Glettler muss "Tirol lernen"

Glettler muss “Tirol lernen” und wirbt für Pluralität

Mittwoch, 27. September 2017 | 16:10 Uhr

Papst Franziskus hat den Bischofsvikar der Diözese Graz-Seckau, Hermann Glettler, offiziell zum neuen Innsbrucker Diözesanbischof ernannt. Seit dem Wechsel von Manfred Scheuer nach Linz im Jänner 2016 war der Bischofsstuhl in Innsbruck vakant. Bei seiner offiziellen Vorstellung in Innsbruck warb Glettler für “Pluralität in unserer katholischen Kirche” und bekannte: “Ich muss Tirol lernen”.

Sein Wunsch sei, dass die Kirche “bewusster die geschenkte Vielfalt wahrnimmt und zu schätzen weiß”, so der neue Innsbrucker Oberhirte. “Ich will nicht einer Ortskirche vorstehen, die nur um sich selbst besorgt ist und um innerkirchliche Themen kreist”, erklärte der Steirer. Darum wolle er auch jene grüßen, die “die Kirche verlassen haben und vielleicht nicht verstehen, warum um einen Bischof ein solches Aufsehen gemacht wird”, plädierte der 52-Jährige für Offenheit.

In der Kirche müsse ein “Fingergefühl und eine Courage” für jene zu finden sein, die “an den Rand gedrängt werden”. Man habe den Auftrag, sich um die Notleidenden unserer Zeit zu kümmern und “Not zu lindern”. Glettler plädierte auch für den Dialog und die Gemeinschaft mit allen nicht christlichen Religionen. Er wolle deshalb in besonderer Weise auch die Israelitische Kultusgemeinde und die Muslime grüßen, sagte er.

Auf die Frage, weshalb er glaube, vom Papst zum Bischof von Innsbruck ernannt worden zu sein, meinte er augenzwinkernd: “Vielleicht bin ich ihm unkonventionell genug, patschert genug und aufgeweckt genug.”

Das Amt des Bischofs sah er durch die fast zwei Jahre dauernde Sedisvakanz “nicht beschädigt”. Eine “gewisse Frustration” sei aber da, meinte der bisherige Bischofsvikar der Diözese Graz-Seckau. “Es braucht eine Trauerzeit. Man muss nachbesprechen, warum das eigenartig verzögert wurde”, zeigte Glettler Verständnis für so manche massive Irritation.

“Die Freude über das Bischofsamt braucht noch etwas. Aber der erste Schrecken ist überwunden”, so der designierte Bischof. Er komme nach Tirol als Lernender und mit einem “gewissen Migrationshintergrund”, meinte der Steirer lächelnd. Er müsse die “Bräuche, die Kultur und vor allem die Geschichten und das Leben der Menschen hier lernen”, sagte er und streute zwischenzeitlich auch einige Tiroler Dialekt-Wörter ein. Überhaupt zeigte er sich bei seiner Vorstellung sehr locker: Am Ende der Pressekonferenz schickte er die Journalisten noch mit einem Witz zurück in die Redaktionsstuben.

Vor der Pressekonferenz hatte ein Gebet im Dom zu St. Jakob stattgefunden. Dabei machte Glettler seinem Ruf als unkonventioneller Bischof alle Ehre. Der neue Bischof kniete sich nieder und bat laut ORF Tirol die Gläubigen – in Umkehrung eines kirchlichen Rituals – ihn so nahe wie möglich zu umgeben und ihm gerne auch die Hand aufzulegen.

Für Kardinal Christoph Schönborn ist Glettler ein “begnadeter Seelsorger mit großem Spürsinn für die sozialen und existenziellen Seiten des Lebens”, wie er im Interview mit Kathpress am Mittwoch meinte. Als Pfarrer von St. Andrä in Graz/Gries habe er ein “unglaubliches Talent gezeigt, die schwierige soziale Situation kreativ anzugehen und eine unglaublich lebendige Pfarre mitaufzubauen”, sagte der Wiener Erzbischof. Glettler sei ein “großer Zugewinn für die Bischofskonferenz”, auch durch sein künstlerisches Talent und seine vielen Berührungspunkte mit Künstlern, erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz.

Die Bischofsweihe wird übrigens am 2. Dezember um 12.00 Uhr im Innsbrucker Dom mit Erzbischof Franz Lackner stattfinden. Die Bischöfe Wilhelm Krautwaschl und Manfred Scheuer werden konsekrieren.

Von: apa

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