Für Forschungen zur Erinnerungskultur von Gesellschaften ausgezeichnet

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Ehepaar Assmann

Sonntag, 14. Oktober 2018 | 12:51 Uhr

Das Ehepaar Aleida und Jan Assmann hat am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegengenommen. Die beiden 71 und 80 Jahre alten Wissenschafter werden für ihre Forschungen zur Erinnerungskultur von Gesellschaften ausgezeichnet – vom alten Ägypten bis zur Gegenwart.

Die Kulturwissenschaftler hätten ein Werk geschaffen, “das für die zeitgenössischen Debatten und im Besonderen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt von großer Bedeutung ist”, begründete der Stiftungsrat den Preis.

In ihrer Dankesrede forderten die Ausgezeichneten von Europa eine globale Solidarität im Umgang mit ökonomischen und natürlichen Ressourcen – “damit es eine Zukunft nachfolgender Generationen überhaupt noch geben kann”. Europa müsse sich auch mit den Menschen solidarisieren, die durch Kriege, Not und Gewalt zur Flucht gezwungen seien.

“Es kann nicht angehen, dass es eine neoliberale Freiheit für die Bewegung von Kapital, Gütern und Rohstoffen gibt, während Migranten an Grenzen festhängen und wir die Menschen, ihr Leid und ihre Zukunft vergessen”, verlangten die Forscher weiter. Die zentrale Frage sei nicht, “ob wir die Integration schaffen oder nicht, sondern wie wir sie schaffen”. Das 71 und 80 Jahre alte Ehepaar wies darauf hin, dass Kulturen schon immer durchlässig gewesen seien.

Die Laudatio hielt der Literaturwissenschaftler Hans-Ulrich Gumbrecht, ein persönlicher Freund der Assmanns. Bei dem Ehepaar sei die Leidenschaft füreinander nicht zu routinierter Partnerschaft oder Arbeitsteilung verkommen, hob er hervor. “Sie lieben sich, weil sie – auch in ihren intellektuellen Stärken und Gesten – so sehr verschieden sind, und dieses Ganz-Anders-Sein ist für sie auch im Alter ein Feuer geblieben, das dem Denken zweifache Energie gibt.”

Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert und wird seit 1950 traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse vergeben. Die Assmanns sind das zweite Ehepaar, das den renommierten Kulturpreis erhält. 1970 bekamen die beiden schwedischen Friedensforscher Alva und Gunnar Myrdal die Auszeichnung.

Von: APA/dpa

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