"Piefke-Saga"erregte Gemüter - Von Tirol über Irland ins Weinviertel - Bisher 50 Stücke

Großes Herz, großes Werk: Autor Felix Mitterer wird 70

Freitag, 02. Februar 2018 | 12:05 Uhr

Seine vierteilige “Piefke-Saga” (1989-92) und die Südtiroler Familiensaga “Verkaufte Heimat” schrieben heimische Fernsehgeschichte, seit seinem Stück “Kein Platz für Idioten” (1977) bereichert Felix Mitterer unermüdlich die Theater-Spielpläne. Am 6. Februar feiert der stille, zurückhaltende Autor, der 15 Jahre in Irland gelebt hat und auch als Schauspieler Erfolge feierte, seinen 70. Geburtstag.

“Ich habe unglaubliches Glück gehabt. Eigentlich ist es unfassbar”, sagt Felix Mitterer. “Schon als Zwölfjähriger wollte ich Schriftsteller werden. Aus so einem Milieu muss man das erst einmal schaffen.” Die erfolgreiche Autorenkarriere war dem Tiroler tatsächlich nicht in die Wiege gelegt: Er wurde als Sohn einer Kleinbäuerin und eines rumänischen Flüchtlings geboren und von einem Landarbeiterehepaar adoptiert und erzogen.

In Achenkirch geboren, arbeitete Mitterer nach Besuch der Lehrerbildungsanstalt über zehn Jahre lang beim Innsbrucker Zollamt. Nach ersten Veröffentlichungen von Texten in Rundfunk und in Zeitschriften, entschloss er sich 1977, freier Schriftsteller zu werden. In diesem Jahr hatte er mit dem Kinderbuch “Die Superhenne Hanna” und der Uraufführung seines Stücks “Kein Platz für Idioten” an der Tiroler Volksbühne Blaas seine ersten großen Erfolge. Mitterer selbst spielte rund 200mal die Hauptrolle in “Kein Platz für Idioten”, danach konzentrierte er sich mit wenigen Ausnahmen auf das Schreiben. 1979 brillierte er in einem TV-Film in der Rolle des Malers Egon Schiele. Erst im Sommer 2012 gab er in Kafkas “Ein Bericht für eine Akademie” in Telfs sein Bühnen-Comeback und wird an seinem Geburtstag mit dieser Produktion auch im Theater in der Josefstadt auf der Bühne stehen: “Meine letzte Rolle. Und nun an der Josefstadt die letzte Vorstellung.”

Schreiben ist für Mitterer eng mit Emanzipations- und Aufklärungsanspruch verbunden. Am Theater war ihm die Arbeit mit Laien- und Volksschauspielgruppen immer besonders wichtig, den Tiroler Volksschauspielen Telfs ist er seit Anfang verbunden. Während in seinen Theaterstücken nicht selten ein historischer Ansatz im Zentrum steht, geht es ihm im Fernsehen um Abbilder der Realität, die zu hinterfragen er ein größeres Publikum anstiften möchte. Dichterischer Hochmut ist ihm fremd. “Ich habe vor allem versucht, einfach brauchbare Stücke für bestimmte Themen zu schreiben. Das ist mir gelungen – in einem Übermaß.” Sein Ansatz, mit seiner Arbeit auf das Leben der Menschen zurückzuwirken, ist für ihn aufgegangen: “Darüber bin ich sehr glücklich.”

Skandale sind nicht angestrebt – aber als Mittel der Aufmerksamkeit durchaus willkommen. “Ich hatte das Glück, dass mir das nicht nur einmal, sondern gleich zweimal passiert ist”, verweist Mitterer auf “Die Piefke-Saga”, in der er die Auswirkungen des Massentourismus auf seine Heimat Tirol satirisch darstellte, und auf die ebenfalls vierteilige Südtiroler Familiengeschichte “Verkaufte Heimat” (1989-94).

