SHB-Obmann würdigt seine Verdienste für Tirol

Gottesdienst für Peter Kienesberger

Sonntag, 27. September 2015 | 15:52 Uhr

Bozen – Peter Kienesberger ist am 14. Juli 2015 im Alter von 72 Jahren verstorben. Seine Beerdigung hat am 25. Juli im Kreise seiner Familie im Nürnberger Westfriedhof stattgefunden. Auf vielfachen Wunsch hin hat der Südtiroler Schützenbund am vergangenen Samstag einen Gedenkgottesdienst für den Freiheitskämpfer in der Herz Jesu Kirche in Bozen organisiert. Bei der anschließenden Zusammenkunft von Familienmitgliedern, Freunden, Schützen und Weggefährten des Verstorbenen würdigte der Obmann des Südtiroler Heimatbundes, Roland Lang, in einer kurzen Ansprache die Verdienste und Opfer des verstorbenen politischen Häftlings.

Peter Kienesberger wuchs in Gmunden in Oberösterreich in einer Familie auf, die von der Liebe zur Heimat geprägt war. Sein Onkel, der Gmundner Bergführer „Nesi“ nahm ihn auf Bergfahrten in Südtirol mit. Auch seine Kameraden des Gmundner Alpenvereins und des Turnvereins waren heimattreu gesinnt. „Nach schönen Bergfahrten erklang in der Hütte das Südtiroler Heimatlied ‚Wohl ist die Welt so groß und weit…‘. Der aufrüttelnde Protest der Herz Jesu Nacht im Juni 1961 und die anschließenden entsetzlichen Folterungen der Südtiroler Häftlinge haben dann das Leben des achtzehnjährigen Radioelektronikers Peter Kienesberger entscheidend verändert. Er kündigte seinen Arbeitsplatz, fuhr nach Innsbruck und schloss sich dem Südtiroler Widerstand an. Am 22. August 1961 stand der junge Bursche bereits zusammen mit Georg Klotz und einigen anderen Mitverschworenen bei St. Martin im Passeier im Einsatz. Bei einem Feuergefecht mit Carabinieri schossen er und seine Kameraden auf Weisung von Georg Klotz bewusst über die Köpfe der Carabinieri hinweg“, betonte Lang.

Bald folgen weitere Einsätze gemeinsam mit Luis Amplatz und Günther Andergassen, Sprengstofftransporte über Gletscher und Jöcher, Kommandounternehmen im Passeier und im Sarntal. Kienesberger begleitete Georg Klotz und Luis Amplatz bei verschiedenen Jagdeinsätzen

„Peter Kienesberger zahlte einen hohen Preis. Er musste insgesamt sechs Jahre und acht Monate seines jungen Lebens in österreichischer Untersuchungs- und deutscher Auslieferungshaft zubringen. Er stand in Österreich in mehreren Südtirol-Prozessen vor Gericht und wurde jedes Mal freigesprochen, da die Geschworenen eine Notstandssituation in Südtirol annahmen, die gewaltsamen Widerstand rechtfertigte. Hingegen wurde er wegen gleicher Vorwürfe in den beiden Mailänder Prozessen in Abwesenheit zu insgesamt 47 Jahren verurteilt“, so Lang.

