Das milde Herbstwetter begünstigt die Transhumanz

Großes Schauspiel der Schafe am Schnalstaler Gletscher

Sonntag, 13. September 2015 | 17:23 Uhr

Schnals – Das Schauspiel der Schafe auf Wanderschaft ging am heutigen Sonntag bei wechselhaftem Wetter und milden Temperaturen am Schnalstaler Gletscher über die Bühne: rund 1.500 Schafe kehrten von der Sommerweide im Ötztal nach Schnals zurück. Nach einer fast 50 Kilometer langen Wanderung von Vent über das Hochjoch, legten Hirten und Schafe an der Schutzhütte "Schöne Aussicht" eine längere Rast ein, bevor sie am frühen Nachmittag den Abstieg nach Kurzras antraten.

Im Tal erfolgte in der Schafscheide die Zuteilung der Tiere an die Bauern. Die Bergrettung Schnals empfing mit einem Sommerfest und feierte gleich doppelt, denn am Vormittag war ihr neues Geländefahrzeug von Pfarrer Franz Messner gesegnet worden. Tanshumanz steht für den Übergang tausender Schafe Schnalstal ins Ötztal und zurück. Wörtlich übersetzt bedeutet dies „Wanderweidewirtschaft“. Dieser Brauch wird schon seit Jahrhunderten gepflegt, heuer jährte sich dieser Übertrieb zum 600. Mal seit der ersten urkundlichen Erwähnung in einem Vertrag im Jahre 1415. Darin sind Grundbesitz und Weiderechte geregelt.

Seit 2011 gehört die Transhumanz auch zum UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Anton Peter Raffeiner, Obmann der Interessentschaft Rofental, besitzt eine Urkunde aus dem Jahre 1750, in welcher der Vertrag von 1415 bestätigt wird: "Die internationale Anerkennung dieser Tradition macht uns schon ein wenig stolz."

Die Schnalstaler Gletscherbahnen hatten für die Besucher einen Sondertransport mit Seilbahn und Sesselliften über den Gletscher hin zum Schafzug eingerichtet. Dieser Dienst wurde bestens angenommen. “Wir haben heuer in Absprache mit den Bauern und mit der Hilfe der Förster und der Bergrettung der Finanzpolizei die Besucher so gelenkt, dass sie die Schafe nicht stören konnten und diese somit auf demWeg bleiben“, erklärt Elmar Pichler Rolle, Direktor der Schnalstaler Gletscherbahnen. Anlässlich des runden Jubiläums des Vertrages von anno 1415 hat die HGV-Ortsgruppe Schnals in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein in alten Aufzeichnungen nach Rezepten mit Schaffleisch gestöbert – und wurde fündig. Die Gerichte rund um das Schnalser Bergschaf aus Urgroßmutters Zeiten werden von den Küchenchefs jetzt neu interpretiert und unter dem Titel „Seit Jahrhunderten auf dem Tisch“ vom 11. September bis 4. Oktober in einem Dutzend Schnalser Gasthöfen angeboten.

Von: mh