Die Vorwürfe gegen Kuhn müssen rasch geklärt werden

Gustav Kuhn auch als Dirigent der Festspiele Erl beurlaubt

Freitag, 21. September 2018 | 11:41 Uhr

Gustav Kuhn steht ohne Funktionen da: Der Maestro ist bei den Tiroler Festspielen Erl nicht nur als künstlerischer Leiter, sondern nun auch als Dirigent vorerst passe. Der Vorstand der Tiroler Festspiele Erl Gemeinnützigen Privatstiftung habe Kuhn “aufgrund der anhaltenden Diskussion und um weiteren Schaden von den Festspielen abzuhalten” von den geplanten Dirigaten entbunden, hieß es am Freitag.

Die Beurlaubung als Intendant und Dirigent gelte “bis zur endgültigen Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe durch das Gericht und die Gleichbehandlungskommission”, wurde erneut betont. Kuhn werden unter anderem sexuelle Übergriffe auf Künstlerinnen vorgeworfen. Ende Juli hatte er nach anhaltendem Druck seine Funktion als künstlerischer Leiter ruhend gestellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dieser Causa, zudem wurde die Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt eingeschaltet.

Sollte die Klärung der Vorwürfe nicht in den nächsten Monaten im Sinne Kuhns erfolgen, steht zumindest eines fest: Erstmals in der Geschichte würde eine Festivalzeit in Erl ohne den “Maestro” vonstattengehen. Denn die Wintersaison in der Unterländer Gemeinde beginnt auch heuer am 26. Dezember.

Eine Konsequenz hat das Dirigat-Ende für Kuhn indes bereits jetzt: Die Erntedankkonzertreihe, die zwischen 5. und 7. Oktober geplant war, wurde abgesagt. Von der Maßnahme unberührt bleibe die Matinee am 30. September, weil es sich bei dieser um eine rein private Benefizveranstaltung zugunsten der Concordia Gemeinnützige Privatstiftung handelt und dafür keine öffentlichen Mittel eingesetzt werden, wie seitens der Festspiele erklärt wurde.

Dass Kuhn auch den Dirigentenstab in Erl abzugeben hat, wurde bald nach seinem Rückzug als künstlerischer Leiter gefordert. Verlangt wurde dies vor allem auch von politischer Seite: Vom ÖVP-Koalitionspartner in Tirol, den Grünen, sowie der Oppositionspartei SPÖ. Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) meinte damals hingegen, dass sich die Frage des Dirigats “derzeit” nicht stelle.

Die Tiroler Grünen zeigten sich am Donnerstag auch “irritiert” über Winterprogramm-Flyer der Festspiele, auf denen Kuhn nach wie vor als künstlerischer Leiter angeführt wurde. Die Festspiele bedauerten dies und erklärten, dass die Prospekte bereits im Frühjahr gedruckt worden waren. Auf der Festspielhomepage sei Kuhn hingegen bereits nicht mehr als künstlerischer Leiter angeführt worden.

Dem 73-jährigen Kuhn war vor allem ein Ende Juli veröffentlichter Offener Brief von fünf Künstlerinnen zum Verhängnis geworden, in dem diese, namentlich unterfertigt, von “anhaltendem Machtmissbrauch und sexuellen Übergriffen” durch den “Maestro” gesprochen hatten. Zuvor waren anonyme Anschuldigungen kursiert, die der Tiroler Blogger Markus Wilhelm veröffentlicht hatte. Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner betonte indes mehrfach, dass Kuhn nur dann nach Erl zurückkehren könne, wenn nicht nur die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen eingestellt werden, sondern auch die Gleichbehandlungskommission dessen Unschuld feststelle.

Von: apa