Für sein Projekt hat sich Eliasson vom Nachtleben inspirieren lassen

Götter im Techno-Club: Olafur Eliasson inszeniert Oper

Freitag, 23. November 2018 | 09:08 Uhr

In New York baut er Wasserfälle, in London lässt er eine riesige Sonne scheinen – jetzt gestaltet der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson wieder eine Oper und erfüllt sich einen Wunsch. Für das Projekt in Berlin hat er sich vom Nachtleben der Stadt inspirieren lassen. “Hippolyte et Aricie” feiert am Sonntag Premiere an der Staatsoper Unter den Linden.

Dabei dirigiert Sir Simon Rattle das Freiburger Barockorchester. “Ich habe mir überlegt: Wo habe ich etwas Barockes erlebt”, sagte Eliasson zu seinen Vorbereitungen. Als er in den 90er Jahren von Kopenhagen nach Berlin zog, sei er oft in Berliner Techno-Clubs gewesen, sagte Eliasson. Nebel, Licht, Bässe und viel Haut – im Dunst der Clubs habe er erlebt, wie sich heute ausschweifender Barock anfühlen könnte. “Das war für mich ein interessanter Raum, in dem sich auch eine Form von Gesellschaftskritik äußerte”, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Berühmt wurde der 1967 geborene Künstler mit Lichtskulpturen und Installationen. In Island geboren und aufgewachsen zählt er inzwischen zu den am höchsten gehandelten Künstlern weltweit. Mit seinen Arbeiten fordert er die Sehgewohnheiten des Publikums heraus.

Ob seine Wasserfälle in New York, grün gefärbte Flüsse in Europa oder das inzwischen legendäre Wetter-Projekt in der Londoner Tate Modern – Farbe und Beleuchtung gehören zu seinen Ausdrucksmitteln. Mittlerweile entwirft er auch Häuser und Systeme für Sonnenenergie. In Berlin unterhält er sein Studio mit mehr als 100 Mitarbeitern.

Jetzt kehrt Elíasson als Bühnen- und Kostümgestalter an die Staatsoper zurück, wo er 2007 bereits Heinz Werner Henzes “Phaedra” in Licht getaucht hatte. Die frisch renovierte Staatsoper sei ein idealer Ort für ein Werk wie “Hippolyte et Aricie”, sagte Intendant Matthias Schulz. Das 1742 eröffnete Haus entstand in der Zeit des Barock und eignet auch nach der Renovierung und der Verbesserung der Akustik deswegen sehr gut für Werke des 17. und 18. Jahrhunderts.

Die Neuproduktion ist Teil der “Barocktage” der Staatsoper, die Schulz jetzt zum ersten Mal ins Programm nimmt. Bis Anfang Dezember treten dabei hochkarätige Ensembles aus ganz Europa auf. In dieser Zeit ist die Staatskapelle mit Daniel Barenboim auf Tournee – gerade in Australien.

“Dieses Projekt ist schon etwas anderes als eine Ausstellung”, sagte Elíasson. “In einer Ausstellung muss der Besucher Räume durchschreiten, in der Oper ziehen die Räume an ihm vorbei.” Erfahrung im Umgang mit barocker Kunst habe er in seinen Ausstellungen “Baroque Baroque” im Wiener Belvedere (2015) und in Versailles bei Paris (2016) gesammelt.

Mit Rattle und der britischen Choreografin Aletta Collins habe man sich auf eine gemeinsame Idee für die Oper über griechische Mythen und Götter geeinigt. “Wir versuchen, die klaren Trennung zwischen Raum, Tanz und Kostüm aufzulösen.” Er habe dafür “totale Freiheit” genossen. Jetzt erwarte er, dass sich auch das Publikum mit dem Bühnengeschehen auseinandersetzt.

Der Künstler vergleicht eine Opernaufführung mit einem Parlament; der Zuschauer müsse auch eine Verständnisleistung aufbringen, “wie in einer Verhandlung”. Elíasson, der in jungen Jahren einer erfolgreichen Breakdance-Gruppe in Dänemark angehörte, konnte sich bei den Proben jetzt auch einen Wunsch erfüllen. “Über die Bühne zu gehen – das ist auch wie tanzen.”

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz