Das Leopold Museum eröffnet die zweite Fotoausstellung diesen Sommer

Fotograf der Ikonen: Leopold Museum würdigt Moriz Nähr

Donnerstag, 23. August 2018 | 18:12 Uhr

Moriz Nährs Arbeiten sind dem gelernten Österreicher ein Begriff. Aus seiner Kamera stammen Ikonen der Wien-um-1900-Fotografie wie Gustav Klimt mit Katze oder die berühmtesten Gustav-Mahler- und Ludwig-Wittgenstein-Porträts. Der Name des Fotografen selbst ist hingegen nur wenigen ein Begriff. Die neue Schau “Fotograf der Wiener Moderne” im Leopold Museum will die Frage “Wer ist Nähr?” beantworten.

Damit eröffnet das Haus im Museumsquartier einen Monat nach “Machen Sie mich schön, Madame d’Ora” seine zweite Fotoausstellung des Sommers. Mit 84 Fotografien aus 30 Schaffensjahren bietet man auf derselben Ebene eine spannende Ergänzung zur umfassenden Würdigung der jüngeren Zeitgenossin. Im Gegensatz zur ökonomisch rührigen Madame d’Ora musste der aus großbürgerlichem Hause stammende und von der wohlhabenden Familie Wittgenstein unterstützte Nähr zeitlebens nie Werke verkaufen, sondern blieb aus diesem Aspekt unabhängiger Künstler.

“Er ist ein Künstlersolitär, ein Autodidakt”, unterstrich Kurator Uwe Schögl bei der Präsentation der Schau am Donnerstag. Dessen Weg zeichnet die aus Leihgaben der ÖNB, der Klimt-Foundation oder der Albertina bestückte Schau nach. Nebst der bekannteren Schiene seines Oeuvres, der Porträtfotografie, stehen auch Nährs fotografische Selbstinszenierungen und seine Arbeit als Chronist des “Alt-Wien” im Fokus, der jene Ecken der kaiserlichen Metropole ablichtete, die im Zuge der Gründerzeit sukzessive verschwanden. Auch heute skurriler anmutende Auftragsarbeiten wie Aufnahmen von Kaiser Franz Joseph oder Thronfolger Franz Ferdinand mit erlegtem Wild finden sich in der Leopold-Ausstellung.

Den Durchbruch erlebte der am 4. August 1859 in Wien geborene und dort am 7. Mai 1945 verstorbene Nähr jedoch mit der Avancierung zum offiziellen Reproduktionsfotograf der neu gegründeten Secession 1898 und der Veröffentlichung in deren Zeitschrift “Ver Sacrum”. In dieser Zeit gewann auch die enge Freundschaft mit Gustav Klimt an Bedeutung, beeinflusste er den Jugendstilmaler doch nicht zuletzt in dessen Motivwahl und Lichtsetzung, was in der Ausstellung mit der Gegenüberstellung von Fotografie und Klimt-Faksimile illustriert wird.

Vor allem aber finden sich die heute legendären Künstlerporträts der Hauptproponenten des Jahrhundertwende-Wiens in der Zusammenstellung. “Viele der Aufnahmen sind Ikonen der Fotografie um 1900”, so Leopold-Direktor Hans-Peter Wipplinger. Und diese sind nun zu einem Who-is-Who im Leopold-Untergeschoß versammelt.

Von: apa

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