Von links: Schauspieler Fischer, Regisseur Frosch und Karl Markovics

Großer Spielfilm-Preis bei Diagonale 2018 geht an “Murer”

Samstag, 17. März 2018 | 21:35 Uhr

Der heurige Eröffnungsfilm “Murer – Anatomie eines Prozesses” von Christian Frosch hat den Großen Spielfilm-Preis der Diagonale 2018 gewonnen. Dieser ist ebenso mit 21.000 Euro dotiert wie die Auszeichnung in der Dokumentarfilmsparte, die bei der Verleihung am Samstagabend im Grazer Orpheum an Nikolaus Geyrhalter für seinen grenzkritischen Film “Die bauliche Maßnahme” ging.

Froschs Spielfilm hatte bei der feierlichen Eröffnung am Dienstagabend seine Weltpremiere erlebt. Das Werk behandelt den Prozess gegen Franz Murer, den “Schlächter von Wilna”, der 1963 trotz erdrückender Beweise aus politischem Opportunismus in Graz von seinen NS-Kriegsverbrechen freigesprochen wurde. Frosch setzt unter Verwendung der Gerichtsprotokolle vor allem bei den originalen Zeugenaussagen auf Authentizität.

Geyerhalter hingegen hat sich einem politisch brisanten Thema dieser Tage angenommen und drehte im Vorjahr an der Brennergrenze, als die Flüchtlingswelle abebbte und der österreichische Minister dennoch Panzer auffahren lassen wollte. Der Regisseur lässt die Menschen im Tal und am Berg sprechen und erklären, was die “Maßnahme” mit ihnen machte.

In der Sparte des Innovativen Kinos setzte sich Johann Lurf mit seinem himmlischen Experimentalfilm “★” durch, für den es 9.000 Euro gab. Bei den mit 5.500 Euro dotierten Kurzspielfilm-Preisen reüssierte Bernhard Wenger mit seiner Urlaubsgroteske “Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin”, die auch von der Jugendjury mit den 7.000 Euro für den besten Nachwuchsfilm bedacht wurde.

Die beiden, je mit 3.000 Euro dotierten Schauspielpreise können sich heuer zwei Ensembles teilen – nämlich die Akteure von Katharina Mücksteins “L’Animale” und Stefan A. Lukacs “Cops”. Und ebenfalls je 3.000 Euro für den Schnitt gingen an Niki Mossböck im Bereich Spielfilm für ihre Arbeit an “Licht” und “Life Guidance” sowie an Joana Scrinzi in der Dokumentarfilmkategorie für “Gwendolyn” und “Nicht von schlechten Eltern”. Das Spielfilmdebüt von Regisseur Lukas Feigelfeld, das mittelalterliche Psychosenporträt “Hagazussa”, konnte schließlich indes die je mit 3.000 Euro verbundenen Preise für Bildgestaltung (Mariel Baqueiro) und Sounddesign (Niklas Kammertöns) für sich reklamieren.

Im Folgenden ein Überblick über die komplette Preisliste der Diagonale 2018:

Bester Spielfilm – 21.000 Euro – Christian Frosch für “Murer – Anatomie eines Prozesses”

Bester Dokumentarfilm – 21.000 Euro – Nikolaus Geyrhalter für “Die bauliche Maßnahme”

Bester innovativer Film – 9.000 Euro – Johann Lurf für “★”

Bester Nachwuchsfilm – 7.000 Euro – Bernhard Wenger für “Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin”

Bester Kurzspielfilm – 5.500 Euro – Bernhard Wenger für “Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin”

Bester Kurzdokumentarfilm – 4.000 Euro – Kristina Schranz für “Ars Moriendi oder die Kunst des Lebens”

Bester Schnitt Spielfilm – 3.000 Euro – Niki Mossböck für “Licht” und “Life Guidance”

Bester Schnitt Dokumentarfilm – 3.000 Euro – Joana Scrinzi für “Gwendolyn” und “Nicht von schlechten Eltern”

Beste Bildgestaltung Spielfilm – 3.000 Euro – Mariel Baqueiro für “Hagazussa”

Beste Bildgestaltung Dokumentarfilm – 3.000 Euro – Serafin Spitzer für “Gwendolyn”

Bestes Sounddesign Spielfilm – 3.000 Euro – Niklas Kammertöns für “Hagazussa”

Bestes Sounddesign Dokumentarfilm – 3.000 Euro – Sergey Martynyuk für “Zu ebener Erde”

Bestes Szenenbild – 3.000 Euro – Paul Horn für “Phaidros”

Bestes Kostümbild – 3.000 Euro – Peter Paradies für “Phaidros”

Schauspielpreise – je 3.000 Euro – an die Ensembles von “L’Animale” und “Cops”

Außergewöhnliche Produktionsleistung – je 10.000 Euro – an RitzlFilm für “Die beste aller Welten” und Minifilm für “Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft”

Von: apa