In Olympiahalle zum Bischof geweiht

Hermann Glettler ist Innsbrucks neuer Diözesanbischof

Samstag, 02. Dezember 2017 | 16:15 Uhr

Der neue Innsbrucker Diözesanbischof heißt Hermann Glettler. Der 52-jährige Steirer ist am Samstag bei einem Festgottesdienst in der Olympiahalle zum neuen Innsbrucker Diözesanbischof geweiht worden. Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, der Linzer Bischof Manfred Scheuer und der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl vollzogen die Weihe.

Dort, wo normalerweise Sportveranstaltungen oder Konzerte stattfinden, waren mehrere tausend Gläubige zugegen. Einige Sitze blieben leer, doch die Halle war mehr als gut gefüllt. Vor der Olympiahalle war der Andrang bereits am Vormittag beträchtlich. 26 Busse aus allen Teilen Tirols fuhren vor. Auch Hunderte steirische Landsleute nahmen den Weg nach Tirol auf sich, um Glettler an seinem großen Tag die Ehre zu erweisen.

Unter den Teilnehmern befanden sich höchste kirchliche Würdenträger sowie Polit-Prominenz. So war neben Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) auch dessen Amtskollege Hermann Schützenhöfer (ÖVP) aus Glettlers steirischer Heimat gekommen. Auch der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) machte seine Aufwartung. An der Bischofsweihe nahm auch die österreichische Bischofskonferenz unter der Führung von Kardinal Christoph Schönborn teil. Nuntius Peter Stephan Zurbriggen vertrat bei der Weihe den Apostolischen Stuhl. Zudem kamen aus Bozen-Brixen Bischof Ivo Muser, aus den Diözesen Trient Erzbischof Lauro Tisi und München-Freising Weihbischof Wolfgang Bischof in die Tiroler Landeshauptstadt.

In der Mitte der Halle wurde eine kleine Bühne mit Altar und Ambo aufgebaut, dahinter auch eine Tribüne für die zahlreichen Traditionsverbände und Musikanten. Rund 400 Musikanten sorgten für die musikalische Umrahmung – darunter etwa der Domchor Innsbruck, der Stiftschor Stams und die Dombläser. Mitglieder einer afrikanischen Gemeinde, darunter einige Kinder, brachten dem neuen Bischof – mit Musik und Tanzchoreografie verbunden – Lebensmittel zum Altar.

“Ich bete für eine Erneuerung des Vertrauens innerhalb unserer Kirche”, erklärte Glettler am Ende des Festgottesdienstes in seinen Dankesworten. Die Kirche dürfe sich “nicht in eine spirituelle Sonderwelt” flüchten, sondern müsse neue Wege gehen und eine starke Spiritualität leben. Sie dürfe sich nicht in internen Diskussionen verlieren, niemand interessiere sich für kirchenpolitische Debatten bzw. Streitigkeiten. An die Gläubigen, und vor allem an die Jugend, appellierte er, “das bequeme Sofa des Wohlstandes zu verlassen und sich in unsere Welt einzumischen”. “Geht, heilt und verkündet”, appellierte der neuen Bischof an die Besucher und erntete dafür Standing Ovations. Er danke Gott für sein Leben und seinen Eltern dafür gelernt zu haben, “einfach zu leben und auf den großherzigen Gott zu vertrauen”.

Nuntius Zurbriggen hatte zuvor in seiner Amtssprache gemeint, er frage sich auch, weshalb die Sedisvakanz nach dem Abgang von Manfred Scheuer nach Linz so lange gedauert habe. Einiges sei ihm bekannt, aber aufgrund des päpstlichen Geheimnisses dürfe er nicht mehr sagen, nur soviel: “Gottes Mühlen mahlen langsam, die des Vatikans noch langsamer und vor allem anders”.

Landeshauptmann Platter war indes voll des Lobes über Glettler und zeigte sich überzeugt, dass es diesem gelingen werde, die “Herzen der Tiroler zu erobern”. Der neue Bischof werde “seinen eigenen Weg” gehen, so der Landeshauptmann, der Glettler einen Rucksack für mögliche gemeinsame Bergtouren schenkte.

Bergschuhe bekam der Diözesanbischof indes von Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck). Diese sah einen “Freudentag für ganz viele Menschen” und ein “ganz großes Glück”, einen Bischof wie Glettler zu haben. Glettlers “Heimatlandeshauptmann” Hermann Schützenhöfer lobte unter anderem dessen einzigartige Verbindung von “Herzlichkeit und Intellekt”.

Glettler wurde 1965 in Übelbach (Bezirk Graz-Umgebung) geboren. Nach der Matura am Bischöflichen Seminar und Gymnasium studierte er Theologie und Kunstgeschichte in Graz, Tübingen und München. Zuletzt war er Bischofsvikar der Diözese Graz-Seckau. Dort firmierte er oft unter dem Titel “Künstlerpfarrer”, engagierte sich besonders für sozial Benachteiligte und Flüchtlinge und gilt kirchenpolitisch als dezidiert reformorientiert.

Innsbruck hatte seit Jänner 2016 auf einen Nachfolger von Bischof Scheuer gewartet, der nach Linz gewechselt war. Am 27. September 2017 ernannte Papst Franziskus Glettler schließlich zum Bischof der Diözese Innsbruck. Als Wahlspruch suchte sich der 52-Jährige “Euntes curate et praedicate – Geht, heilt und verkündet” (Mt. 10, 7f) aus.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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4 Kommentare auf "Hermann Glettler ist Innsbrucks neuer Diözesanbischof"


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thomas
thomas
Superredner
11 Tage 18 h

ach würden wir in Bozen-Brixen doch so einen tollen Bischof kriegen…..

bon jour
bon jour
Superredner
11 Tage 16 h

wir haben einen Frömmler

thomas
thomas
Superredner
11 Tage 14 h

@bon jour
einziges Glück: der bleib ins wenigstens noch 40 Jahre erhalten

krakatau
krakatau
Superredner
9 Tage 14 h

Welch grossartiger Pomp wird hier betrieben. Aber immer um Spenden betteln

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