Regisseur Yeo Siew Hua mit dem Goldenen Leoparden

Goldener Leopard in Locarno an Spielfilm “A Land Imagined”

Samstag, 11. August 2018 | 16:12 Uhr

Der Spielfilm “A Land Imagined” von Yeo Siew Hua aus Singapur hat den Hauptpreis des 71. Filmfestivals von Locarno, den Goldenen Leoparden, gewonnen. Der vielschichtige Krimi spielt in der ausbeuterischen Welt der Gastarbeiter auf den Großbaustellen des Inselstaates. Das Dokumentaressay “Chaos” der in Wien lebenden Regisseurin Sara Fattahi siegte in der Sparte der zeitgenössischen Filmemacher.

“A Land Imagined” geißelt in einer Mischung aus Thriller, Lovestory und Baustellenreport moderne Formen der Ausbeutung. Finanziert wurde der Film von Produzenten aus Singapur, Frankreich und den Niederlanden.

Den Hauptpreis in der Sektion Cineasti del presente, der Erst- und Zweitwerken vorbehalten ist, erhielt Fattahi, die seit zweieinhalb Jahren in Wien lebt, mit ihrem von der Wiener Little Magnet Films produzierten Dokumentararbeit über drei syrische Frauen, die an verschiedenen Orten leben. Der Hauptpreis in der Nebensektion ist mit 40.000 Franken (35.115 Euro) dotiert, die zu gleichen Teilen an die Regisseurin und den Produzenten gehen.

“Chaos” ist der zweite Teil einer geplanten Trilogie von Fattahi. Sie rückt damit nach ihrem Debüt “Coma” (2015) erneut das Schicksal syrischer Frauen angesichts des Bürgerkriegs in ihrem Heimatland in den Fokus. Hatte die aus Damaskus stammende Regisseurin mit “Coma” weibliche Mitglieder ihrer eigenen Familie porträtiert, stellt sie in “Chaos” nun drei Frauen – darunter ihr Alter Ego – und deren Umgang mit Verlust und innerem Exil in den Mittelpunkt. Den Abschluss der Reihe soll dann der erste Spielfilm der seit zweieinhalb Jahren in Wien lebenden Fattahi sein.

Den Preis für die beste Nachwuchsregie erhielt Tarik Aktas (Türkei) für “Dead Horse Nebula”, während die 35-jährige Schweizerin Nicole Vögele einen Spezialpreis für ihren Dokumentarfilm “Closing Time” über einen Nachtimbiss in Taipeh zugesprochen bekam.

Die Internationale Jury unter der Leitung des chinesischen Filmemachers Jia Zhang-ke, zu der auch die italienisch-österreichische Regisseurin Tizza Covi zählte, gab ihre Entscheidungen am Samstagnachmittag bekannt. Überreicht werden die Leoparden für den besten Film, die beste Regie, die besten Schauspielerinnen und Schauspieler und weitere Auszeichnungen dann traditionell am Abend auf der Piazza Grande des Schweizer Ortes.

Mit einem Spezialpreis zeichnete die Jury den Dokumentarfilm “M” der Französin Yolande Zauberman aus. Die jüdische Filmemacherin thematisiert sexuellen Missbrauch innerhalb der ultraorthodoxen Gemeinschaft in der israelischen Stadt Bnei Brak.

Der Leopard für die beste Regie ging an die Chilenin Dominga Sotomayor für “Tarde para morir joven”. Der Spielfilm handelt vom Erwachsenenwerden in einer Aussteigerkolonie im Sommer 1990 – kurz nach dem Ende der Diktatur in Chile.

Als beste Darstellerin wiederum zeichnete die Jury Andra Guți für die Hauptrolle in”Alice T.” aus. Guți inkarniert im rumänischen Teenagerdrama von Radu Muntean eine rebellische 17-Jährige, die mit einer Schwangerschaft ihre Adoptivmutter herausfordert. Der Leopard für die beste männliche Rolle ging an KI Joobong als lebensmüder Dichter im südkoreanischen “Gangbyun Hotel”. Regie in der melancholisch humorvollen Schwarz-weiß-Miniatur führte Locarno-Rückkehrer Hong Sangsoo, der 2015 für “Right Now, Wrong Then” den Goldenen Leoparden erhalten hatte.

Den Publikumspreis für die auf der Piazza Grande gezeigten Filme bekam dieses Jahr “BLACKkKLANSMAN” von Spike Lee. Der Streifen über einen schwarzen Polizeidetektiv, der den Ku-Klux-Klan infiltriert, ist bereits ab 24. August in den österreichischen Kinos zu sehen.

Von: APA/dpa

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