Wie können Museen einen Beitrag leisten?

Gesamttiroler Museumstag 2015: Friedensarbeit im Fokus

Montag, 28. September 2015 | 16:11 Uhr

Dorf Tirol – Viele Teilnehmende, hochqualifizierte Referenten und interessante Impulse brachte der "Gesamttiroler Museumstag 2015". Die Fachtagung für Museums- und Kulturleute Tirols, Südtirols und des Trentino sowie des Euregio-Büros fand heute auf Schloss Tirol statt und befasste sich mit der Frage, wie Museen einen Beitrag zur Friedensarbeit in der Gesellschaft leisten.

Rund 170 Mitarbeitende von Museen, Sammlungen, Ausstellungsorten und anderen Kultureinrichtungen kamen der Einladung zum "Gesamttiroler Museumstag 2015" nach. Die Fachtagung wird jedes Jahr abwechselnd von einem der Länder Tirol, Südtirol und Trentino in Zusammenarbeit mit dem Euregio-Büro zur Vertiefung eines Themas und zum Zwecke der Netzwerkarbeit organisiert. Die heutige Veranstaltung fand auf Schloss Tirol (vormittags) und im Meraner Raum (nachmittags) statt. Neben zahlreichen Südtiroler Museumsleuten waren auch die Tiroler und Trentiner mit jeweils rund 50 Fachleuten vertreten.

Bei der heurigen sechsten Ausgabe dieser disziplinübergreifenden Veranstaltung ging es in erster Linie um die Frage, wie Museen durch ihre Ausstellungs-, Vermittlungs- und Forschungsarbeit einen Beitrag zur Friedensarbeit in der Gesellschaft leisten können. Dieses Thema wird derzeit auch in vielen öffentlichen und privaten Museen vertieft, wo Ausstellungen und Initiativen zum Ersten Weltkrieg mit ganz unterschiedlichen Ansätzen angeboten werden. Angegangen wurde es bei den Beiträgen heute Vormittag auf Schloss Tirol aus der Perspektive der Konfliktforschung, der Geschichtswissenschaft und der Museologie.

Der heurige Gesamttiroler Museumstag wurde heute auf Schloss Tirol, einem historisch bedeutenden Erinnerungsort für Tirol, durch Landesrat Florian Mussner (ladinische Kultur und Museen), Giuseppe Ferrandi, dem Direktor der Stiftung "Museo storico del Trentino" und Benedikt Erhart, dem Leiter der Tiroler Kulturabteilung, eröffnet. Landesrat Mussner hob dabei die Bedeutung der länderübergreifenden Vernetzung hervor: "Es ist wichtig, Brücken zu schlagen und sich kollegial über Grenzen hinweg auszutauschen, die es im Grunde gar nicht mehr gibt", so Mussner. Zudem lobte er die Museen für ihre identitätsstiftende Arbeit, die Bewusstseinsbildung und die wertvollen Anregungen, um Krisen zu überwinden.

Friedrich Glasl, der österreichische Konfliktforscher und Mediator, weltweit für sein Konflikteskalationsmodell bekannt, erläuterte als Hauptreferent die "Konfliktdynamik von Teufelskreisen". Dabei erklärte er, wie Konfliktsituationen sich zuspitzen, aber auch wieder schrittweise entschärft werden können, wie wichtig zivilgesellschaftliche Initiativen sind und dass häufig auch die Begleitung von professioneller Unterstützung von Mediatoren notwendig sei. "Bereits bei jungen Menschen soll daher die Entwicklung der Konfliktfähigkeit gefördert werden, denn nur so können sie gleichzeitig auch in ihrer Problemlösungsfähigkeit gestärkt werden", betonte er.

Tagungsreferentin Gunda Barth-Scalmani, Professorin an der Universität Innsbruck, berichtete über die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen und Museen und ging besonders auf die Sonderausstellung im Südtiroler Volkskundemuseum in Dietenheim "Höfe ohne Männer" ein. "Zu lange war die Frauen- und Geschlechtergeschichte in der Forschungsgeschichte zur Landwirtschaft ein blinder Fleck. Die Untersuchungen, die im Zuge der Vorbereitungen für die Ausstellung in Dietenheim angestellt worden waren, brachten aber sehr interessante Ergebnisse hervor", unterstrich sie.

Weiters referierte Oswald Überegger, seit 2013 Direktor des Kompetenzzentrums für Regionalgeschichte der Universität Bozen, zum Thema "Krieg als soziale Grenz- und Gewalterfahrungen" sowie die Historiker Pietro Fogale und Hannes Obermair, die jeweils das Projekt der Stolpersteine in Meran und Bozen vorstellten.

Am Nachmittag wurden zur Vertiefung des Themas Workshops, Ausstellungsbesichtigungen und Führungen auf Schloss Tirol, im Frauenmuseum, im Touriseum, im Palais Mamming, sowie ein Stadtrundgang in Meran zu den "Stolpersteinen" angeboten.

WAS BISHER BERICHTET WURDE

Sei es die Ausstellung „Tourismus und Krieg“ im Touriseum Meran oder „Front – Heimat“ im Innsbrucker Ferdinandeum – derzeit beleuchten zahlreiche öffentliche und private Museen in Tirol, Südtirol und dem Trentino den Ersten Weltkrieg aus verschiedensten Blickwinkeln. Vor diesem Hintergrund geht der diesjährige Gesamttiroler Museumstag der Frage nach, wie Museen einen Beitrag zur Friedensarbeit leisten können. Die sechste grenzüberschreitende Fachtagung findet heute, Montag, auf Schloss Tirol in Südtirol statt.

„Die Vermittlung und kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte ist eine zentrale und verantwortungsvolle Aufgabe von Museen“, betont Kulturlandesrätin Beate Palfrader. „Mit ihrer Ausstellungs-, Vermittlungs- und Forschungsarbeit können Museen Vergessenes ins Gedächtnis rufen, Verbindendes zu Tage fördern und Trennendes zusammenbringen. Das gewinnt in Anbetracht der weltweiten Konflikte sowie den aktuellen Entwicklungen rund um Europa zunehmend an Bedeutung.“

Über 170 Fachleute aus der Europaregion beschäftigen sich mit dem Thema aus der Perspektive der Konfliktforschung, der Geschichtswissenschaft, der Museologie und der Praxis. Beiträge, Workshops und Ausstellungsbesichtigungen liefern dazu den nötigen Input. Entsprechend dem diesjährigen Themenschwerpunkt „Young & Museum“ der Südtiroler Museen diskutieren die Teilnehmenden auch, wie junge Menschen verstärkt in die Ausstellungsplanung und -gestaltung miteinbezogen und als wichtige Zielgruppe für Friedensarbeit erreicht werden können.

Die Fachtagung findet abwechselnd in Tirol, Südtirol und dem Trentino statt.

Von: ©lpa/land tirol

Bezirk: Bozen