Als Fotograf ist Man Ray eine Ikone

Gesamtwerk einer Ikone: Man Ray im Kunstforum Wien

Montag, 12. Februar 2018 | 15:55 Uhr

Als Fotograf ist Man Ray (1890-1976) eine Ikone. Das Kunstforum Wien ermöglicht ab Mittwoch nun einen Blick auf das Gesamtwerk des gebürtigen Amerikaners, das neben seinen legendären Fotografien auch Malerei, Skulpturen sowie kurze Filme umfasst. 200 Werke von internationalen Leihgebern hat die Kuratorin Lisa Ortner-Kreil zusammengetragen und wirft somit ein eindrucksvolles Licht auf den Künstler.

In der Mittelhalle unternimmt der Besucher nach dem Eintreten in die Schau im Schnelldurchlauf zunächst einen Streifzug durch einige der bekanntesten Fotos und trifft auf Bilder wie “Le Violon d’Ingres” aus dem Jahr 1924, auf dem der damals in Paris lebende Künstler die nackte Rückansicht von Kiki de Montparnasse nachträglich mit zwei Schalllöchern verzierte.

Im ersten Raum dann ein Fokus auf den Zeichner und Maler Man Ray, der im bürgerlichen Namen Emmanuel Radnitzky hieß. Zu sehen sind nicht nur stark von Fauvismus und Kubismus beeinflusste Werke aus dem Jahr 1914, sondern auch wesentlich früher datierte technische Zeichnungen. Im selben Raum findet sich auch das 1916 entstandene Werk “The Rope Dancer” sowie eine dazugehörige Studie. Werke, die bereits zeigen, dass Man Ray Zeit seines Lebens – zumindest im malerischen Feld – zu keinem prägenden eigenen Stil finden wird, wie die Kuratorin beim APA-Rundgang erzählte. Seine Vielfältigkeit sei Man Ray stets als Makel ausgelegt worden.

Dieser Wandlungsfähigkeit ist jedoch auch der Umstand geschuldet, dass Man Ray, der in seiner Zeit in Paris mit Surrealisten wie Louis Aragon oder Andre Breton zusammentraf, sich auch über Genregrenzen hinwegsetzte und zusätzlich zur Fotografie und Malerei auch an Skulpturen arbeitet. Zu einem seiner bekanntesten Objekte zählt hier etwa das mit Reißnägeln versehene Bügeleisen (“Cadeau”, 1921) oder seine verpackte Nähmaschine aus dem Jahr 1920 – eines der ersten Werke seiner Art überhaupt, das im Anschluss zahlreiche Künstler bis hin zu Christo beeinflusste. Unmittelbar daneben hat Kuratorin Ortner-Kreil ein schlichtes Gemälde aus dem Jahr 1952 platziert, in dem Man Ray das Objekt zitiert.

Überhaupt finden sich im Laufe der langen Karriere des Künstlers, der 1940 aufgrund des Einmarschs der Nazis wieder in die USA zurückkehrte, immer wieder Eigenzitate, die einmal mehr, einmal weniger deutlich hervortreten. Großen Raum nehmen auch jene Fotografien ein, die berühmte Zeitgenossen wie etwa Coco Chanel, Picasso oder Arnold Schönberg zeigen. Mit Marcel Duchamp verband ihn eine lebenslange Freundschaft, aus der zahlreiche Kollaborationen entstanden, in denen die beiden laut Ortner-Kreil Ansätze der Konzeptkunst und Body Art vorweg nahmen.

Untrennbar mit dem Künstler verbunden sind auch seine “Rayographien”, die Fotografie ohne Kamera. Auch Man Rays zahlreiche Musen und Geliebte finden sich auf seinen Schwarz-Weiß-Fotos und später auf jenen Fotografien, für die er mit der Technik der Solarisation experimentierte. Flankiert wird die Schau auch von Man Rays Ausflügen in die Modefotografie, Buchgestaltungen und vier Kurzfilmen, die in einem eigenen kleinen Kino gezeigt werden.

Von: apa