65. Vollversammlung

Heimatpflegeverband verabschiedet zwei Resolutionen

Montag, 13. April 2015 | 18:23 Uhr

Burgeis – Im Rahmen seiner 65. Jahreshauptversammlung hat der Heimatpflegeverband zwei Resolutionen verabschiedet.

Am Samstag haben im Rittersaal der Fürstenburg in Burgeis die rund 90 anwesenden Heimatpflegerinnen und Heimatpfleger die beiden Resolutionen verabschiedet.
 
Darin wird Landeshauptmann Arno Kompatscher gebeten, die in den Resolutionen angeführten Vorschläge, Denkanstöße und Forderungen der Heimatpfleger ernst zu nehmen und sich als Volksvertreter für die Umsetzung derselben einzusetzen.

„Weniger ist oft mehr”

Die erste Resolution betrifft unter anderem die Auwälder. „Die noch vorhandenen Auwälder und Feuchtgebiete haben eine wichtige Funktion für Fauna und Flora, sie stellen Lebensräume für typische Pflanzenarten und verschiedene Tiergruppen dar. Vereinzelt kommen auch noch Schwarzerlen vor, die inzwischen zu den seltensten Bäumen in ganz Europa zählen. Diese Restgebiete dürfen nicht mehr für landwirtschaftliche Nutzungen oder für Freizeiteinrichtungen geopfert werden. Der Uniformierung der Landschaft durch Nutzung mit Intensivkulturen (Obstplantagen, Kirschanlagen, Erdbeerfelder usw.) muss Einhalt geboten werden. Die Möglichkeit zum Anbau von anderen Kulturarten (z.B. Grünland, Getreide, Gemüse, Kräuter und Sortenvielfalt u.a.) muss erleichtert werden und auch mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden“, heißt es in der der Resolution

Weiters steht: Landschaftprägende Kleindenkmäler wie Holzzäune, Wegkreuze und Kapellen, Trockenmauern, Kirchwege und Gassen, Wasserwaale und Hecken würden seit Jahrhunderten die Natur- und Kulturlandschaft bereichern. Diese im öffentlichen Interesse stehenden Denkmäler gelte es zu erhalten und die öffentliche Hand müsse dazu ihren Beitrag leisten.

„Der Erhalt der historischen Bausubstanz muss vermehrt unterstützt werden, es gilt die Dorfkerne durch entsprechende Maßnahmen neu zu beleben. Durch ein mit Gefühl saniertes Haus kann ein vornehmes Wohnklima den heutigen Anforderungen entsprechend erreicht werden“, so die Heimatpfleger

Erhalt historischer Bausubstanz

Die zweite Resolution betrifft den Erhalt historischer Bausubstanz und wurde vom Fachbeirat für Baukultur im Heimatpflegeverband eingebracht.

„Das Zehentmesserhaus in Sarnthein ist ein Juwel ländlicher Baukultur. Mit breiter Fassadengestaltung, mit Erker, solidem Satteldach, mit zwei barocken und mit einer neugotischen Stube, mit Kachelofen, gewölbter Küche und mittelalterlichem Kernbestand, ist es Ausdruck einer repräsentativen, aus seinem bäuerlichen Umfeld hervorstechenden Architektur. Das Zehentmesserhaus ist Eigentum der Gemeinde Sarnthein. Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz, obwohl es alle Voraussetzungen dazu erfüllt. Ein Antrag auf Unterschutzstellung vom Mai 2014 seitens des Amtes für Bau- und Kunstdenkmäler des Landesdenkmalamtes wurde von der Gemeinde Sarntal und dem örtlichen Heimatpflegeverein abgelehnt. Der Kultur- und Heimatpflegeverein plant anscheinend einen weitreichenden Umbau mit Errichtung von Wohnungen, wobei er keine Auflagen seitens der Denkmalpflege akzeptieren will“, heißt es in der Resolution.

Es sei für den Heimatpflegeverband Südtirol nicht nachvollziehbar, dass ein örtlicher Verein den Grundsätzen der Heimatpflege nicht nachkomme und den Erhalt eines ortsbildprägenden Baues in Frage stelle. Der Kultur- und Heimatpflegeverein Sarntal verwahre sich vehement gegen jegliche Form von Auflagen.

„Nach dem Antrag der Abteilung Denkmalpflege sind nun über sechs Monate verstrichen, in denen keine Maßnahmen gesetzt werden durften. Nun ist die Frist abgelaufen und wir befürchten, dass die Gemeinde den Weg zu einer allfälligen Baukonzession und einen damit verbundenen Umbau freigibt. Wir appellieren deshalb an die Landesregierung, ein entscheidendes Zeichen zugunsten der Denkmalpflege zu setzen und sich nicht über das Gutachten der eigenen Abteilung hinwegzusetzen. Der zuständige Landesrat, Herr Florian Mussner, täte gut daran, den Bereich der Denkmalpflege genauer unter die Lupe zu nehmen. Die letzthin in der Presse erschienen Äußerungen, wonach die bestehende Anzahl an Denkmälern im Lande ausreichend wären, erfüllen uns Heimatpfleger mit großer Sorge“, so der Heimatpflegeverband.

„Die Denkmalpflege ist, wie die gesamte Kultur, ein dynamischer Prozess, sodass man heute Objekte unter Denkmalschutz stellt, die vor 10 Jahren noch gar nicht in einem derartigen Zusammenhang gesehen wurden. Eine Unterschutzstellung bedeutet nicht, dass ein entsprechendes Gebäude nicht zeitgemäß und zeitgerecht genutzt werden kann. Die Erhaltung unserer Kultur steht in direktem Zusammenhang mit dem Schutz unserer gebauten Identität, welche wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollten. Wir fordern deshalb die Landesregierung auf, ehestens eine Unterschutzstellung des Zehentmesserhauses in Sarnthein vorzunehmen“, heißt es in der zweiten Resolution.

Von: ©mk

Bezirk: Vinschgau