„Zeit seines Lebens hatte es Peter Kienesberger bedrückt und empört, dass die Italiener ihm und seinen damals Mitangeklagten Univ.-Prof. Dr. Erhard Hartung und Egon Kufner den Tod von vier italienischen Soldaten angelastet hatten, die angeblich auf der Porzescharte durch ein von ihm geplantes Attentat zu Tode gekommen seien. Kienesberger wurde mit seinen Kameraden nun wiederum in Österreich vor Gericht gestellt und in zweiter Instanz freigesprochen. Peter aber hatte allein wegen des Falles Porzescharte 3 Jahre und 7 Monate unschuldig in Untersuchungshaft verbracht. In Italien wurde Peter Kienesberger jedoch in einem menschenrechtswidrigen Abwesenheitsverfahren, welches nach der alten und immer noch gültigen faschistischen Strafprozessordnung durchgeführt wurde, zu lebenslanger Haft verurteilt. Zu Lebzeiten hatte Kienesberger noch erleben dürfen, dass der österreichische Militärhistoriker Oberst Mag. Dr. Hubert Speckner anhand bislang geheimer österreichischer Akten und anhand eigener Untersuchungen schlüssig bewiesen hat, dass der sogenannte ‚Tatort‘ auf der Porzescharte offenbar manipuliert worden war und dass Kienesberger und seine damals Mitangeklagten Univ.-Prof. Dr. Erhard Hartung und Egon Kufner an dem Geschehen auf der Porzescharte nicht beteiligt gewesen sein konnten. Damit wurde die Berechtigung des damaligen Freispruchs unterstrichen“, so Lang.

„Im deutschen Exil hatte Peter Kienesberger seine liebe Frau Elke, eine Nürnbergerin, geheiratet und mit ihr in Nürnberg den Verlag und Buchhandel ‚Buchdienst Südtirol‘ gegründet. Auch ihre Tochter Gudrun fühlt sich zutiefst mit Südtirol verbunden. Dieses kleine Familienunternehmen verlegte auf Südtirol bezogene Heimatliteratur und wertvolle historische Dokumentationen, einen Südtirol-Jahreskalender sowie periodische Publikationen. Damit wurde aber weit über die Grenzen Südtirols hinaus ein großer Personenkreis im gesamten deutschen Sprachraum erreicht und das Verständnis für die Südtiroler Anliegen geweckt und vertieft. Diese Tätigkeit war den italienischen Regierungen ein Dorn im Auge und so versuchten sie ab dem Jahr 1978, von der Bundesrepublik Deutschland seine Auslieferung zu erreichen. Diese Versuche dauerten 14 Jahre lang“, fuhr Lang fort.

„Mehrfach intervenierten hohe österreichische Politiker wie der Bundeskanzler Dr. Kreisky und der Justizminister Dr. Ofner bei der deutschen Bundesregierung und wiesen auf die Menschenrechtswidrigkeit des italienischen Abwesenheitsverfahrens hin. Die italienischen Auslieferungsbegehren scheiterten dann an den deutschen Höchstgerichten. Für Peter Kiesberger war es jedoch ein Gang durch die Hölle gewesen, der insgesamt 14 Jahre gedauert hatte. Ein ganzes Jahr hatte Peter Kienesberger auch in Auslieferungshaft gesessen. Es gab auch mehrere Entführungs- und Mordpläne des italienischen Geheimdienstes gegen Peter Kienesberger mit bereits konkreten Vorbereitungen, die aber nicht zur Durchführung kamen, weil sie vorzeitig enthüllt wurden. Peter Kienesberger hat die Kämpfe, Mühen und Leiden dieser Welt hinter sich. Wir gedenken seiner in Trauer zusammen mit seiner Familie, der wir uns verbunden fühlen“, so Lang.

„Uns erfüllt aber auch ein Gefühl der Dankbarkeit. Zweimal in der jüngeren Geschichte sind Oberösterreicher den Tirolern in Zeiten höchster Not zu Hilfe gekommen: 1915 war es das Regiment der Freiwilligen Oberösterreichischen Schützen, das den Tiroler Standschützen bei der Verteidigung der Grenze zur Seite stand. Eine ganze Reihe von Gräbern in Welschtirol erinnert an das Opfer dieser Freiwilligen. 1961 waren es Peter Kienesberger und eine Reihe seiner oberösterreichischen Freunde, die sich dem Südtiroler Freiheitskampf anschlossen. Lieber Peter, Du bist von uns gegangen. In unseren Herzen lebst Du weiter“, betonte der Obmann des Heimatbundes.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen