Bis Montag ist das Geschichtsmuseum bei freiem Eintritt zugänglich

Haus der Geschichte Österreich in Wien eröffnet

Samstag, 10. November 2018 | 22:30 Uhr

Mit einem Bekenntnis zu Fortbestand und Weiterentwicklung der Institution seitens der Politik sowie einem großen Andrang des Publikums ist am Samstag das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) in der Neuen Burg in Wien eröffnet worden. Das erste Zeitgeschichtsmuseum der Republik blickt in seiner Eröffnungsausstellung unter dem Titel “Aufbruch ins Ungewisse” auf “Österreich seit 1918” zurück.

Die Betreiber bilanzierten am Abend eines langen Eröffnungstages positiv: 800 Gäste konnten am Vormittag im dicht gefüllten Camineum der Nationalbibliothek beim offiziellen Festakt begrüßt werden, insgesamt 3.500 Zuschauer wurden im Verlauf des achtstündigen Eröffnungsfests vor der Bühne am Heldenplatz gezählt. Die ersten zehn Öffnungsstunden des neuen Museums hatten bei freiem Eintritt zwar lange Warteschlangen auf der Rampe, insgesamt aber nicht mehr als 1.500 Besucher gebracht. Grund ist eine behördliche Beschränkung auf 240 gleichzeitige Besucher in den nur 750 Quadratmeter großen Ausstellungsräumen, die sich dadurch immer nur locker gefüllt präsentierten.

Den Gästen blieb so genügend Platz zur Betrachtung der fast 2.000 Objekte und auch genügend Zeit zum Studium der umfangreichen Informationen: Einmal hineingelangt, war die Verweildauer für die Besucher unlimitiert. Die Kuratoren berichteten von fast durchwegs positiven Publikumsreaktionen, aber auch von einigen Diskussionen – ganz im Sinne des Museums, das sich als Geschichtslabor versteht, das Anstöße zur Auseinandersetzung geben möchte.

Beim Festakt am Vormittag hatten Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka klare Bekenntnisse zum Fortbestand der Institution gegeben. Nach ihrer Vorstellung wird das derzeit an die Österreichische Nationalbibliothek angegliederte Museum künftig eine eigenständige Einrichtung, die allerdings an das Parlament angedockt werden soll. Skepsis zeigte Ex-Bundespräsident Heinz Fischer, der Regierungsbeauftragte für das Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018, gegenüber der angedachte Umbenennung in “Haus der Republik”. Er ließ klare Sympathie für den bestehenden Namen erkennen: “Ich denke, dass das ein guter Name ist, der seine Funktion erfüllen wird”, sagte er und erntete damit viel Applaus.

Die Festrede des Neurobiologen Eric Kandel wurde aufgrund einer kurzfristigen Erkrankung des Nobelpreisträgers vom Zeithistoriker Oliver Rathkolb, dem Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirates, verlesen. In Anlehnung an Hugo Bettauers Roman “Die Stadt ohne Juden” nannte Kandel, der vor wenigen Tagen seinen 89. Geburtstag gefeiert hat, seine Rede “Austria: A Country Without Jews”. Österreich sei nämlich durch den Holocaust, aber auch durch eine Nachkriegspolitik, die an vertriebene Juden keine Einladung zur Rückkehr aussprach, sondern im Gegenteil ihnen das Heimkommen schwer machte, zu einem Land mit einem verschwindend kleinen Anteil an jüdischer Bevölkerung geworden. Das Land habe zwar große Anstrengungen bei der Überwindung des Antisemitismus und in der Erinnerungskultur unternommen, er vermisse aber Initiativen, die jüdische Gemeinde in Österreich zu vergrößern und das jüdische Leben des Landes zu fördern, hielt Kandel in seiner Rede fest und forderte, dass jener Balkon, von dem Hitler gesprochen habe, als extrem wichtiger Geschichtsort “zugänglich gemacht und ins Museum integriert” werde.

Bei dem Fest auf dem Heldenplatz traten Musiker wie Harri Stojka oder Kreisky auf, Wolfgang Kos führte durch sein “Popmuseum”. Am Ende bespielten die Performance-Künstler Aiko & starsky die Fassade der Neuen Burg mit einer Licht-Installation. Bis inklusive Montag ist das neue Geschichtsmuseum bei freiem Eintritt zugänglich. Unter den Mitmach-Attraktionen des heutigen Tages war auch eine Abstimmung über mögliche Themen der nächsten Ausstellung. Die Entscheidung eilt nicht wirklich: Die Eröffnungsausstellung ist bis 17. Mai 2020 zu sehen.

Von: apa

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