikale Reduktion der Mittel und formale Strenge gekennzeichnet ist. Caldini ist überdies für eine Performance vor Ort.

BERGFILMFESTIVAL in Salzburg (15. bis 26. November): Das Bergfilmfestival in Salzburg gehört im November neben den Kollegen vom Mountainfilm Festival in Graz oder den Freeride-Tourern schon traditionell zum alpinaffinen Filmnovember. Zum 24. Mal lädt das Salzburger Das Kino zum Abenteuer Berg – wenn man ein breites Verständnis von Berg zugrundelegt. So spannt sich der Bogen über die verschiedensten Landschaften, wobei man mit Vorträgen und Präsentationen auch wieder Stars der Kletterszene an der Salzach begrüßen kann. Zur Eröffnung sind etwa der tschechische Szenestar Adam Ondra und sein Fotograf Heinz Zak im Stadtkino Hallein angesagt. Und erstmals veranstaltet man auch einen Filmwettbewerb, dessen Sieger von 24. bis 26. November in der Boulderbar Salzburg gezeigt werden.

YOUKI JUGEND MEDIEN FESTIVAL Wels (21. bis 25. November): Nachwuchsstoff bietet auch heuer wieder in großer Auswahl das Jugend Medien Festival Youki im oberösterreichischen Wels. Der Herzstück ist auch 2017 wieder der Internationale Filmwettbewerb, bei dem rund 100 Kurzfilme junger Regisseure im Rennen sind, die das 25. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Die Filmemacher stehen auch für Fragen und Antworten zur Verfügung, wobei Workshops zur Vertiefung des Rüstzeugs und weitere Veranstaltungen das Rahmenprogramm ergänzen. Und selbstredend dürfen im Jahr 2017 die Konzerte und Partys nicht fehlen.

VISIONS OF VIENNA (23. bis 27. November): Alexandra Seibel stellt in ihrem neuen Buch “Visions of Vienna. Narrating the City in 1920s and 1930s Cinema” ein imaginäres Wien vor, wie es Filmemacher wie Stroheim, Lubitsch oder Ophüls erdachten und das Wien-Kitsch mit Themen der Migration und Klassenkonflikte verwob. Neben der Buchpräsentation durch die “Kurier”-Filmredakteurin gibt es auch eine passende Filmreihe mit den seltensten, komischsten, tragischsten und schönsten Wien-Filmen.

WERKSCHAU FILMAKADEMIE Wien (29. und 30. November): Das Schaffen der künftigen filmischen Elite rückt heuer bereits zum dritten Mal die Filmakademie Wien an zwei Tagen in den Mittelpunkt. Gezeigt werden das aktuelle Schaffen der Studenten, die auch als Gesprächspartner für ein interessiertes Publikum zur Verfügung stehen. Am Eröffnungsabend am 29. November im Gartenbaukino gibt es den bereits preisgekrönten Kurzspielfilm “Mathias” von Clara Stern sowie Julia Zborowskas “Zalesie” und eine Preview auf Bernhard Wengers “Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin” zu sehen. Tags darauf steht dann das Filmcasino im Zentrum des studentischen Schaffens, wobei auch Klassiker aus den Filmakademie-Tagen der 1970er und 1980er gezeigt werden.

(S E R V I C E – www.filmmuseum.at, www.luxprize.eu, www.freeride-filmfestival.com, www.poetryfilm-vienna.com ; www.filmakademie.wien/de/, www.youki.at, www.mountainfilm.com, www.daskino.at, www.kinderfilmfestival.at, www.filmarchiv.at)

Von: apa