Seine meistdiskutierten Stücken waren “Stigma” (1982), “Sibirien” (1989) und “Die Beichte” (2004). Zu seinen weiteren Theaterarbeiten (deren Buchausgaben im Haymon Verlag erscheinen) zählen “Besuchszeit” (1985), “Die Wilde Frau” (1986), “Kein schöner Land” (1987) “Die Kinder des Teufels” (1989), “In der Löwengrube” (1998), “Der Patriot” (2008), “Du bleibst bei mir” (2011), “Jägerstätter” (2013), “Glanzstoff” (2015), “Der Boxer” (2015) und “Galapagos” (2017). Inklusive der für 7. Oktober geplanten Uraufführung “Vomperloch” am Landestheater Innsbruck zählt das Werkverzeichnis in Mitterers eben erschienenem “Lebenslauf” (Haymon Verlag) genau 50 Stücke auf, darunter auch Ausflüge in die Oper (“Wolkenstein”, 2004, Musik: Wilfried Hiller) und ins Musical (“Die “Weberischen”, 2006, Musik: Martyn Jacques / The Tiger Lillies). Hinzu kommen zwei Übersetzungen und sechs Hörspiele.

Mitterer zählt auch zu den meistbeschäftigten Drehbuchschreibern des deutschsprachigen Fernsehens. Neben “Die Piefke-Saga” und “Verkaufte Heimat” schrieb er u.a. sechs Folgen des Neunteilers “Die fünfte Jahreszeit” (1980-81), die Fernsehfilme “Egon Schiele ” (1979), “Der Narr von Wien – Peter Altenberg” (1982), “Andreas Hofer – Die Freiheit des Adlers” (2001), “Die Heilerin” (2004; Zweiter Teil: 2006), “Der Bär ist los!” (2008) sowie zahllose “Tatort”-Krimis und den Tiroler Landkrimi “Sommernachtsmord” (2016). Auch für die Kinofilme “Requiem für Dominic” (Robert Dornhelm, 1990), “Die Wildnis” (Werner Masten, 1992) und “Krambambuli” nach Marie von Ebner-Eschenbach (Xaver Schwarzenberger, 1998) hat er die Drehbücher verfasst.

Im Juli 1995 übersiedelte Felix Mitterer mit seiner damaligen Frau, der nach einem Wohnungsbrand in Hall in Tirol 2017 gestorbenen Malerin Chryseldis Hofer, und der 1980 geborenen gemeinsamen Tochter Anna Magdalena nach Irland. Als er 2010 wieder zurück nach Österreich kam, kaufte er sich in Ravelsbach im Weinviertel ein 500 Jahre altes Haus, das er renovierte.

Zu den zahlreiche Auszeichnungen Mitterers zählen der Peter-Rosegger-Literaturpreis (1987), der Ernst-Toller-Preis (2001), das Ehrenzeichen des Landes Tirol (2005), der Ödön-von-Horvath-Preis (2013) und das Ehrenzeichen für Kunst und Kultur der Stadt Innsbruck (2015).

(B I L D A V I S O – Bilder von Mitterer sind im AOM abrufbar.)

Von: apa

Kommentare

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6 Kommentare auf "Großes Herz, großes Werk: Autor Felix Mitterer wird 70"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
moler
moler
Tratscher
21 Tage 11 h

a großer
und wenn man denkt wie recht er mit der piefke saga kop hot sig man heint olleweil mehr

Bluemchen
Bluemchen
Tratscher
21 Tage 8 h

@moler
Vollkommen richtig, bin ganz deiner Meinung.

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
21 Tage 7 h

ein Visionär, großartiger Denker und Künstler, mein großartige Hochachtung und Glückwunsch zum Runden🎂🥂👍

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
21 Tage 6 h

der Minusdrücker will keine Visionen, die Rufer in der Wüste waren und sind Mächtigen und Herrschenden ein Dorn im Auge …😊

bon jour
bon jour
Superredner
21 Tage 3 h

anfänglich ein “Nestbeschmutzer”, erst so langsam kam die Anerkennung.

amme
amme
Tratscher
20 Tage 19 h

piefke saga neuauflage bitte

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